Interview

Fünf Minuten mit

Reinhold Robbe Foto: dpa

Interview

Fünf Minuten mit

Reinhold Robbe über Veränderungen bei der Deutsch-Israelischen Gesellschaft

von Detlef David Kauschke  12.10.2010 21:25 Uhr

Herr Robbe, Sie haben Johannes Gerster an der Spitze der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) abgelöst. Was wird sich unter ihrer Präsidentschaft ändern?
Wie Johannes Gerster stehe auch ich in der Tradition unserer Gründungsväter, die sich 1966 vorgenommen hatten, mit der DIG eine ganz besondere Qualität der Freundschaft zwischen Israel und Deutschland anzustreben. Die Hauptversammlung am vergangenen Wochenende hat deutlich gemacht, dass wir uns in bestimmten Bereichen weiter entwickeln müssen.

Welche Bereiche sind das?
Unser Fundament ist die unverbrüchliche Freundschaft mit Israel. Wir müssen unsere Strukturen so verändern, dass wir in der Mediengesellschaft besser von außen wahrgenommen werden. Und intern müssen wir die Kommunikation zwischen dem Präsidium und den 50 Arbeitsgemeinschaften in Deutschland deutlich optimieren.

Die DIG hat inzwischen kein Jugendreferat mehr. Was ist mit dem Nachwuchs?
Wir sind dabei, die Jugendarbeit neu aufzustellen. Das ist eine ganz zentrale Aufgabe. Wir müssen insbesondere junge Menschen für die deutsch-israelische Sache begeistern.

Bei der Hauptversammlung in Erfurt wurde diskutiert, ob sich die DIG kritischen Stimmen mehr öffnen muss. Wie wollen Sie den schmalen Grat zwischen Solidarität mit Israel und sachlicher Kritik an der Regierungspolitik beschreiten?
Die DIG ist eine pluralistische Institution im besten Sinne, wir haben eine Brandbreite unterschiedlicher Meinungen. Wie könnte es anders sein? Nur wenn wir wahrhaftig und glaubwürdig bleiben, werden wir Erfolg haben und können auch andere Menschen für unsere Sache gewinnen. Deshalb muss es möglich sein, sich auch in der DIG kritisch zur israelischen Politik zu äußern. Aber ebenso wichtig ist es, an der Solidarität mit Israel keinen Zweifel aufkommen zu lassen.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel hat sich kritisch gegenüber der israelischen Gaza-Politik geäußert, er ist nun nicht mehr DIG-Präsidiumsmitglied. Gibt es einen Zusammenhang?
Dirk Niebel ist ein Freund Israels, wie es nur wenige gibt. Gerade weil er so viel Empathie dem Land und den Menschen entgegenbringt, sind einige Bewertungen im Zusammenhang mit seiner letzten Nahost-Reise bedauerlich. Ich finde es schade, dass er dem neuen Präsidium aus zeitlichen Gründen nicht mehr angehören kann. Aber ich bin sehr froh darüber, dass wir nach wie vor eine enge Verbindung mit ihm und auch mit dem Deutschen Bundestag haben.

Sie sind wie Ihr Vorgänger ehemaliges Mitglied des Bundestages. Ist es hilfreich, nicht mehr aktiv in der Politik zu wirken?
Das ist eine Frage des Zeitmanagementes. Ich bin als ehemaliger Abgeordneter und Wehrbeauftragter des Bundestags immer noch sehr gut mit den wichtigsten Verantwortungsträgern vernetzt, aber nicht mehr in die Fraktionsdisziplin eingebunden. Zudem habe ich jetzt etwas mehr Freiraum für eine ehrenamtliche Tätigkeit wie die DIG-Präsidentschaft.

Mit dem neuen DIG-Präsidenten sprach Detlef David Kauschke.

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