Leipzig

Extremismusverdacht gegen sächsische Beamtin und BSW-Mitarbeiterin

Eine Mitarbeiterin des BSW soll diese extremistische, israelfeindliche Demonstration in Leipzig am 17. Januar angemeldet haben. Foto: picture alliance / NurPhoto

Nach einer israelfeindlichen Demonstration im Leipziger Stadtteil Connewitz steht eine Mitarbeiterin der Landesdirektion Sachsen im Fokus interner Prüfungen. Wie der MDR berichtete, soll die Frau eine zentrale Rolle bei der vom sächsischen Verfassungsschutz als gesichert extremistisch eingestuften Gruppe Handala gespielt haben – unter anderem als Versammlungsleiterin und mutmaßliche Initiatorin eines Spendenaufrufs.

Der MDR hatte zudem offengelegt, dass die Beamtin seit vielen Jahren als Referentin für die Landesdirektion tätig ist. Die Behörde reagierte zunächst ausweichend und erklärte schließlich, der Sachverhalt werde »ermittelt und geprüft«. Fragen an die Betroffene selbst blieben unbeantwortet.

Nach Informationen der »Leipziger Volkszeitung« geht der Fall jedoch noch weiter: Demnach handelt es sich bei der Mitarbeiterin nicht nur um eine einfache Sachbearbeiterin, sondern um eine Führungskraft innerhalb der Landesdirektion. Sie arbeite in einer höheren Verwaltungsbehörde, die Aufgaben für mehrere Staatsministerien wahrnimmt, und sei am Standort Leipzig eingesetzt, berichtet die Zeitung.

Politische Zurückhaltung

Ein Sprecher der Landesdirektion sagte dem Blatt, die Vorwürfe würden nun geprüft: »Gegebenenfalls werden weitere Schritte eingeleitet«. Er verwies dabei auf die besondere Pflicht von Beamten zur Verfassungstreue und politischen Zurückhaltung. Bereits der äußere Eindruck mangelnder Loyalität gegenüber der freiheitlich-demokratischen Grundordnung könne beamtenrechtlich relevant sein.

Rechtsexperten hatten im MDR darauf hingewiesen, dass schon das öffentliche Auftreten für eine als extremistisch eingestufte Organisation oder das Organisieren von Spenden ein Dienstvergehen darstellen könne. Auch der sächsische Verfassungsschutz warnt seit Längerem vor einer zunehmenden Radikalisierung im Umfeld israelfeindlicher Demonstrationen, bei denen sich auch antisemitische Positionen äußern.

Lesen Sie auch

Die Landesdirektion Sachsen hat bislang keine Angaben dazu gemacht, ob bereits ein formelles Disziplinarverfahren eingeleitet wurde.

Nichts gewusst

Bereits in der vergangenen Woche hatte »Bild« über einen ähnlichen Fall in Leipzig berichtet. Demnach soll eine Mitarbeiterin der BSW-Fraktion im Leipziger Stadtrat eine sogenannte »pro-palästinensische« Demonstration mit dem Titel »Antifa means: Free Palestine« bei der Versammlungsbehörde angemeldet haben. Bei dieser Kundgebung befürchteten die Sicherheitsbehörden erhebliche Ausschreitungen, weshalb mehr als 1000 Polizeibeamte im Einsatz waren. Ob es dieselbe Kundgebung ist, an der die Beamtin der Landesdirektion beteiligt war, ist unklar.

Nach Angaben der Zeitung handelt es sich bei der Anmelderin um die stellvertretende Geschäftsführerin der BSW-Fraktion. Die Partei erklärte gegenüber »Bild«, von der Anmeldung nichts gewusst zu haben und die Demonstration nicht zu unterstützen. Politisches Engagement außerhalb des Arbeitsverhältnisses sei grundsätzlich Privatsache.

Der sächsische Verfassungsschutz bewertet den Fall jedoch deutlich kritischer: Nach Angaben der Behörde wird die Frau in ihrer Funktion als Vorsitzende der Gruppe Handala Leipzig nachrichtendienstlich beobachtet. Handala gilt als extremistische Organisation. Im Verfassungsschutzbericht wird ihr unter anderem vorgeworfen, Sympathien für die Hamas gezeigt zu haben, ohne sich später davon zu distanzieren.

Anderes Extrem

Ob im ersten Fall ein formelles Disziplinarverfahren eingeleitet wird, ist bislang offen. Klar ist jedoch, dass die sächsischen Behörden die Vorgänge nun auch vor dem Hintergrund vergleichbarer Fälle besonders genau betrachten.

In Sachsen ist nicht nur der Linksextremismus mitsamt seinen Terrorunterstützern stark, sondern auch das andere politische Extrem: Die rechtsextremistische AfD steht dort in der jüngsten INSA-Umfrage von Juni 2025 bei 35 Prozent und damit auf Platz eins, während die CDU bei 26 Prozent liegt. im

Washington

Weißes Haus verspricht Bericht zu Angriff auf Mädchenschule im Iran

Im Iran-Krieg wurden offenbar viele Schülerinnen getötet. Immer noch ist offiziell unklar, wer dafür verantwortlich ist. Das Weiße Haus verspricht Transparenz

 10.03.2026

Krieg

Reiseverband: Bald Ausreise aller Gäste aus Golfregion

Noch immer sitzen viele Urlauber infolge des Iran-Kriegs in der Golfregion fest. Reiseveranstalter arbeiten daran, sie trotz gesperrter Lufträume nach Hause zu bringen

 10.03.2026

Wiesbaden

Inflation unter zwei Prozent – aber Sorgen wegen Iran-Kriegs

Die Inflation in Deutschland fällt im Februar auf 1,9 Prozent. Der Iran-Krieg könnte die Preise aber wieder anheizen

 10.03.2026

Berlin

Merz: USA und Israel haben keinen Plan für Kriegsende

Der Kanzler verschärft erneut seine Tonlage und richtet mahnende Worte an zwei wichtige Partnerländer

 10.03.2026

Jerusalem

Wadephul macht Solidaritätsbesuch in Israel

Knapp eineinhalb Wochen nach Beginn der Angriffe auf den Iran reist der deutsche Außenminister nach Israel. Während eines Raketenalarms muss er Schutz in einem Bunker suchen

 10.03.2026 Aktualisiert

Celle

Mehr als sechs Jahre Haft für Drohnenteile an Hisbollah

Ein Gericht schickt einen Mann wegen Beihilfe zum versuchten Mord und Unterstützung der Hisbollah ins Gefängnis

 10.03.2026

Washington D.C.

Trump über Chamenei-Sohn: »Wird nicht in Frieden leben«

Im Iran hat ein neues Oberhaupt übernommen. US-Präsident Trump spricht nach der Ernennung von Modschtaba Chamenei von einem großen Fehler. Und macht düstere Andeutungen

 10.03.2026

Münster

Urteil: Keine Bundesmittel für AfD-nahe Stiftung für 2021

Die Desiderius-Erasmus-Stiftung erhält auch für 2021 keine Mittel vom Bund. Grund ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2023

 10.03.2026

Nahost

Raketenangriff auf Al-Asrak: Auch deutscher Teil getroffen

Eine neue Attacke in Jordanien traf auch den von deutschen Soldaten genutzten Bereich. Die Bundeswehr prüft noch, was genau einschlug. Die Soldaten sind in Sicherheit

 10.03.2026