Justiz

Ex-SS-Mann stirbt vor Prozess

Staatsanwaltschaft Hildesheim Foto: imago stock&people

Ein wegen Volksverhetzung am Landgericht Hildesheim angeklagter früherer SS-Mann, der 1944 an einem Massaker im nordfranzösischen Ascq beteiligt war, ist tot. Das bestätigte die niedersächsische Gemeinde Nordstemmen am Montag.

Der 96-Jährige hatte den Holocaust Ende vergangenen Jahres in einer Fernsehsendung heruntergespielt und den getöteten französischen Zivilisten Schuld an ihrem Schicksal gegeben. Daraufhin nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf.

Angehörige der Opfer des Massakers reagierten enttäuscht, dass es nicht mehr zu einem Gerichtsverfahren kommt.

WILLKÜRLICH Bei dem Massaker in Ascq hatten SS-Mitglieder 86 Zivilisten als Racheakt für einen Sprengstoffanschlag auf einen Zug willkürlich getötet. Der frühere SS-Mann wurde nach dem Krieg von einem französischen Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Nach französischem Recht war die Strafe wegen eines Kriegsverbrechens nach 20 Jahren verjährt. 2017 in Deutschland begonnene Ermittlungen wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord wurden eingestellt, weil niemand wegen derselben Tat zweimal bestraft werden darf.

Wie die »Hildesheimer Zeitung« berichtete, gab es noch in den letzten Monaten Kontakte des ehemaligen SS-Mannes in die rechtsextreme Szene. So sprach er auf Einladung der NPD vor mehr als 100 Neonazis.

»Das ist ein Grund mehr für mich, nicht in der Hölle zu enden, um ihn dort nicht wiederzusehen«, sagt der Bürgermeister zum Tod des SS-Manns.

HÖLLE Auf die Nachricht vom Tod des Mannes reagierte der Bürgermeister von Villeneuve d’Ascq, Gérard Caudron, mit der Feststellung: »Das ist ein Grund mehr für mich, nicht in der Hölle zu enden, um ihn dort nicht wiederzusehen«, berichtete die Zeitung »La Voix du Nord«.

Angehörige der Opfer des Massakers reagierten enttäuscht, dass es nicht mehr zu einem Gerichtsverfahren kommt. »Während dieses Prozesses wären wir zu Wort gekommen und hätten an die bei dem Massaker getöteten Männer erinnern können«, sagte die Tochter eines Getöteten, Marguerite-Marie Beghin, der Zeitung. »Wir hätten berichten können, was unseren Vätern widerfahren ist, und das ganze Leid, was darauf gefolgt ist.«  dpa/ja

Streit

Verhandeln die USA und Iran am Dienstag?

US-Präsident Donald Trump behauptet, dass ein Treffen in Doha geplant sei. Doch die iranische Regierung äußert sich nur vage

 29.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 29.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Nahost

So versuchen die USA und Iran vor dem Deal, Fakten zu schaffen

Am Dienstag sollen sich Vertreter beider Länder zu Verhandlungen treffen. Bis dahin versuchen beide Seiten, ihre Position zu stärken

 29.06.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  28.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  28.06.2026 Aktualisiert

New York

Hamas-Unterstützerin Aber Kawas gewinnt Vorwahlen in New York

Die palästinensisch-amerikanische Demokratin machte den Nahost-Konflikt und soziale Fragen zum Kernthema ihres Wahlkampfes

von Imanuel Marcus  28.06.2026

Meinung

Der Kahlschlag der Familienministerin

Der angekündigte Umbau des Bundesprogramms »Demokratie leben!« lässt Engagierte im Regen stehen. Die Folgen für Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention werden fatal sein

von Victoria Gulde  27.06.2026