Diplomatie

EU verurteilt Israel

Foto: iStockphoto

Am Montag haben sich die EU-Außenminister auf eine gemeinsame Erklärung zum Nahen Osten verständigt. Sie stellt, teilen die Minister vorsorglich mit, »keinen Boykott Israels dar«, einem solchen würde sich die EU »nachdrücklich widersetzen«.

In Israel sieht man das anders. Auch Oppositionsführer Isaac Herzog von der Zionistischen Union sagt, die EU »hilft damit BDS«, also der antiisraelischen Boykottbewegung. Und das Außenministerium in Jerusalem teilte mit, die EU »behandelt Israel mit zweierlei Maß«. Die Verantwortung der Palästinensischen Autonomiebehörde für die Aufwiegelung zu Terror werde völlig außer Acht gelassen. »Aus derzeit 200 territorialen Konflikten in der Welt nimmt sich die EU nur Israel heraus«, heißt es.

Gewalt In ihrer von allen 28 Außenministern getragenen Erklärung wird Besorgnis über den »andauernden Zyklus der Gewalt« geäußert, und »die Terroranschläge und Gewalt von allen Seiten« werden verurteilt. Zudem wird auf die umstrittene Kennzeichnungspflicht für Produkte aus Siedlungen in den besetzten Gebieten verwiesen.

Es ist also keine neue EU-Politik, wie sowohl europäische als auch israelische Beobachter konstatieren, sondern die Festschreibung der bisherigen. Gleichwohl ist das Zustandekommen der Erklärung interessant. Der Zeitung »Haaretz« war eine erste Fassung zugespielt worden, in der von einer »Unterscheidung« zwischen Israel und den Siedlungen die Rede war. Diese Formulierung findet sich in der verabschiedeten Fassung nicht.

Als Grund gelten Einwände, die von Griechenland, Zypern, Tschechien, Bulgarien und Ungarn geltend gemacht wurden. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hatte sich persönlich an Offizielle in diesen Ländern gewandt.

Kennzeichnungspflicht In einer ersten Fassung der Erklärung war des Weiteren von besonderer Gewalt, die von Siedlern ausgeht, die Rede. Diese Passage soll auf Druck von Griechenland aus der Erklärung genommen worden sein. Einige Medien zitieren einen Diplomaten, der beklagt, die Erklärung sei nun »leicht verwässert«. Besonders habe sich Polen hervorgetan, das die Formulierung, die EU-Mitglieder seien in der Frage der Kennzeichnungspflicht »geeint«, verhinderte. Nun heißt es, die EU sei dieser Maßnahme »verpflichtet«.

Weiterhin finden sich in der EU-Erklärung Anmerkungen zur »Bedeutung der ungehinderten Arbeit der Zivilgesellschaft« mit dem Hinweis, dass die EU »aktuelle Entwicklungen in dieser Sache mit Interesse verfolgt«. Das gilt als kritischer Hinweis auf das umstrittene NGO-Gesetz, das die Knesset jüngst verabschiedete.

Gespräch

Jüdische Stimme am Vatikan

Viktor Eichner vom Jüdischen Weltkongresses hat ein großes Ziel: sich für die jüdische Gemeinschaft einzusetzen – vor allem beim Heiligen Stuhl

von Sabine Kleyboldt  02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Sacramento

Kalifornien führt »jüdisch« als ethnische Kategorie ein

Gouverneur Gavin Newsom unterschrieb mehrere Gesetze, die für Juden in dem Bundesstaat relevant sind

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Irankonflikt

USA schickt dritten Flugzeugträger und weitere Marines in den Nahen Osten

Die Stationierung erweitert den Handlungsspielraum Washingtons für mögliche weitere Maßnahmen gegen das Mullah-Regime

 02.10.2026

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 01.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  01.10.2026