Meinung

Es herrscht Ruhe im Land

Die Islamisten drohen, die Geheimdienste warnen. Und die Deutschen? Ein unaufgeregtes Volk! Da gibt es düsterste Bedrohungsszenarien zuhauf – Anschläge auf Berlins Fernsehturm, den Hauptbahnhof und das Hotel Adlon –, und keinen scheint’s zu kümmern. Es herrscht gespenstische Ruhe im Land. Die Terroristen können offenbar Lieschen Müller und Karl Mustermann nicht so leicht erschrecken. Das wird die Osama bin Ladens dieser Welt wohl etwas ärgern, Bundesinnenminister Thomas de Maizière allerdings freuen. Denn Angst und Panik sind bekanntermaßen schlechte Ratgeber. Also bleibt es bei der Sprachregelung der Behörden: Deutschland ist zwar ein potenzielles Ziel für die selbst ernannten »heiligen« Krieger, aber ansonsten gilt: Nichts Konkretes weiß man nicht. Klingt nach Beruhigungspille. Die Bundesbürger wirken, als könne ihnen das Ungemach draußen in der Welt egal sein. Doch wer so denkt, verkennt den Ernst der Lage. Dass Deutschland bislang einem Anschlag entgangen ist, hat zwei Gründe: pures Glück auf der einen und die Tatkraft der Sicherheitskräfte auf der anderen Seite. Beides ändert nichts daran, dass Islamisten den Westen im Visier haben. Die Terroristen, auch die Konvertiten unter ihnen, hassen alles, was uns lieb und teuer ist: Demokratie, Freiheit, Toleranz, Frauenrechte. Und täusche sich keiner: Selbst wenn wir Afghanistan verlassen und der Nahe Osten in weite Ferne rückt – die Gefahr bleibt. Zeit, das zur Kenntnis zu nehmen.

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