Interview

»Es gibt mehr Antisemitismus«

Herr Berger, der Bund jüdischer Soldaten (RjF) verleiht an diesem Donnerstag zum vierten Mal die Bernhard-Weiß-Medaille. Wer wird in diesem Jahr geehrt?
Die Auszeichnung geht an Peter Popp, einen Oberstleutnant. Wir wollten in diesem Jahr jemanden würdigen, der unmittelbar in der Bundeswehr wirkt.

Was zeichnet Peter Popp aus?
Er hat als Militärhistoriker viel zur Geschichte der jüdischen Soldaten gearbeitet, so an der Ausstellung »Deutsche Jüdische Soldaten«. Und als Dozent an der Offiziersschule besuchte er mit den Soldaten die Gedenkstätte Dachau. Dies ist nicht Bestandteil der Ausbildung, das hat Popp aus Überzeugung getan.

Steht Peter Popp für eine neue Offiziersgeneration der Bundeswehr, in der jüdische Soldaten als Normalität gelten?
Nein, die Situation jüdischer Soldaten hat sich nicht verändert. Wenn überhaupt, dann eher zum Schlechteren.

Inwiefern?
Themen wie der Nahostkonflikt werden stärker in einer Weise wahrgenommen, die nicht israelfreundlich ist.

Was heißt das für den Bund jüdischer Soldaten – sieht man Sie etwa als eine Art israelische Einheit?
Solch ein Automatismus ist vorhanden, auch wenn wir uns gar nicht zu Fragen der israelischen Politik äußern. Nur wenn Israel als Ganzes, als jüdischer Staat attackiert wird, müssen wir Stellung beziehen.

Woran nehmen Sie konkret Anstoß?
Ein Beispiel: In dem »Wegweiser zur Geschichte Naher Osten«, den die Bundeswehr Soldaten mitgibt, die im Rahmen der Mission UNIFIL in diese Region gehen, findet sich ein Aufsatz des umstrittenen Islamwissenschaftlers Udo Steinbach zu den Grundlagen des Nahostkonfliktes. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Bundeswehr ausgerechnet ihn bittet, junge Soldaten darüber zu informieren.

Die Wehrpflicht ist abgeschafft, es ist die Rede von einer künftigen »Prekariatsarmee«, die Neonazis anziehen könnte.
Nazis werden nicht unbedingt Zeitsoldaten. Die halten die Bundeswehr eher für einen Bestandteil des Systems, das sie zerschlagen wollen. Aber es finden sich einzelne junge Männer ein, gerade aus den östlichen Bundesländern, die antiisraelisch und antijüdisch sozialisiert wurden.

Trauern Sie der Wehrpflicht nach?
Ich war immer für die Wehrpflicht: Sie ist Bestandteil der Armee in einer Demokratie.

Könnte die neue Bundeswehr für jüdische Zuwanderer attraktiv werden?
Vereinzelt ja, aber im Querschnitt glaube ich das nicht. Derzeit findet man Juden in den Offiziersdienstgraden, vor allem im Sanitätsdienst. In den Mannschafts- und Unteroffiziersdienstgraden sind wir selten vertreten.

Mit dem Vorsitzenden des Bundes jüdischer Soldaten (RjF) sprach Martin Krauß.

Krieg gegen Iran

USA könnten Abfangraketen für die Ukraine nach Nahost umleiten

Schicken die USA für die Ukraine vorgesehene Rüstungsgüter in den Nahen Osten? Ein Bericht der »Washington Post« sorgt Aufsehen - vor allem, weil eine Nato-Initiative betroffen sein könnte

 26.03.2026

Meinung

Lahav Shapiras Fall hätte vor Gericht verhandelt werden müssen

Der jüdische Student wirft der FU Berlin vor, ihn nicht ausreichend vor Diskriminierung geschützt zu haben. Doch die Richter wiesen seine Klage mit einer Begründung ab, die nur schwer nachzuvollziehen ist

von Matthias Fuchs  26.03.2026

Iran-Krieg

Israel meldet Tötung von IRGC-Marineführung

Die Tötung von Admiral Ali Reza Tangsiri stellt laut IDF »einen bedeutenden Schlag gegen die Führungsstrukturen der IRGC und ihre Fähigkeit dar, Terroraktivitäten im maritimen Bereich zu orchestrieren«

 26.03.2026

Nahost

Zwei Tote in Abu Dhabi durch herabfallende Raketenteile

Die Angriffe in den Golfstaaten lassen nicht nach. Erneut werden Menschen getötet

 26.03.2026

Berlin

Demonstration gegen Auftritt von Francesca Albanese

»Wer das Existenzrecht Israels delegitimiert und Gräueltaten rechtfertigt, darf in Berlin keine unwidersprochene Bühne erhalten«, sagen die Organisatoren der Kundgebung

von Imanuel Marcus  26.03.2026

Berlin

Merz: »Wolfram Weimer hat mein Vertrauen«

Der Kulturstaatsminister steht wegen des Ausschlusses von linken Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis in der Kritik. Der Kanzler sieht durchaus schwierige Debatten - gibt aber generelle Rückendeckung

 26.03.2026

Nahost

Straße von Hormus: Iran richtet »Mautstelle« ein

Schiffe müssen Informationen über Ladung, Besatzung und Zielort übermitteln – und bezahlen

 26.03.2026

Berlin

Prosor übt scharfe Kritik an Bundespräsident Steinmeier

Der israelische Botschafter moniert eine zu optimistische Sicht auf Diplomatie. In der internationalen Politik sei der Glaube verbreitet, dass sich Konflikte durch Gespräche lösen ließen. Doch dieses Denken habe Grenzen

 26.03.2026

Achse Teheran-Moskau

Bericht: Russland liefert Drohnen an Iran

Diese Art der Unterstützung für das iranische Regime ist ein Novum. Bisher wurden Drohnen in umgekehrter Richtung geliefert

 26.03.2026