Interview

»Es gibt ein Restrisiko«

Joachim Herrmann Foto: dpa

Herr Minister, beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat der Bundesrat alle Unterlagen für ein Verbotsverfahren gegen die NPD eingereicht. Glauben Sie, dass der Antrag diesmal durchkommt?
Ich bin zuversichtlich, dass wir das Verfahren erfolgreich bestreiten werden. Wenn es aussichtslos wäre, bräuchten wir es ja gar nicht zu machen.

Optimistisch war die Bundesregierung auch schon 2003. Dennoch ist das Verfahren damals gescheitert.
2003 gab es ja das Sonderproblem mit den V-Leuten. Eine Minderheit des Gerichts hatte damals darin eine Hürde für ein Verbot gesehen. Diesmal haben wir ausschließlich Materialien verwendet, die offen zugänglich sind. Das sind auch Akten aus Gerichtsprozessen gegen Straftäter. So haben wir eine klare Argumentation aufgebaut. Damit können wir eindeutig nachweisen, dass die NPD eine Partei ist, die in einer Tradition mit der NSDAP und den Nationalsozialisten steht.

Bundesregierung und Bundestag haben sich der gemeinsamen Initiative der Länder nicht angeschlossen. Fehlt die Unterstützung?
Natürlich ist es schade, dass sich Bundesregierung und Bundestag dem Antrag nicht angeschlossen haben. Aber die Kanzlerin hat ja eindeutig erklärt, dass auch sie ein Verbot der NPD wünscht und dass eine solche Partei keinen Platz in unserer Republik hat.

Ihr Parteifreund, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, wurde in der vergangenen Woche mit den Worten zitiert: »Das machen wir nicht, die Länder sollen mal allein verlieren.« Wie sehr stört das?
Ich habe diese Äußerung von Hans-Peter Friedrich nicht gehört. Natürlich gibt es immer ein Restrisiko vor Gericht. Die Hürden für ein Parteiverbot sind aufgrund unserer geschichtlichen Erfahrung mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933 und seinen Folgen recht hoch.

Kann es auch sein, dass die Hürden zu hoch sind?
Ja, das ist der andere Pol. Wir sollten die Hürden für ein Parteiverbot nicht so hoch aufbauen, dass man letztlich keine Partei mehr verbieten kann. Das ist nicht im Sinne des Grundgesetzes. Wir dürfen ein Parteiverbot nicht so erschweren, dass man es erst durchsetzen kann, wenn der Tag der Machtergreifung quasi kurz bevor steht. Gleichwohl sollten wir auch nicht so tun, als wäre es so weit. Es muss möglich sein, schon jetzt eine verfassungsfeindliche und hässliche Partei wie die NPD zu verbieten.

Es gibt Rechtsextremismus auch außerhalb der NPD. Was muss die Politik noch unternehmen?
Das NPD-Verbot ist nicht alles, aber mit diesem Verbot würden wir vor allem erreichen, dass keine Gelder der staatlichen Parteienfinanzierung mehr an diese Partei gehen. Gleichzeitig müssen wir aktiv Antisemitismus und Ausländerhass entgegenwirken.

Mit dem bayerischen Innenminister (CSU) sprach Martin Krauß.

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Berlin

Amnesty International ruft Hamas zum Ende der Gewalt auf

Gewalt und außergerichtliche Hinrichtungen durch die Terrororganisation auch gegen Palästinenser kommen laut UN regelmäßig vor. Menschenrechtler fordern ein sofortiges Ende dieser Verbrechen

von Anna Mertens  21.08.2026

Erfurt

Deutsch-israelischer Jugendaustausch kommt nicht voran

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse sieht strukturelle und politische Gründe. Auch ein Austauschprogramm stockt

von Matthias Thüsing  21.08.2026

Wahlkampf der AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

Magdeburg

Wie sich die AfD auf eine mögliche Regierung vorbereitet

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte der rechtsextremistischen AfD erstmals den Weg in eine Landesregierung öffnen. Mit Schulungen, einem Personalpool und Hilfe aus Österreich bereitet sie sich seit langem darauf vor

von Jörg Ratzsch  21.08.2026

Berlin

Bezirk prüft Entzug der Zulassung von antisemitischem Influencer als Berufsbetreuer

Auf Instagram verbreitet er Judenhass und Verschwörungsmythen, im Job soll er Berufstätige mit Herausforderungen betreuen. Passt das zusammen?

 21.08.2026

Iran-Konflikt

Nach Berichten über Missstände: US-Flugzeugträger »USS George Washington« löst Pannenschiff ab

Die »USS Abraham Lincoln« ist seit Monaten im Mittleren Osten eingesetzt und hat zuletzt wegen erheblicher Probleme an Bord Schlagzeilen gemacht. Nun ist ein neuer Flugzeugträger in der Region angekommen

 21.08.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Berlin/Brüssel/Jerusalem

Sieben Staaten und EU verlangen Stopp von Siedlungsprojekt im Westjordanland

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und weitere Länder fordern Israel auf, die geplante Bebauung zu stoppen. Die EU bereitet offenbar ein Sanktionspaket vor

 21.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026