Justiz

Ermittlungen gegen ehemaligen KZ-Wachmann eingestellt

Dem 95-Jährigen wurde zur Last gelegt, als Wachmann in einem Meppener Nebenlager des KZ Neuengamme Beihilfe zur Tötung von Gefangenen geleistet zu haben. Foto: imago/Hauke Hass

Die Generalstaatsanwaltschaft Celle hat das Ermittlungsverfahren gegen einen ehemaligen Wachmann eines KZ-Außenlagers in Meppen wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord eingestellt. Die Ermittlungsbehörde begründete ihre Entscheidung am Donnerstag mit mangelndem hinreichendem Tatverdacht.

Der 95 Jahre alte Beschuldigte Friedrich Karl B. lebt seit 60 Jahren in den USA, gegen ihn wird zurzeit ein Ausweisungsverfahren betrieben.

TÖTUNG Ihm wurde zur Last gelegt, als Wachmann in einem Meppener Nebenlager des KZ Neuengamme zwischen dem 28. Januar 1945 und dem 4. April 1945 insbesondere durch die Bewachung eines Evakuierungsmarsches Beihilfe zur Tötung von Gefangenen geleistet zu haben. B. war in dem genannten Zeitraum als deutscher Marine-Soldat der SS als Wachmann zugeteilt.

Der Generalstaatsanwaltschaft zufolge ist B. in einer Liste eingetragen, die 1950 bei der Bergung des vor Kriegsende in der Ostsee mit Tausenden KZ-Häftlingen versenkten deutschen Frachtschiffs »Thielbek« gefunden wurde. Der Eintrag enthalte den Zusatz »Meppen«.

B. war in dem genannten Zeitraum als deutscher Marine-Soldat der SS als Wachmann zugeteilt.

Der genaue Einsatzort des Beschuldigten während seiner Überstellung an die SS sei aber nicht bekannt. In den beiden Außenlagern des KZ Neuengamme in Meppen wurden seit Anfang 1945 offenbar als arbeitsfähig eingestufte ausländische Zwangsarbeiter zum Ausbau von Panzer- und Schützengräben und Befestigungsbauten eingesetzt.

TOTE Durch Überbelegung und eine allgemeine Verschärfung der Versorgungslage zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatten sich die Lebensbedingungen auch in den Außenlagern von Neuengamme deutlich verschlechtert. Zudem führten ab dem 23. und 24. März 1945 Evakuierungsmärsche in Richtung des Hauptlagers in Neuengamme, die von der SS wegen des Herannahens der Front angeordnet worden waren, zum Tod von etwa 70 entkräfteten Häftlingen. In der Zeit vom 26. Dezember 1944 bis zum 25. März 1945 kamen in beiden Lagern und auf den Evakuierungsmärschen insgesamt 379 Gefangene ums Leben.

Der Beschuldigte hatte bei Vernehmungen in den USA eingeräumt, einige Wochen Gefangene im Raum Meppen bewacht zu haben. Misshandlungen von Gefangenen habe er dabei nicht beobachtet, Todesfälle unter den Häftlingen seien ihm nicht zur Kenntnis gelangt. Zur Bewachung eines Evakuierungsmarsches sei er nicht eingesetzt gewesen.

Die Ermittlungen des US-Justizministeriums hätten den Beschuldigten nicht mit einer konkreten Tötungshandlung in Verbindung gebracht.

Darüber hinausgehende Angaben bei einer Vernehmung des Beschuldigten in Deutschland sind laut Generalstaatsanwaltschaft nicht zu erwarten. Die eingeräumte Bewachung von Gefangenen in einem Konzentrationslager, das nicht der systematischen Tötung der Gefangenen diente, reiche als solche für einen Tatnachweis nicht aus.

Die Ermittlungen des US-Justizministeriums hätten den Beschuldigten nicht mit einer konkreten Tötungshandlung in Verbindung gebracht, zu der der Beschuldigte Beihilfe geleistet haben könnte, hieß es weiter. Weitere Beweismittel stünden nicht zur Verfügung, überlebende Häftlinge aus den beiden Lagern seien nicht bekannt, und das vorhandene schriftliche Material sei vollständig ausgewertet. epd

Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus

Der Kampf ums Rote Rathaus

Wer in der Hauptstadt neuer Regierender Bürgermeister wird, ist offen – CDU und Linke liefern sich ein enges Rennen

von André Anchuelo  16.09.2026

Kommentar

Hohe Feiertage, wichtige Wahl

Die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern wählen am 20. September ihr Parlament. Wird der besorgniserregende Trend, der in Sachsen-Anhalt zu beobachten war, fortgesetzt und verfestigt?

von Juri Rosov  16.09.2026

Judenhass

»Während er mir in den Kopf schneidet, sagt er: ›Die Juden erschießen Kinder‹«

Eine neue Dokumentation enthüllt ein erschreckendes Ausmaß an Antisemitismus im britischen Gesundheitssystem

 16.09.2026

Landtagswahl in MV

Zwischen Engagement und Frust: Besuch in einer AfD-Hochburg

Peenemünde ist ein 400-Seelen-Ort an der deutschen Ostseeküste. Bei der vergangenen Wahl haben hier besonders viele Menschen die AfD gewählt. Und dieses Mal? Ein Besuch kurz vor der Landtagswahl

von Lilli Förter, Helena Dolderer, Verena Schmitt-Roschmann  16.09.2026

Großbritannien

Burnham will Beschränkungen für katholische und jüdische Premiers abschaffen

Die Regierung in London legt einen Gesetzentwurf zur Aufhebung religiöser Beschränkungen vor, die aus dem 19. Jahrhundert stammen

 16.09.2026

Berlin

Deutscher Freundeskreis der Bar-Ilan-Universität gegründet

»Wissenschaft lebt von Offenheit und Zusammenarbeit«, sagt Ron Prosor, Israels Botschafter in Deutschland

 16.09.2026

Washington D.C.

Vance: Iran-Krieg tritt in wenigen Monaten in neue Phase ein

Was wollen die USA in der nächsten Phase des Krieges erreichen?

 16.09.2026

Washington D.C.

USA plant Milliarden-Waffenverkauf an Israel

Die Hintergründe

 16.09.2026

Berlin

Kabinett berät über Maßnahmen für mehr Schutz gegen islamistischen Terror

Sicherheitsinteressen sollen bei Bewährungsentscheidungen stärker zählen und gefährliche Körperverletzungen mit Messern als Verbrechen gewertet werden. Was der neue Maßnahmenkatalog vorsieht

 16.09.2026