USA

Entfachen die Zionisten vom Weltall aus Waldbrände?

US-Politikerin Majorie Taylor Greene Foto: imago images/ZUMA Wire

Marjorie Taylor Greene ist eine der zahlreichen Neulinge im Kongress. Erst seit Anfang Januar sitzt die Republikanerin für den 14. Wahlbezirk des Bundesstaates Georgia im US-Repräsentantenhaus. Dennoch ist sie bereits landesweit bekannt. Der Grund: Die 46-Jährige sympathisiert offen mit der antisemitischen QAnon-Bewegung.

WALDBRAND QAnon bezeichnet eine Person oder Gruppe, die seit 2017 rechtsextreme Verschwörungsmythen im Internet verbreitet. Darunter ist die Behauptung, eine weltweite satanistische Elite entführe, missbrauche und töte Kinder, um aus ihrem Blut ein Verjüngungsmittel zu gewinnen.

Jetzt gruben US-Medien alte Facebook-Posts Greenes aus – und fanden unter anderem einen bizarren (und zwischenzeitlich gelöschten) Artikel aus dem Jahr 2018. Darin spekulierte die Politikerin, dass die verheerenden Waldbrände in Kalifornien, welche vor zwei Jahren 85 Menschen das Leben kosteten und mehr als Zehntausende Hektar an Wald und 14.500 Gebäude zerstörten, von Laserstrahlen aus dem Weltall entfacht worden sein könnten.

Mit dieser höchst innovativen Methode, suggerierte Greene in ihrem Post, hätten das Energieversorgerunternehmen Pacific Gas & Electric (PG&E) sowie die in New York ansässige Investmentbank Rothschild Inc. die Feuer gezielt gelegt, um Platz zu schaffen für ein gigantisches Bauprojekt: einen Hochgeschwindigkeitszug.

KABELBRAND Untersuchungen der US-Behörden nach der Ursache der Waldbrände kamen zu dem Schluss, dass PG&E tatsächlich Verantwortung für den sogenannten Camp-Fire-Brand trug. Allerdings kamen sie zu dem Ergebnis, dass nicht Laserstrahlen aus dem All ursächlich waren, sondern ein Stromkabel das Feuer entfacht hatte.

In ihrem Post informierte Greene ihre Anhängerschaft zudem, dass der damalige PG&E-Vorstand Roger H. Kimmel auch in der Führungsetage von Rothschild Inc. aktiv sei. Der kalifornische Energieversorger habe auch gezielt in Technologie investiert, um mittels Sonnenenergie aus dem Weltraum Strahlen auf die Erde zu lenken. Diese Technologie habe das Feuer ausgelöst, schrieb Greene in ihrem Facebook-Post. Das seien zwar Spekulationen - aber eben, so die Politikerin, »zu viele Zufälle, um sie einfach zu ignorieren«.

Es war nicht das erste Mal, dass Marjorie Taylor Greene eine angebliche jüdische Verschwörung ins Spiel brachte, und natürlich kamen auch hier, wie sollte es anders sein, die Rothschilds vor. 

2018 teilte sie ein Video, in dem suggeriert wird, dass »zionistische Rassisten« vermehrt nicht-weiße Einwanderer ins Land brächten, um die Mehrheitsverhältnisse zu ändern. Ebenfalls in dieser Woche wurde ein anderes Video publik. Darin ist Greene selbst zu sehen, wie sie einen Überlebenden des Massakers 2019 an einer Schule in Parkland, Florida auf offener Straße konfrontiert und ihn beschuldigt, vom jüdischen Mäzen George Soros finanziert zu werden.

SOROS Überhaupt steckt für Majorie Taylor Greene Soros hinter fast allem Übel. Im August 2020 schrieb sie auf Twitter: »Ihr könnt sicher sein, dass jeder Demokrat, der sich als Staatsanwalt (oder Richter) kandidiert, von @georgesoros finanziert und total kontrolliert wird.« Anschließend folgen in Großbuchstaben die Worte »ENEMY OF THE PEOPLE« (»Volksfeind«).

Es gibt unter Demokraten im Repräsentantenhaus in Washington bereits eine Initiative, Marjorie Taylor Greene ihr Mandat abzuerkennen. Dafür wäre aber eine Zweidrittelmehrheit der Abgeordneten nötig, die unrealistisch erscheint. Greene hat zwar einige ihrer Facebook-Posts aus der Vergangenheit gelöscht – ihren Verschwörungsmythen abgeschworen hat sie bislang aber nicht.

Gegenüber dem Sender CNN erklärte die Abgeordnete sogar, dass »Teams mit vielen Leuten« über die Jahre hinweg ihr Facebook-Konto gemanagt hätten. Einiges von dem, was dort veröffentlicht wurde, habe nicht ihre eigene Meinung widergespiegelt. Das alles sei eine Kampagne der Demokraten, um sie zum Schweigen zu bringen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Ihre eigene Partei hält offenbar weiter zu ihr. Die Führung der Republikaner ernannte sie vor Kurzem zum ordentlichen Mitglied im Arbeits- und Bildungsausschuss des Repräsentantenhauses. Ob es ihr dort künftig gelingen wird, destruktive Laserstrahlen aus dem Weltraum abzuwehren, bleibt abzuwarten. mth

Diplomatie

Großes Zögern

Das iranische Regime unterdrückt die Proteste im eigenen Land brutal. Doch Brüssel und Berlin erhöhen den Druck nur langsam

von Michael Thaidigsmann  21.01.2026

Meinung

Jugendwerk endlich gründen

Seit vielen Jahren wird immer wieder betont, wie wichtig die Institutionalisierung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs wäre. Höchste Zeit, die Idee in die Tat umzusetzen

von Joshua Schultheis  21.01.2026

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Als Israelin wünscht sich unsere Autorin nichts mehr, als dass das brutale Regime in Teheran bald fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026

Berlin

Ahmed Abed: Nominierung der Linken sorgt für scharfe Kritik

Beim Neuköllner Kreisverband der Linkspartei sei Antisemitismus kein Randphänomen mehr, sagt Remko Leemhuis, der Direktor des AJC Berlin

von Imanuel Marcus  21.01.2026

Auszeichnung

Großer Kunstpreis Berlin geht 2026 an Meredith Monk

Die sechs Sektionen der Akademie der Künste wechseln sich bei der Vergabe des Großen Kunstpreises Berlin ab. In diesem Jahr ist die Sparte Musik dran. Sie ehrt eine US-amerikanische Sängerin und Komponistin

 21.01.2026

Berlin

Taglit für alle

Junge Führungskräfte sollen Israel entdecken – unabhängig von Religion und Herkunft. Der frühere israelische Staatspräsident Reuven Rivlin wirbt in Berlin für das Projekt »The Way Shalom«

 21.01.2026

Nairobi

Wadephul betont zu Trumps »Friedensrat« Bedeutung der UN

Die Welt schaut auf Davos und neue Pläne von US-Präsident Trump zur Konfliktlösung. Der deutsche Außenminister äußert sich weit entfernt in Kenia - und sieht Fragen offen

 21.01.2026

Judenhass

Bayern plant Exmatrikulation von Störern an Unis

Wer dauerhaft den Hochschulbetrieb in Bayern stört, soll künftig leichter herausgeworfen werden dürfen

 21.01.2026

Berlin

Wegner empfängt Kulturdelegation aus Tel Aviv

Im Zentrum des Treffens standen laut Staatskanzlei die weitere Vertiefung der kulturellen Beziehungen

 21.01.2026