Reaktionen auf das Abkommen

»Ein Gefühl der Freude in den Adern des jüdischen Volkes«

Heben beide ihren Anteil am Zustandekommen des Abkommens hervor: die US-Präsidenten Donald Trump und Joe Biden Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Weltweit ist die Nachricht von einem Abkommen über einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas und die bevorstehende Freilassung von Geiseln in der Gewalt der Terrororganisation in Gaza mit Erleichterung und Freude aufgenommen worden. Auch jüdische Organisationen zeigten sich hoffnungsvoll.

Ronald S. Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), erklärte am Abend: »467 Tage lang hat Israel eine unerträgliche Situation ertragen. Es war zu einem Kampf gezwungen, den es nicht selbst gewählt hat, sondern geführt hat, um zu überleben.« Mehr als ein Jahr lang habe die Welt »vor einer Terrororganisation kapituliert und es versäumt, entschlossen zu handeln, um diesen Albtraum zu beenden«, so Lauder.

Lesen Sie auch

Wenn das Abkommen umgesetzt werde, könnten 33 Israelis zu ihren Angehörigen zurückkehren. »Ein Gefühl der Freude wird durch die Adern Israels und des jüdischen Volkes weltweit strömen. Und dennoch können und werden wir nicht ruhen, bis jede verbliebene Geisel nach Hause gebracht ist.«

Die internationale Gemeinschaft müsse den Druck auf die Hamas aufrechterhalten und dürfe nicht erneut zulassen, dass der Terror im Gazastreifen wieder einziehe. »Nur wenn der Terrorismus ausgerottet und die Rechtsstaatlichkeit und der Anstand wiederhergestellt sind, können Israelis und Palästinenser beginnen, in dauerhaftem Frieden und Sicherheit Seite an Seite zu leben«, so Lauder in einer Pressemitteilung des WJC.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Im Weißen Haus in Washington sagte der scheidende US-Präsident Joe Biden am Abend: »Wir haben diesen Punkt erreicht, weil Israel, unterstützt von den Vereinigten Staaten, Druck auf die Hamas ausgeübt hat.« Er nannte die Unterstützung Amerikas gegen die iranischen Angriffe auf Israel.

Gleichzeitig betonte Biden, seine Regierung habe daran mitgewirkt, dass Israel eine »ausgewogene Reaktion« gezeigt habe, was einen umfassenden Krieg im Nahen Osten vermieden habe. »Das Terrornetzwerk, das einst die Hamas geschützt und unterstützt hat, ist nun weitaus schwächer. Der Iran so schwach wie schon seit Jahrzehnten nicht«, so der US-Präsident.

Trump: Waffenstillstand nur möglich, weil er Präsidentschaftswahl gewonnen hat

Auch Bidens Nachfolger Donald Trump, der kommende Woche seine zweite Amtszeit antritt, hob seine persönliche Rolle beim Zustandekommen des Deals hervor. Auf seinem Netzwerk Truth Social gab Trump als einer der ersten das Zustandekommen des Abkommens bekannt: »Wir haben einen Deal für die Geiseln im Nahen Osten. Sie werden bald freigelassen. Danke!« In einem weiteren Post nannte er die Waffenstillstandsvereinbarung »episch«. Sie sei nur möglich gewesen, weil er bei der Wahl im November einen »historischen Sieg« eingefahren habe. Seine Regierung werde »Frieden anstreben und Abkommen aushandeln würde, um die Sicherheit aller Amerikaner und unserer Verbündeten zu gewährleisten.«

»Wir haben so viel erreicht, ohne überhaupt im Weißen Haus zu sein. Stellt euch nur all die wunderbaren Dinge vor, die geschehen werden, wenn ich ins Weiße Haus zurückkehre und meine Regierung vollständig bestätigt ist, sodass sie weitere Siege für die Vereinigten Staaten sichern können!«

Weiter schrieb Trump, er und sein Team würden sicherstellen, dass Gaza nie wieder zu einem Zufluchtsort für Terroristen werde. Außerdem kündigte er Anstrengungen zur Ausweitung der Abraham-Abkommen an, im Zuge derer Israel während Trumps erster Amtszeit seine Beziehungen zu vier arabischen Staaten normalisiert hatte.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

AJC: »Können es kaum erwarten, die ersten Geiseln zurückkehren zu sehen«

Das American Jewish Committee, eine der führenden jüdischen Organisationen, lobte sowohl Biden als auch Trump für ihre Anstrengungen. »Wir können es kaum erwarten, die ersten Geiseln zu ihren Familien zurückkehren zu sehen. Aber die entscheidende Arbeit zur Befreiung aller Geiseln – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Nationalität – muss fortgesetzt werden.«

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) betonte in einer ersten Reaktion vor allem die Freilassung der Geiseln. Auf seinem Account bei der Plattform X schrieb Scholz am Abend: »Es ist gut, dass eine Einigung über einen Waffenstillstand und die Freilassung von Geiseln – auch deutschen – in Gaza erreicht scheint! Jetzt muss die Einigung konsequent umgesetzt werden. Alle Geiseln müssen freigelassen werden.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auch die sterblichen Überreste der getöteten Geiseln müssten ihren Angehörigen übergeben werden, so Scholz weiter. »Der Waffenstillstand bietet die Chance für ein dauerhaftes Kriegsende und die Verbesserung der schlechten humanitären Lage im Gazastreifen. Dafür setzen wir uns weiter ein«, fügte er hinzu.

Außenministerin Annalena Baerbock erklärte auf X: »In diesen Stunden gibt es Hoffnung, dass die Geiseln endlich freikommen und das Sterben in Gaza ein Ende findet. Alle, die Verantwortung tragen, sollten jetzt dafür sorgen, dass diese Chance genutzt wird.«mth

Kommentar

250 Gründe, die USA zu lieben

Am 4. Juli 1776 wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Eine etwas andere Liebeserklärung

von Imanuel Marcus  04.07.2026

Parteien

AfD-Chefin Alice Weidel äußert sich zu möglichen Koalitionen mit der CDU

Wie hält es die rechtsextreme Partei ihrerseits mit einer Annäherung an die Union?

 04.07.2026

Parteitag

AfD bestätigt Führungsduo – Chrupalla verliert an Rückhalt

Die AfD hat ihr Spitzenduo Weidel-Chrupalla wiedergewählt. Chrupalla muss allerdings Federn lassen. In der zweiten Reihe gibt es neue Gesichter

von Anne-Beatrice Clasmann  04.07.2026

Essay

Die Sprache der AfD

Gewalt, NS-Bezüge und Antisemitismus: Wie die rechtsextreme Partei auch rhetorisch die Grenzen verschiebt. Eine linguistische Analyse

von Deborah Kämper  04.07.2026

Thüringen

Mehr als 30.000 Menschen protestieren gegen AfD-Parteitag

Trotz Blockaden bleibt die Stimmung meist friedlich – doch es gibt auch Zwischenfälle mit Pyrotechnik und Flaschenwürfen

von Simone Rothe  04.07.2026

Wien

Antisemitismus am Denkmal für einen Antisemiten

Ausgerechnet am umstrittenen Denkmal für den einstigen Wiener Bürgermeister Karl Lueger ist es zu einem judenfeindlichen Eklat gekommen

 03.07.2026

Lettland

Deutsche Städte gedenken der nach Riga deportierten Juden

1941/42 wurden mehr als 25.000 Juden aus Deutschland und Österreich zur Vernichtung in die lettische Hauptstadt deportiert. Daran gedachten nun Vertreter aus 30 deutschen Städten

 03.07.2026

Karlsruhe

Waffen für Hamas? Verdächtiger nach Deutschland überstellt

Seit Monaten geht die Bundesanwaltschaft gegen mutmaßliche Hamas-Anhänger vor, die Waffen für die Organisation geschmuggelt haben soll. Ein weiterer Beschuldigter ist jetzt in deutscher U-Haft

 03.07.2026

Iran

Wollte Israel iranische Unterhändler töten?

Wie die »New York Times« berichtet, fürchtete die Trump-Administration bei den Iran-Verhandlungen die gezielte Tötung der iranischen Delegierten Abbas Araghchi und Mohammad Bagher Ghalibaf durch Israel

 03.07.2026