Meinung

Ein Feiertag für alle!

Michael Fürst Foto: dpa

Meinung

Ein Feiertag für alle!

Der Buß- und Bettag könnte das Datum sein, das Christen, Juden und Muslimen gerecht wird

von Michael Fürst  18.12.2017 17:29 Uhr

Was Ökumene ist, wissen selbst wir Juden inzwischen. Ökumene ist, wenn sowohl katholische als auch evangelische Bischöfe auf dem Tempelberg in Jerusalem ohne ihre Kreuze erscheinen, um die Muslime dort nicht zu beleidigen. Wer will schon jemanden beleidigen.

Wir verlangen doch auch von unseren mitbrüderlichen Bischöfen, dass sie ihre Kreuze ablegen, wenn sie uns besuchen … Oder etwa nicht? Jetzt gibt es dazu noch eine föderale Ökumene! Das ist, wenn südliche Bundesländer zu viele Feiertage haben und sie auf keinen davon verzichten wollen. Dann bekommen wir Nordlichter einen Feiertag dazu. Auch klar, nicht wahr!

reformationstag Ohne Not hat Stephan Weil, der von mir sonst sehr geschätzte niedersächsische Ministerpräsident, im Wahlkampf ein Fass aufgemacht. Da gerade der 500. Jahrestag der christlichen Uneinigkeit, genannt Reformationstag, so wunderschön miteinander gefeiert wurde, scheint der Reformationstag genau der richtige Tag zu sein, um gesetzlicher Feiertag zu werden. Und damit es nicht nur eine Art Urlaubstag ist, will man ihn als »Tag des Interreligiösen Dialogs« einführen.

Der christlich-jüdische Dialog wird seit Jahrzehnten gelebt. Und natürlich sollte man auch die Muslime gewinnen. Aber das alles doch bitte nicht am Reformationstag!

luther Dieser Tag ist ohne Luther nicht denkbar, und Luthers gnadenloser Antisemitismus hat Jahrhunderte überdauert und schließlich in den Holocaust geführt. Die Nazis haben seine Worte umgesetzt, wortwörtlich. Die Evangelische Kirche hat an ihrem Problem mit Luther wahrhaftig gearbeitet, aber »reinwaschen« kann sie Luther nicht.

Gleichwohl: Wir begrüßen einen neuen gesetzlichen Feiertag, wenn er den interreligiösen Dialog fördert und Schranken zwischen den Menschen abbaut. Der Buß- und Bettag könnte durchaus ein solcher Feiertag sein. Büßen und Beten ist für uns Juden nichts Neues. Auch der 8. Mai oder der 27. Januar kommen infrage. Ein neuer Feiertag, das 365stel eines Lebensjahres, sollte gründlich überdacht werden.

Der Autor ist Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen.

Krieg

Medien: Trump fordert von Israel Verzicht auf Gegenschläge

Der US-Präsident fordert zugleich den Iran auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ein Abkommen abzuschließen

 07.06.2026

Krieg

Iran bricht die Waffenruhe und feuert Raketen auf Israel

Was bislang bekannt ist

 07.06.2026 Aktualisiert

Kommentar

Der alte Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026

Meinung

Libanon: Zwischen Anschein und Wirklichkeit

Wer den aktuellen Konflikt verstehen will, darf den Zedernstaat nicht als tragisches Opfer Israels lesen

von Jacques Abramowicz  07.06.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor islamistischer Einflussnahme auf deutsche Institutionen

Laut BfV-Chef Sinan Selen geht es nicht um kurzfristige Aktionen, sondern langfristig angelegte Strategien, die auf eine Veränderung politischer Entscheidungsprozesse abzielen

 07.06.2026

Justiz

Richterbund warnt vor Einfluss der AfD auf Justiz

Das Risiko gezielter politischer Eingriffe in die Richterauswahl und in die Strafverfolgung müsse minimiert werden

von Lukas Philippi  07.06.2026

»documenta«

Kulturrat: Antisemitismus letztlich nicht zu verhindern

Olaf Zimmermann will mit einem »Code of Conduct« Antisemitismus, Rassismus »und jedweder anderen Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aktiventgegentreten«

von Susanne Rochholz  07.06.2026 Aktualisiert

NSDAP-Mitgliederkartei

Ein Land durchsucht den Datenschatz

Die Recherche nach der Nazivergangenheit der eigenen Vorfahren scheint neuerdings so einfach wie eine Google-Suche. Auch in manch jüdischer Familie wächst das Interesse. Doch tragen die Erkenntnisse wirklich zur Aufklärung bei?

von Mascha Malburg, Michael Thaidigsmann  07.06.2026

Teheran

Irans neuer Oberster Führer erklärt USA zum Verlierer des Krieges

Der Oberste Führer wirft den Gegnern seines Landes vor, nach dem militärischen Konflikt nun auf psychologische Mittel zu setzen

 05.06.2026