Einspruch

Dummheit im Lande Kafkas

Normalerweise rufen Wahlen in Tschechien kein internationales Echo hervor. Nicht einmal in den Nachbarländern. Aber diesmal ist alles anders, denn es ist ja die ANO-Bewegung von Andrej Babiš, die die Wahlen gewonnen hat. Von einem neuen Sieg des Trumpismus wird geschrieben, sogar von einer fremdenfeindlichen Welle.

Diese Erklärungen sind klug, aber falsch. Es gibt in Tschechien keinen Anstieg der Fremdenfeindlichkeit, sondern eine irrationale Revolte gegen die politische Klasse – mit der sich letztlich die Tschechen selbst schaden könnten. Aber: ANO ist keine rechtsnationale Bewegung à la Orbán oder Kaczynski in Ungarn oder Polen. Es handelt sich vielmehr um das Unternehmen eines klugen und manipulativen Geschäftsmannes, dessen einzige Ideologie darin besteht, seine eigene Firma nach vorne zu bringen.

korruption In seinen Ausbrüchen von Selbstmitleid ähnelt er Trump, und wie der inszeniert sich auch Babiš als Kämpfer gegen Korruption und Ineffizienz in der Politik. Erstaunlicherweise haben die Tschechen beschlossen, so einem zu glauben, obwohl die Wirtschaft wächst, das Land recht sicher ist und solch wichtige Bereiche wie die Gesundheitsversorgung gut funktionieren.

Aber sind Babiš und seine Wähler fremdenfeindlich? Tatsächlich stimmten die wirklich überzeugten Xenophoben für eine andere Partei, die 10,5 Prozent erhielt. Babiš ist nur deswegen gegen Einwanderer, weil die meisten Tschechen es auch sind – ohne dass es hier viele Ausländer gäbe.

Wir sollten nicht vergessen, dass Tschechien, das Land, in dem Kafka geboren wurde, immer schon eine Bühne für absurdes Drama bot. Babiš selbst ist ein slowakischer »Einwanderer«, der ein sehr lustiges Tschechisch spricht; der Chef der fremdenfeindlichen Partei hat sichtbar koreanisch-japanische Wurzeln; und einer der neuen Politstars ist ein dunkelhäutiger Mann äthiopischer Abstammung. Und, last but not least, wenn Sie zufällig jüdisch sind, freuen Sie sich. Es ist den meisten Tschechen egal.

Der Autor ist Kommentator des tschechischen Rundfunks.

Interview

»Die Linkspartei hat vom 7. Oktober und vom Hass und der Hetze gegen Israelis profitiert«

Neuköllns Integrationsbeauftragte Güner Yasemin Balci über den Wahlerfolg der Linken in Berlin, Clan-Kontakte und Islamismus in der Partei sowie die politischen Folgen für ihren Bezirk und die Stadt

 28.09.2026

Paris, Frankreich mit Eiffelturm

Paris

Flüchtling aus Deutschland in Frankreich als IS-Kämpfer angeklagt

In der französischen Hauptstadt hat der Berufungsprozess gegen einen Syrer begonnen, der eine leitende Rolle in der Terrororganisation »Islamischer Staat« gehabt haben soll

 28.09.2026

Düsseldorf

Attacke auf Juden wird Thema im Landtag NRW

Nach dem antisemitischen Angriff auf einen Juden am vergangenen Dienstag sucht die Polizei weiter nach den Tätern. Nun soll Innenminister Reul (CDU) im Innenausschuss Auskunft geben

 28.09.2026

Berlin

Linksjugend: Polizei ist »krimineller Clan«

»Wenn die Presse uns erzählt, in Berlin gebe es ein Problem mit bewaffneten Clans, sind das die, die mit hellen Handschuhen und Knüppeln heute in den Schulstreik hineingerannt sind«, sagt eine Sprecherin

 28.09.2026

Offener Brief

Mehr als 6000 Unterzeichner weisen Vorwurf des Völkermords gegen Israel zurück

»Wir, die Unterzeichner, sind empört und angewidert über die jüngste Blutverleumdung gegen das jüdische Volk: die Lüge, dass Israel in Gaza einen ›Genozid‹ begangen habe«, heißt es in dem Schreiben

 28.09.2026

Berlin

Linken-Chef sieht seine Partei »ganz klar an der Seite jüdischer Menschen«

Nach ihrem Wahlsieg in Berlin strebt die Linke eine Regierungsbildung an. Der Bundesvorsitzende Luigi Pantisano widersprach nun Anschuldigungen, die Partei sei antisemitisch

 28.09.2026

Liverpool

Dutzende Festnahmen bei Solidaritätsaktion für Palestine Action

Am Rande des Labour-Parteitags im nordenglischen Liverpool haben mehr als 250 Menschen gegen das Verbot der als Terrorgruppe eingestuften Organisation demonstriert

 28.09.2026

Berlin

»Die Berliner Linkspartei pflegt einen verstörend engen Kontakt zu Judenhassern«

Unionsfraktionschef Thorsten Frei warnt die Grünen und die SPD vor einer Regierungszusammenarbeit mit der Berliner Linken

 28.09.2026

Berlin

Streit über Antisemitismusvorwurf: Linke zeigt Dobrindt an

Der Bundesinnenminister kommentiert in der Sendung »Maybrit Illner« einen Versprecher der Moderatorin über die Berliner Linke Elif Eralp. Die sieht Anlass für eine Strafanzeige

 28.09.2026