NS-Widerstandskämpfer

Differenzierte Betrachtung gefordert

Gedenkstätte Weiße Rose an der Ludwig Maximilian Universität in München Foto: imago images/Ralph Peters

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, fordert eine differenzierte Betrachtung des Widerstandes gegen die Nationalsozialisten. »Die mutigen Widerstandskämpfer der NS-Zeit wie perfekte Menschen darzustellen, halte ich nicht für klug. Denn perfekte Menschen gibt es nicht. Und wenn sie auf einen Sockel gestellt werden, taugen sie nicht mehr als Vorbild. Denn dann werden sie unerreichbar«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf Sophie Scholl, die am Sonntag (9. Mai) 100 Jahre alt geworden wäre.

Wegen ihrer Kritik am NS-Regime war die gläubige Protestantin am 22. Februar 1943 ermordet worden, so wie andere aus der Widerstandsgruppe der Weißen Rose.

RICHTSCHNUR Lernen könne man von Sophie Scholl, sich unabhängig ein eigenes Urteil zu bilden. »Gerade junge Menschen, die sich sehr viel in den sozialen Medien bewegen, müssen lernen, Informationen zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen«, forderte Schuster. »Sophie Scholl hatte ihren christlichen Glauben als Richtschnur. Um es heute neutral zu formulieren, würde ich sagen, dass die Werte des Grundgesetzes eine gute Leitlinie bilden, an der sich alle orientieren können.«

Dass Menschen wegen ihres Protestes gegen Corona-Maßnahmen Vergleiche mit der NS-Zeit anstellen, hält Schuster für gefährlich. »Damit inszenieren sie sich als Menschen, die in der Tradition des Widerstands gegen den Nationalsozialismus stehen.«

Die Wirkung: »Es erhöht ihr Selbstwertgefühl und macht sie vermeintlich immun gegen Kritik, weil sie sich moralisch legitimiert fühlen. Und natürlich wollen sie auch provozieren.« Manche betrachteten sich auch als Opfer etwa der Corona-Auflagen. »Diese Anmaßung in Bezug auf Opfer des Nationalsozialismus ist abstoßend und unerträglich«, so Schuster. Und es relativiere den Holocaust. »Das ist volksverhetzend.« dpa

Essay

Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser muss endlich enden

Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  16.07.2026

Kräfte der bayerischen Polizei stehen am Welfen-Gymnasium.

Anschlag

Judenhass im »Manifest« des Schongauer Attentäters

Im Fall der Gewalttat an einem Gymnasium in Schongau am Mittwoch vergangener Woche gibt es offenbar Hinweise auf einen judenfeindlichen Hintergrund

 16.07.2026

ZDF

ZDF verbietet Igor Levit und Danger Dan zu singen

Auf Social Media werfen die Musiker Igor Levit und Danger Dan dem öffentlich-rechtlichen Sender ZDF Zensur vor. Dabei geht es um ein gemeinsames Lied für die Sendung »Die Anstalt«

 17.07.2026 Aktualisiert

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  16.07.2026 Aktualisiert

Fake

Faktencheck: Bild von Epstein mit Merz stammt aus Google-KI

Der Bundeskanzler legt den Arm um Jeffrey Epstein – schenkt man einem Bild Glauben, das aus den Akten über den verstorbenen Missbrauchstäter zu stammen scheint. Aber es ist eine Fälschung ohne jede Grundlage

 16.07.2026

Feiertage in Gefahr?

Weimer warnt vor Abschaffung von Weihnachten durch die AfD

Wintersonnenwende und Julfest? Diese Feste wollten AfD-Deligierte in Sachsen-Anhalt im Kalender einführen. Kulturstaatsminister Weimer entgegnet: »Ich bin absolut Team Weihnachten.«

von Katrin Gänsler  16.07.2026

Chemnitz/Zeithain

Neonazi Liebich in Männergefängnis verlegt

Nach seiner Flucht ins Ausland ist der Rechtsextremist, der angeblich transsexuell ist, seit gestern wieder in Deutschland. Zunächst wurde er in ein Frauengefängnis gebracht - doch dabei bleibt es nicht

 16.07.2026

US-Repräsentantenhaus

Mehr als 100 Demokraten stimmen für Ende der Militärhilfe an Israel

Das Abstimmungsergebnis gilt als Zeichen eines tiefgreifenden Wandels innerhalb der Partei von Clinton, Obama und Biden

 16.07.2026

Washington D.C.

JD Vance verbreitet Verschwörungstheorien zu Israel und Epstein

Epstein habe Verbindungen »zu den höchsten Ebenen« der israelischen Geheimdienste unterhalten, sagt der US-Vizepräsident. Belege für diese Behauptung legt er nicht vor

 16.07.2026