Meinung

Die Schande von Berlin

Foto: picture alliance / AA

Frankfurt hatte es wenigstens versucht. Als sich Mitte dieser Woche abzeichnete, dass deutschlandweit wieder hochaggressive, ebenso israelfeindliche wie antisemitische arabischstämmige Demonstranten auf die Straßen ziehen werden, um – nein, nicht gegen den Raketenterror der islamistischen Hamas – gegen den jüdischen Staat zu hetzen, reagierte die Stadt entschlossen und ließ die für heute geplante »Nakba«-Kundgebung palästinensischer Aktivisten verbieten.

Gründe gab es genug: die zu erwartenden judenfeindlichen Beschimpfungen etwa oder die zu erwartenden Verstöße gegen die Corona-Bestimmungen. »Wir tolerieren keine Judenhetze in unserer Stadt«, erklärte Bürgermeister Uwe Becker (CDU). Am Ende hatte es zwar nichts genützt, denn das Verwaltungsgericht hob quasi in letzter Minute das Verbot der Demonstration wieder auf. »Der Kampf gegen Judenhass bleibt bei uns aber Chefsache. Wir würden ein Verbot jederzeit wieder anstreben«, heißt es von den obersten Vertretern der Stadt.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

In Berlin indes ließ man die israelfeindlichen Hetzer heute bei drei verschiedenen Kundgebungen in Neukölln und Kreuzberg ohne Gegenwehr demonstrieren. Wieder einmal. Und auch heute erlebte die Öffentlichkeit wieder jenes – man kann es nicht anders ausdrücken – widerliche Schauspiel, das wir in der Vergangenheit so schon etliche Male erlebt haben.

Auf Arabisch wurde immer wieder gefordert, Tel Aviv zu bombardieren, mit »Millionen Menschen in Jerusalem einzumarschieren«. »Scheiß Jude« und »Kindermörder Israel« wurde immer wieder skandiert. Die Journalistin Antonia Yamin wurde angefeindet und bedroht, als eine aufgebrachte Gruppe hörte, dass sie Hebräisch sprach. Polizisten wurden körperlich und verbal massiv attackiert.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Es soll bitte keiner sagen, dass ihn die Ausschreitungen überrascht haben. Es war absehbar. Bereits 2017 haben wir sehen müssen, wie aufgebrachte arabisch- und türkischstämmige Demonstranten in Berlin unter dem Deckmantel der »Israelkritik« Flaggen des jüdischen Staates und selbst gebastelte Fahnen mit Davidstern verbrannten.

Bereits 2014 haben wir sehen müssen, wie ein aufgebrachter propalästinensischer Mob von Dutzenden Männern »Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein« skandierte. Die Polizei stand daneben. Zwar guten Willens, aber heillos überfordert.

Wenn unsere Berliner Politiker schon keine Verbote von Israel-Hass-Kundgebungen anstreben, dann mögen sie uns künftig zumindest ihr »Nie wieder!« ersparen.

Warum also konnte der rot-rot-grüne Senat ähnliche Bilder auch diesmal nicht verhindern – oder warum hat er es zumindest noch nicht einmal versucht? Es ist ein fatales Signal für unsere wehrhafte Demokratie. Ja, das Demonstrationsrecht gehört in unserem Rechtsstaat – zum Glück – zu den höchsten Gütern. Wer aber dieses Grundrecht anführt, um seinen unverblümten Judenhass und seine Hetze gegen den jüdischen Staat herauszubrüllen, dem muss Einhalt geboten werden.

Tacheles gesprochen: Die Bilder, die wir heute auf Berlins Straßen erneut sehen mussten, sind ein Schlag ins Gesicht für die jüdische Gemeinschaft. Ein Schlag ins Gesicht für jeden Demokraten. Und die Bilder entlarven einmal mehr die häufig bei Schoa-Gedenkveranstaltungen geäußerten Versprechen von viel zu vielen politischen Entscheidungsträgern als das, als was sie bei vielen in der jüdischen Gemeinschaft leider viel zu häufig wahrgenommen werden: als wohlfeile Floskeln. Wenn unsere Politiker schon keine Verbote von Israel-Hass-Kundgebungen anstreben, dann mögen sie uns künftig zumindest ihr »Nie wieder!« ersparen.

engel@juedische-allgemeine.de

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Kanada

Bericht: Jüdische Studenten erleben Antisemitismus als alltägliche Realität

Fast alle befragten jüdischen Studenten geben an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einen antisemitischen Vorfall erlebt oder beobachtet zu haben

 07.08.2026

Berlin

Einsatz gegen Judenhass: Iris Berben erhält Deutschen Kulturpolitikpreis

Die Schauspielerin steht nicht nur vor der Kamera, sondern engagiert sich auch ehrenamtlich. Der Deutsche Kulturrat würdigt diese Leistung mit einem Preis. Igor Levit ist Laudator

 07.08.2026

Miami

Antisemitischer Angriff in Starbucks-Filiale

Laut Polizei schlug eine Frau ihr Opfer mit einem Mobiltelefon. Dann habe sie mit einem Metallstuhl auf den Mann, der eine Kippa trug, losgehen wollen

 07.08.2026

Berlin

Klingbeil: AfD-Verbotsverfahren ernsthaft prüfen

Die Diskussion um ein AfD-Verbotsverfahren erhält neue Dynamik. Was sagt SPD-Chef Klingbeil und wie reagiert die Linke auf seinen Vorstoß?

 07.08.2026

Teheran/Maskat/Washington D.C.

Iran und Oman arbeiten an Hormus-Regelung – Teheran stellt Bedingungen an die USA

Iranischer Vertreter sagen, ein Rahmenabkommen für den Schiffsverkehr sei weit fortgeschritten. Eine sofortige Wiederöffnung der Wasserstraße sei damit jedoch nicht verbunden

 07.08.2026

Magdeburg

Jüdische Gemeinden in Sachsen-Anhalt kritisieren Hallervorden-Wahlkampf der CDU

Der Landesverband der jüdischen Gemeinschaft schaltet sich mit deutlichen Worten in die Debatte ein

 06.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 06.08.2026

Mehrere Flaschen mit Limonade der Marke Lemonaid in verschiedenen Geschmacksrichtungen stehen im Regal in einem Getränkemarkt

Meinung

Kann politisch korrekte Limonade antisemitisch sein?

Beim FC St. Pauli ist der langjährige Kapitän Jackson Irvine weg, doch bei der politisch korrekten Brausefirma »LemonAid« sitzt der anti-israelische Australier weiter im Aufsichtsrat

von Daniel Killy  06.08.2026

Kommentar

Landtagswahlkampf mit Israelfeindlichkeit

Mit einem vielleicht auf den ersten Blick unschuldigen Satz macht das BSW Stimmung. Gegen den einzigen jüdischen Staat, die »Zionisten« und damit die Juden

von Imanuel Marcus  06.08.2026