Skandal

»Die Bundeswehr hat ein Problem«

Michael Fürst Foto: dpa

Skandal

»Die Bundeswehr hat ein Problem«

Michael Fürst über rechtsextreme Soldaten und Stahlhelme in Kasernen

von Martin Krauss  08.05.2017 16:57 Uhr

Herr Fürst, hat die Bundeswehr ein Rechtsextremismusproblem?
Wer zur Bundeswehr geht, ist in der Regel nicht links oder linksliberal. Die Armee ist eher für Leute attraktiv, die konservativ und rechts denken. Damit meine ich nicht unbedingt rechtsextremistisch, sondern national, was in keiner Weise verwerflich ist.

Wir sprechen aber von Rechtsextremismus.
Natürlich hat die Bundeswehr ein Problem damit. Von Anfang an, als sie in den 50er-Jahren von Wehrmachtssoldaten aufgebaut wurde. Ich war der erste Jude in der Bundeswehr, und da habe ich das ja selbst erlebt. Bei den Fallschirmjägern sprach ich einen Ausbilder an, mit dessen Diktion ich ein Problem hatte. Er sagte: »Ich bin Antisemit.«

Das hat er so gesagt?

Ja, wörtlich. Das war 1968. Damals wurde er sofort in seine alte Einheit zurückversetzt, ohne dauerhaft Schaden zu nehmen.

Was würde heute mit ihm passieren?
Heute, da bin ich sehr sicher, würde ein solcher Mann nicht länger seinen Dienst in der Bundeswehr leisten können. Er würde entlassen werden.

Da sind wir beim Fall Franco A., der Oberleutnant, der Anschläge geplant haben soll.
Der Fall Franco A. verwirrt mich sehr. Da hat es wohl mehr als nur ein oder zwei gutgläubig oder, was ja wahrscheinlicher ist, böswillig Wegschauende gegeben.

Was kann man dagegen tun?
Die Bundeswehr muss sich mehr um die politische Bildung kümmern.

Sie glauben, dass es ein Problem der politischen Bildung ist?
Ja. Es gibt zwar derzeit politische Bildung dort, aber die Frage lautet: Wer unterrichtet da? Was wird gelehrt? Bei der Einstellung muss genauer hingeschaut werden, wes Geistes Kind der zukünftige Beschützer unseres Vaterlandes ist.

Erreicht man denn durch noch so gute politische Bildung junge Soldaten?
Seit die Wehrpflicht ausgesetzt ist und es sich faktisch um eine Berufsarmee handelt, ist politische Bildung von enormer Bedeutung. Ohne Wehrpflicht kommen nämlich vermehrt Leute, die man dort nicht haben will.

Jetzt werden die Kasernen nach Wehrmachtsdevotionalien durchsucht.
Als ich bei der Bundeswehr war, gab es Vorgesetzte, die ihre Helme von früher und ihre Orden mit Hakenkreuzen von früher trugen. Aber diese Generation gibt es ja nicht mehr.

Aber Wehrmachtsdevotionalien gibt es doch noch.
Ein Stahlhelm verweist einfach nicht unmittelbar auf einen Rechtsextremisten. Wir müssen genau hinschauen. Wenn sich jemand als Rechtsextremist zu erkennen gibt, dann muss er sofort den Dienst quittieren. Jeder, der behauptet, er mache das nie wieder, lügt.

Mit dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen sprach Martin Krauß.

Teheran

Trotz Angriffen: Iran mobilisiert zu Al‑Kuds‑Protesten

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan findet im Iran immer eine staatlich-inszenierte Großdemonstration gegen Israel statt. Die Führung rief die Bevölkerung auf, es dem »Feind« zu zeigen

 13.03.2026

Andenes

Kanzler Merz sieht keinen Anlass für Militäreinsatz in Straße von Hormus

Der französische Präsident treibt die Idee eines Militäreinsatzes zum Schutz von Öltankern und Handelsschiffen in der Straße von Hormus voran. Kanzler Merz ist da deutlich zurückhaltender

 13.03.2026

Washington D.C.

»Schaut mal, was heute mit diesen geistesgestörten Drecksäcken passiert«

»Wir verfügen über beispiellose Feuerkraft, unbegrenzte Munition und viel Zeit«, schreibt der amerikanische Präsident auf seiner Plattform Truth Social

 13.03.2026

Maskat

Bericht: Tote und Verletzte durch Drohne im Oman

Woher die Drohnen kamen, war zunächst nicht bekannt. Trotz Vermittlungsbemühungen wurde der Oman mehrfach zum Ziel iranischer Angriffe

 13.03.2026

Meinung

Iran: Der Verrat des Westens

Die Islamische Republik ist angeschlagen, doch ihre Unterstützer im Westen sind nach wie vor aktiv

von Jacques Abramowicz  13.03.2026

Paris

Nationaler Widerstandsrat will Übergangsregierung im Iran stellen

Die Gruppe exilierter Iraner will nach dem Sturz der Mullahs innerhalb von sechs Monaten Wahlen durchführen. Der Widerstandsrat ist jedoch höchst umstritten

 13.03.2026

Nahost

US-Tankflugzeug bei Einsatz im Irak abgestürzt

Vier der fünf Crew-Mitglieder starben

 13.03.2026

Incirlik

Iranische Rakete auf NATO-Stützpunkt in der Türkei abgefeuert

Als Reaktion auf die wachsende Bedrohung verstärkt die Allianz ihre Luftverteidigung in der Region. Ankara droht derweil dem Regime in Teheran

 13.03.2026

Analyse

Der strategische Fehler Teherans – und die Chance auf eine neue Ordnung im Nahen Osten

Wie der Krieg gegen das iranische Regime die Machtverhältnisse der Region dauerhaft verändern könnte

von Sacha Stawski  13.03.2026