New York

Deutschland stellt eine Milliarde Dollar für Pflege von Holocaust-Überlebenden bereit

Gideon Taylor ist Präsident der Jewish Claims Conference. Foto: picture alliance / Flashpic

Die Claims Conference hat bei ihren jährlichen Verhandlungen mit dem Bundesfinanzministerium eine historische Erhöhung der deutschen Mittel für Holocaust-Überlebende erreicht. Für das Jahr 2026 werden 923,9 Millionen Euro – umgerechnet rund 1,08 Milliarden US-Dollar – für häusliche Pflege bereitgestellt. Es ist nach Angaben der Claims Conference das größte Sozialbudget in der Geschichte der Organisation.

Die von Berlin zugesagten Mittel haben sich damit gegenüber 2024 verdoppelt. Damals waren 459 Millionen Euro zugesagt worden.

Die zusätzlichen Mittel sollen sicherstellen, dass betagte Überlebende auch weiterhin in ihren eigenen vier Wänden betreut werden können. »Die Überlebenden werden älter, gebrechlicher und stärker pflegebedürftig als je zuvor«, sagte Claims-Conference-Präsident Gideon Taylor. »Dieses Budget ist entscheidend, um ihnen ein Altern in Würde zu ermöglichen – eine Würde, die ihnen einst genommen wurde.«

Das Durchschnittsalter der Überlebenden, die Pflegeleistungen beziehen, liegt inzwischen bei 88,5 Jahren. Viele leiden unter Demenz, Parkinson oder anderen chronischen Erkrankungen – und benötigen rund um die Uhr Betreuung.

Bildungs-Förderung verlängert

Der Sonderbeauftragte der Claims Conference, Stuart Eizenstat, bezeichnete die Vereinbarung als bemerkenswertes Signal der Verantwortung: »Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen hält die deutsche Regierung an ihrer moralischen Verpflichtung fest – gegenüber den Überlebenden ebenso wie gegenüber der Holocaust-Bildung.«

Auch Überlebende selbst betonen die Bedeutung der Unterstützung. Der fast erblindete Simon Reznik sagte: »Seit meine Frau gestorben ist, ist meine Pflegekraft mein Licht. Ohne sie könnte ich den Alltag nicht bewältigen.«

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Neben der Aufstockung der Pflegemittel verlängert die Bundesregierung auch ihre Förderung der Holocaust-Bildung bis 2029. Insgesamt 175 Millionen Euro sollen in Forschung, Lehrerfortbildungen und neue Formate wie Filme, digitale Lernspiele und Virtual-Reality-Projekte fließen. »Wir müssen sicherstellen, dass die Lehren der Shoah nicht vergessen werden«, so Greg Schneider, Exekutiv-Vizepräsident der Claims Conference.

Härtefonds bleibt bestehen

Darüber hinaus bleiben auch die Härtefonds-Zahlungen für Überlebende bis 2028 bestehen. Mehr als 127.000 Betroffene erhalten weiterhin jährliche Zusatzleistungen von 1450 Euro. Erstmals sollen künftig auch nichtjüdische Retterinnen und Retter, die bereits eine Pension erhalten, Anspruch auf häusliche Pflege bekommen.

Die Claims Conference wurde 1951 gegründet und verhandelt seit über sieben Jahrzehnten mit der Bundesrepublik über materielle Entschädigungen. Insgesamt hat Deutschland seit 1952 mehr als 95 Milliarden US-Dollar an Überlebende und jüdische Institutionen gezahlt. im

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