Erfurt

Deutsch-israelischer Jugendaustausch kommt nicht voran

Michael Panse (CDU), Beauftragter der Landesregierung für jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus Foto: picture alliance/dpa

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse sieht für die angedachte Gründung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerks kurzfristig keine Chancen. Ein Grund seien unter anderem die völlig unterschiedlichen Strukturen in der Jugendförderung beider Länder, sagte Panse in Erfurt.

Israel verfüge anders als Deutschland über kein ausgeprägtes Netz in der Jugendverbandsarbeit. »In Israel gehen Männer wie Frauen nach der Schule zum Militär und gründen anschließend eine Familie«, sagte Panse. Das passe nicht mit den deutschen Vorstellungen eines Jugendwerks überein.

Tatsächlich ist die Gründung des Projekts seit Längerem de facto ausgesetzt. Zwar hatten im September 2022 die damalige Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) und Israels Bildungsministerin Jifat Schascha-Biton in Jerusalem die Gründung des Deutsch-Israelischen Jugendwerks vereinbart. Der Prozess stockt jedoch seit Sommer 2024.

Lesen Sie auch

Geplant ist eine binationale Institution zur Stärkung des Schüler- und Jugendaustauschs. Als Standorte beworben haben sich neben München auch Weimar und Wittenberg. »Hinzu kommt auf israelischer Seite, dass die Gründung angesichts der allgemeinen Lage und der bevorstehenden Knesset-Wahlen weder politisch noch finanziell eine hohe Priorität genießt«, sagte Panse. Verunsicherung wegen Sicherheitslage

Thüringen hatte im vergangenen November angekündigt, gemeinsam mit Israel ein Programm für einen Schüler- und Lehreraustausch aufzulegen. Das Austauschprogramm soll das geplante Deutsch-Israelische Jugendwerk ersetzen, solange dieses noch nicht aufgebaut ist. Laut Panse ist das Austauschprogramm jedoch noch nicht in Gang gekommen. Ein wesentlicher Grund hierfür sei, dass bereits bestehende Kontakte zwischen deutschen und israelischen Schulen nach Corona und den aktuellen Kriegen im Nahen Osten nahezu vollständig abgerissen seien.

Sicherheitsbedenken und Vorurteile

Zudem gebe es auf deutscher Seite Verunsicherung wegen der aktuellen Sicherheitslage in Israel, sagte Panse. Er selbst bereise das Land regelmäßig und halte es für sicher. Viele Schulen scheuten jedoch entsprechende Debatten mit Schülerinnen, Schülern und Eltern. Das Bundesaußenministerium rät derzeit von Reisen nach Israel ab.

Panse sind nach eigenen Angaben auch einzelne Fälle bekannt, in denen Eltern den Vorschlag eines solchen Austauschs aus mutmaßlich antisemitischen Gründen abgelehnt haben. Nicht immer sei den Pädagogen, die eine solche Reise vorgeschlagen hätten, daraufhin die wünschenswerte Unterstützung im Kollegium zuteilgeworden, kritisierte Panse.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  16.09.2026

Bern

Akte Josef Mengele bleibt lückenhaft

Der Schweizer Nachrichtendienst gibt die Josef-Mengele-Akte frei, darin finden sich jedoch nach wie vor viele geschwärzte Stellen

von Nicole Dreyfus  16.09.2026

Unterstützer der Huthi-Miliz demonstrieren in Sanaa, 11. September

Vormarsch der Huthi-Miliz

Angst vor Eskalation auf der Arabischen Halbinsel

Die Huthi-Miliz gräbt sich wohl an der wichtigen Meeresenge Bab al-Mandab ein. Saudi-Arabien warnt vor einer Geiselnahme der Weltwirtschaft

von Christoph Meyer, Ramadan Al-Fatash  16.09.2026

Jubiläum

Jüdischer Landesverband Sachsen feiert 100-jährige Geschichte

Rund 20.000 Jüdinnen und Juden haben vor dem Zweiten Weltkrieg in Sachsen gelebt. Bereits vor 100 Jahren wurde eine jüdische Interessenvertretung gegründet

 16.09.2026

Tel Aviv

Omer Shem Tov: 505 Tage Gefangenschaft, Hunger und Einsamkeit

»Wegen der Angst konnte ich nicht atmen«, sagt die frühere Geisel über die 50 Tage, in denen er in völliger Dunkelheit leben musste

 16.09.2026

Berlin-Wahl

Der Kampf ums Rote Rathaus

Wer in der Hauptstadt neuer Regierender Bürgermeister wird, ist offen – CDU und Linke liefern sich ein enges Rennen

von André Anchuelo  16.09.2026

Kommentar

Hohe Feiertage, wichtige Wahl

Die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern wählen am 20. September ihr Parlament. Wird der besorgniserregende Trend, der in Sachsen-Anhalt zu beobachten war, fortgesetzt und verfestigt?

von Juri Rosov  16.09.2026

Judenhass

»Während er mir in den Kopf schneidet, sagt er: ›Die Juden erschießen Kinder‹«

Eine neue Dokumentation enthüllt ein erschreckendes Ausmaß an Antisemitismus im britischen Gesundheitssystem

 16.09.2026

Landtagswahl in MV

Zwischen Engagement und Frust: Besuch in einer AfD-Hochburg

Peenemünde ist ein 400-Seelen-Ort an der deutschen Ostseeküste. Bei der vergangenen Wahl haben hier besonders viele Menschen die AfD gewählt. Und dieses Mal? Ein Besuch kurz vor der Landtagswahl

von Lilli Förter, Helena Dolderer, Verena Schmitt-Roschmann  16.09.2026