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»Das ist schlicht Propaganda«

Annetta Kahane Foto: dpa

Frau Kahane, Sie haben gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden in einem Offenen Brief die Arte-Reportage »Gaza: Ist das ein Leben?« kritisiert und mehr Sorgfalt angemahnt. Was genau bemängeln Sie?
Die Dokumentation ist nach meinem Empfinden einseitig, boshaft und tendenziös. Sie wird weder der Situation der Palästinenser im Gazastreifen noch den seit Jahren unter dem Terror der Hamas leidenden Israelis gerecht. Israel wird in der Reportage als kriegswütiger Aggressor dargestellt, der das Völkerrecht mit Füßen tritt. Journalistische Berichterstattung sollte ausgewogen informieren, um dem Zuschauer die Bildung eines eigenen Urteils zu ermöglichen. Das, was Arte betreibt, ist schlicht Propaganda.

Arte-Präsident Peter Boudgoust wies die Kritik an der Reportage zurück. Der Sender achte konsequent darauf, dass im Programm »eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven des israelisch-palästinensischen Konflikts abgebildet werden«.
Entschuldigung, aber da muss ich wirklich ganz laut lachen! Wo war denn, bitte schön, das Verständnis für die israelische Perspektive, als Arte die Dokumentation »Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa« im Juni ablehnte? Wenn es um Israel geht, misst Arte so offenkundig mit zweierlei Maß, dass der Sender für mich bei diesem Thema jegliche Glaubwürdigkeit eingebüßt hat.

Nach der Erklärung von Arte haben Sie dem Sender zudem vorgeworfen, sich nicht auf eine inhaltliche Diskussion des Films einzulassen. Woran machen Sie das fest?
Peter Boudgousts Stellungnahme war derart inhaltsleer und nichtssagend, es ist offenkundig, dass Arte eine inhaltliche Diskussion verweigert. Auf die von uns detailliert aufgelisteten Auslassungen und Verdrehungen in der Reportage geht der Sender ja gar nicht ein.

Zum Beispiel?
Die Autorin der Doku, Anne Paq, und Teile ihres Teams sind auch für das Online-Portal »Electronic Intifada« tätig, das nach der »Arbeitsdefinition Antisemitismus des European Centre on Racism and Xenophobia« antisemitische Positionen verbreitet. Dazu schweigt Arte. Das ist nur ein Beispiel von vielen.

Die Arte-Reportage ist kein Einzelfall. Sehr häufig, wenn es im öffentlich-rechtlichen Programm um den Nahostkonflikt und Israel geht, werden Palästinenser als Opfer und Israel als Aggressor dargestellt. Wie erklären Sie sich das?
Das ist ein riesiges Problem. Wenn Arte und andere Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks über Nahost berichten, wird Israel fast immer als Kriegstreiber charakterisiert. Das ist empirisch nachweisbar, ein Blick in die entsprechenden Mediatheken genügt. Warum das so ist? Arte ist ein eher linksliberaler Sender, und in diesem Milieu gilt oft immer noch die Gleichung: Israel ist der Täter, und die Palästinenser sind die Opfer. Alles, was nicht in dieses Schema passt, wird gnadenlos ignoriert. Der israelbezogene Antisemitismus ist und bleibt ein großes Problem.

Mit der Vorsitzenden der Amadeu Antonio Stiftung sprach Philipp Peyman Engel.

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