Einspruch

Danke, Ralph Giordano

Detlef David Kauschke Foto: Marco Limberg

Die Jüdische Allgemeine war für ihn »das Bekenntnis zu jüdischem Leben in Deutschland«, zugleich ein Seismograf dieser Republik. Zum 60-jährigen Bestehen wünschte er unserer Zeitung 2006: »Möge sie weiter wachsen, und das in einem Deutschland, das demokratisch, frei von Rassismus, ein verlässlicher Partner in einem friedlichen Europa und ein treuer Freund Israels ist.« Gelegentlich betonte er, dass er stolz darauf sei, »dienstältester Mitarbeiter« zu sein und dass er hoffe, dies auch bis zu seinem Ende bleiben zu können.

Karl Marx, der Herausgeber und Gründer des Blattes, hatte Ralph Giordano, den Schoa-Überlebenden und jungen Journalisten, im Herbst 1948 in die Redaktion geholt. Marx war für ihn Mentor und väterlicher Freund. Giordano arbeitete als Reporter und Kommentator, ab 1958 war er Berichterstatter der beginnenden NS-Prozesse vor deutschen Schwurgerichten. Auch nach 1966, als mit dem Tod von Karl Marx die traditionsreiche Zeitung in die Herausgeberschaft des Zentralrats überging, blieb er ihr treu.

krankenbett Noch vor wenigen Wochen hatte sich Ralph Giordano vom Krankenbett aus telefonisch in der Redaktion gemeldet. Zum einen informierte er uns über seinen Gesundheitszustand. Zudem wollte er wissen, ob sein Artikel erschienen sei. Es war ein Text über den Tod seiner Frau Helga, die Autonomie über das eigene Leben und die Verlogenheit der Debatte um ärztlich assistierten Suizid.

Wir schickten ihm Blumen und Genesungswünsche in die Klinik. Freundlich dankte er mit einem kurzen Anruf. Auch diesmal, wie immer, wenn wir mit ihm telefonierten, ihn persönlich sprachen oder er eine seiner Faxnachrichten schickte, verwendete er die Anrede »Kollege«. Dieses Wort aus seinem Mund zu hören, war für viele von uns eine Auszeichnung.

In der vergangenen Woche ist Ralph Giordano 91-jährig in einem Kölner Krankenhaus verstorben. Wir trauern um einen kritischen Begleiter, ein Vorbild und vor allem einen Kollegen. Sichrono Lewracha, möge sein Andenken gesegnet sein.

Terror

Was an Bord des Flydubai-Flugs nach Tel Aviv wirklich passierte

Ein Überblick

 30.09.2026

Berlin

Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv: So reagiert Außenminister Wadephul auf den versuchten Terroranschlag

 30.09.2026

Nach Berlin-Wahl

Generalstaatsanwältin: Kriminelle suchen Kontakt zur Politik

Ein Clan-Oberhaupt feiert nach dem Wahlerfolg der Linken mit der Partei. Ein Zufall? Die Chefin der Berliner Staatsanwaltschaften sieht ein typisches Muster

 30.09.2026

Rostock

Internationaler Polizeieinsatz gegen Nazi-Musik

Zahlreiche Polizisten durchsuchen zahlreiche Objekte. Die Beamten sind in mehreren Bundesländern im Einsatz

 30.09.2026

Passagiere am Flydubai-Schalter am Ben-Gurion-Flughafen Tel Aviv, 30. September

Saudi-Arabien/Israel

Passagierflugzeug auf dem Weg nach Tel Aviv notgelandet: Was bisher bekannt ist

Ein Überblick

 30.09.2026 Aktualisiert

Jahrestag

Terrorunterstützer planen für den 7. Oktober israelfeindliche Demos

In Duisburg, Frankfurt, Hannover und Köln sind Kundgebungen vorgesehen. Aufrufe zur Teilnahme enthalten unverblümte Terroraufrufe

von Imanuel Marcus  30.09.2026 Aktualisiert

Erfurt

Kerkeling und Maaßen bei erster Anhörung zu AfD-Verbot dabei

Thüringens AfD mit Björn Höcke an der Spitze gilt als besonders radikal. Ist das der Grund, warum erstmals ein Landesparlament Juristen und einen Promi zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren anhört?

von Simone Rothe  30.09.2026

Hessen

Mutmaßlicher IS-Kämpfer festgenommen

In Nordhessen wird ein Mann festgenommen, der für den IS gekämpft haben soll. So lautet der Vorwurf der Bundesanwaltschaft. Jetzt soll ein Richter über die U-Haft entscheiden

 30.09.2026

Rathaus Neukölln

Berlin

Hillel zieht seine Chanukkia aus dem Rathaus Neukölln ab

Der jüdische Bildungsverein will seine Chanukka-Feier künftig an einem »neutralen Ort« abhalten. Für den scheidenden Bürgermeister Martin Hikel ist die Entscheidung ein Schock

 30.09.2026 Aktualisiert