Neonazis

Correctiv präsentiert neue Vorwürfe gegen Teilnehmer des Geheimplan-Treffens

Szenische Lesung auf der Bühne des Berliner Ensemble Foto: picture alliance/dpa

Eine Woche nach den Enthüllungen über ein Treffen rechter Aktivisten mit Politikern von AfD und CDU in Potsdam hat das Medienhaus Correctiv seine Recherche im Berliner Ensemble präsentiert. Bei einer szenischen Lesung veröffentlichte die Redaktion am Mittwochabend auch einige neue Details und Vorwürfe gegen einen Teilnehmer des Treffens. Dabei geht es um Aktionen gegen linke Aktivisten. Die Deutsche Presse-Agentur hat die Person kontaktiert und um Stellungnahme gebeten.

Die übrigen nun vor Publikum präsentierten Informationen sind seit voriger Woche bekannt. Schauspieler lasen die Ergebnisse der aufwendigen investigativen Recherche mit verteilten Rollen. Dabei wurde etwas klarer, wie Correctiv an die Informationen gelangte. Unter anderem mietete das Medienhaus nach eigenen Angaben ein Saunaboot und fotografierte von dort aus mit einem Teleobjektiv die Villa. Zudem filmte eine Person mit einer Uhr im Inneren des Gebäudes. Die Journalisten bezogen sich des weiteren auf »Gedächtnisprotokolle« von Teilnehmerinnen oder Teilnehmern.

Correctiv hatte das von rechten Aktivisten organisierte Treffen in einer Potsdamer Villa vom 25. November vorige Woche öffentlich gemacht. Dort sprach Martin Sellner, früher Kopf der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich, nach eigenen Angaben über »Remigration«. Wenn Rechtsextremisten den Begriff verwenden, meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll - auch unter Zwang. An dem Treffen hatten AfD-Funktionäre sowie einzelne Mitglieder der CDU und der erzkonservativen Werteunion teilgenommen. Zweck des Treffens soll auch gewesen sein, Spenden für rechte Aktivitäten zu sammeln.

Die Zuschauer im ausverkauften Berliner Ensemble spendeten nach der Lesung minutenlang Applaus. Aus dem Publikum gab es zudem Sprechchöre: »Alle zusammen gegen den Faschismus.« Der Publizist Michel Friedman lobte nach der Veranstaltung die Recherche und die Aufführung. Es sei eine »großartige Leistung von freiem Journalismus«, sagte Friedman dem Sender Sat1.

Mit Blick auf die Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg im Herbst rief Friedman alle auf, sich gegen die AfD zu engagieren. »Wir haben noch ein Dreivierteljahr«, sagte er. »Wir haben doch noch nicht aufgegeben.« Zur Debatte über ein AfD-Verbot sagte Friedman, gesetzlich gebe es diese Möglichkeit. Ob sie politisch opportun sei, darüber müsse man diskutieren. Denn ein solches Verbot benötige viel Zeit.

Der Correctiv-Bericht hatte heftige politische Reaktionen ausgelöst. In den vergangenen Tagen protestierten in verschiedenen deutschen Städten Tausende gegen Rechtsextremismus. Am Mittwochabend waren es in Berlin 3500. Auch in Freiburg protestierten Tausende.

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte den Demonstranten ausdrücklich gedankt, dass sie »gegen Rassismus, Hetze und für unsere freiheitliche Demokratie« auf die Straße gehen. »Das macht Mut und zeigt: Wir Demokratinnen und Demokraten sind viele - viel mehr als diejenigen, die spalten wollen«, schrieb der SPD-Politiker auf X, vormals Twitter.

Inszeniert wurde die Aufführung im Berliner Ensemble von Regisseur Kay Voges, Intendant des Volkstheaters Wien. Die Veranstaltung wurde live in andere Theater und im Internet übertragen.

Meinung

Ein belasteter Ort verlangt Bewusstsein

Belastete Orte wie etwa Hitlers Geburtshaus in Braunau gibt es in Deutschland und Österreich viele. Erinnerung daran bedeutet, ihr in der Gegenwart die richtige Antwort zu geben

von Vladimir Vertlib  29.07.2026

Meinung

Wir müssen darüber sprechen, was der Terror mit dem Islam zu tun hat

Die islamistische Ideologie muss endlich klar und deutlich als solche benannt werden

von Ali Ertan Toprak  29.07.2026

Thüringen

Entschuldigung nach Hass-Kommentar eines Leinefelder Gastwirts abgelehnt

Das Auschwitz-Komitee wirft dem Gastronomen vor, Menschen mit dem Tod bedroht und die Verbrechen des Nationalsozialismus verherrlicht zu haben.

 29.07.2026

Toronto

Solidarität nach Angriffen: Lange Schlangen vor jüdischen Bagel-Läden

Nach Angriffen auf zwei Filialen der jüdischen Bäckereikette Kiva’s Bagel Bar kaufen Bewohner dort ein. Zeitgleich feuerte ein Unbekannter Schüsse auf das US-Konsulat ab

 29.07.2026

Nahost

Iran greift US-Stützpunkt in Jordanien an – Washington reagiert mit Luftschlägen im Irak

Es ist der erste Raketenangriff des Iran auf einen US-Stützpunkt, seit Präsident Donald Trump die amerikanischen Angriffe auf iranische Ziele vor wenigen Tagen ausgesetzt hatte

 29.07.2026

Berlin

Klein: Sympathie-Bekundung für Terrororganisationen strafbar machen

Nach dem Anschlag durch einen IS-Anhänger fordert der scheidende Antisemitismusbeauftragte Gesetzesänderungen

 29.07.2026

Berlin

CSD-Anschlag: Innensenatorin und Polizei beantworten Fragen

Nach dem Angriff gibt es noch viele Unklarheiten. Der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses kommt daher zusammen. Außerdem rückt das Thema Prävention in den Fokus

 29.07.2026 Aktualisiert

Berlin

Prien stellt mehr Geld gegen Radikalisierung in Aussicht

Nach dem CSD-Anschlag sagt die Familienministerin, queere Menschen seien in Teilen des Landes besonders unter Druck und könnte Solidarität erwarten

 29.07.2026

Judenhass

Antisemitismus weltweit auf Höchststand

Die Untersuchung erfasst die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungen außerhalb Israels, darunter Deutschland

 29.07.2026