Einspruch

Bitteres Urteil

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Andreas Lohnes

So sehr wir den Rechtsstaat schätzen, manchmal ist die Rechtsprechung schwer erträglich. Denn einerseits hat uns das Bundesverfassungsgericht bestätigt: Die NPD ist verfassungsfeindlich. Sie ist wesensverwandt mit dem Nationalsozialismus und hat eine antisemitische Grundhaltung. Selbst für jemanden, der die Kompetenz der Verfassungsrichter anerkennt und ihrer Argumentation folgen kann, hat dieses Urteil einen sehr bitteren Beigeschmack.

Nicht wenige Menschen, die seit Jahren gegen die braunen Rattenfänger kämpfen oder von der NPD bedroht und eingeschüchtert wurden, werden sich jetzt alleingelassen fühlen. Und auch wir, die jüdische Gemeinschaft, fühlen uns ein Stück alleingelassen. Welche Slogans auf NPD-Wahlplakaten werden wir in diesem Jahr ertragen müssen? Wie viele andere Rechtsextreme werden sich jetzt ermutigt fühlen?

rechtsprechung Es ist nachvollziehbar, dass das Bundesverfassungsgericht die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte nicht ignorieren kann. Die Durchschlagskraft einer Partei spielt dort für ein Verbot eine erhebliche Rolle. Aber wäre es dennoch nicht möglich gewesen, in unserem Land, vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte, zu einem anderen Urteil zu kommen?

Beunruhigend ist auch die Länge des Verfahrens. In drei Jahren kann politisch viel passieren. Das zeigt uns ein Blick in die Geschichte. Es stellt sich daher die Frage, wie wirksam die Waffe Parteiverbot ist. Eines muss man den Verfassungsrichtern zugutehalten: Sie haben der Politik und den Sicherheitsbehörden klare Hausaufgaben aufgegeben.

Sie sind aufgefordert, Freiheit und Bürger »wirkungsvoll zu schützen« und die Parteienfinanzierung zu überdenken. Die Rechtssprechung ist manchmal schwer erträglich. Aber wir können weiter auf den Rechtstaat vertrauen und hoffen darauf, dass endlich alle übrigen Mittel gegen Rechtsextremisten ausgeschöpft werden.

Der Autor ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Jerusalem

Geheimdienst: Netanjahus Sohn wegen Bedrohung aus USA zurück

Netanjahu hatte von iranischen Mordplänen gegen einen seiner Söhne gesprochen. Der Inlandsgeheimdienst bestätigt nun, Jair sei wegen einer akuten Bedrohung aus den USA nach Israel zurückgekehrt

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Berlin-Wahl

Neue Umfrage: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen drei Parteien

Am 20. September ist Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Welche Parteien verlieren? Welche haben die besten Chancen auf das Rote Rathaus?

 31.08.2026

Magdeburg

Wie gefährlich wird die Wahl für die Bundesregierung?

Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat das Potenzial, auch die Regierungsparteien in Berlin in Turbulenzen zu bringen. Für deren Vorsitzende könnte es ungemütlich werden

von Michael Fischer, Theresa Münch  31.08.2026

Religion

Islam-Forscher Khorchide: Muslime müssen jüdisches Leben schützen

Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide fordert Muslime auf, jüdisches Leben aktiv zu schützen. Eine projüdische Haltung gehöre fundamental zum islamischen Glauben, weil die Wurzeln des Islam im Judentum lägen

 31.08.2026

Debatte

Börsenverein des Deutschen Buchhandels hält an Israel-Hasserin El Hissy fest

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels weist Vorwürfe gegen die Jurorin Maha El Hissy zurück. Hintergrund ist eine Essayserie der Autorin, wegen der ihr die Verbreitung israelfeindlicher Stereotype vorgeworfen wurde

 31.08.2026

Vakanz

Felix Klein: Nachbesetzung von Antisemitismusbeauftragtem eilt

Der langjährige Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, wechselt zum September nach Paris. Bislang ist seine Nachfolge immer noch nicht geklärt. Jetzt ruft er die Regierung zur Eile auf

von Anna Mertens  31.08.2026

USA

Verlängerung von Iran-Einsatz untragbar? Pentagon dementiert

Laut einem Medienbericht haben sich hochrangige Militärs besorgt über eine mögliche Verlängerung von Angriffen gegen den Iran geäußert

 31.08.2026

Berlin

»Death to the IDF«: Linke Spitzenkandidatin zeigt sich »entsetzt«, nicht alle nehmen ihr dies ab

Offener Judenhass und Terroraufruf bei Wahlkampfveranstaltung: Bei der Partei »Die Linke« führt der jüngste Skandal zu einer Diskussion über Judenhass und Reaktionen darauf

 31.08.2026