Justiz

»Bedürfnis nach Austausch«

Julia Bešlin Foto: privat

Justiz

»Bedürfnis nach Austausch«

Die Frankfurter Richterin Julia Bešlin über die Gründung des Jüdischen Juristenverbands in Deutschland (JJVD) und die Frage, warum so viele Juden Anwälte werden

von Joshua Schultheis  20.07.2025 08:09 Uhr

Frau Bešlin, unter Ihrer Federführung wurde der »Jüdische Juristenverband in Deutschland« (JJVD) gegründet. Warum jetzt?
Das war ein Wunsch, den ich schon länger hatte. Es gibt so viele juristische Vereinigungen und Verbände jeder Art, aber einer für jüdische Juristen hat noch gefehlt. Zuvor gab es nur lose Treffen, aber es ist nie zur Gründung einer richtigen Organisation gekommen. Als weiterer Impuls kam hinzu, dass wegen des grassierenden Antisemitismus nach dem 7. Oktober 2023 das Bedürfnis jüdischer Juristen zugenommen hat, sich auch einmal unter sich auszutauschen. Im März dieses Jahres war es dann so weit, und wir haben in Frankfurt am Main den JJVD gegründet.

Erleben Jüdinnen und Juden Antisemitismus in juristischen Berufsfeldern?
Von offenem Antisemitismus hat mir bisher noch kein Kollege erzählt, aber einige verschweigen ihr Jüdischsein in ihrem Berufsalltag. Sie fürchten, dass sie ansonsten Nachteile haben könnten, und ziehen es daher vor, sich »versteckt« unter den anderen Juristen zu bewegen. Die Sichtbarmachung des jüdischen Juristenlebens ist daher auch eines unserer Anliegen.

Was sind weitere Ziele des JJVD?
Langfristig hoffe ich, dass wir genug aktive Mitglieder haben werden, um uns rechtspolitisch einsetzen und Stellung zu aktuellen Debatten beziehen zu können. Zudem wollen wir den Austausch mit nichtjüdischen Juristen suchen, um ihnen mehr Wissen über unsere Themen zu vermitteln. Vor allem wollen wir aber jüdische Juristen zusammenbringen und so als Gemeinschaft stärken.

»Die Ausdauer und die Motivation, die man für das Jurastudium braucht, ist vielen Juden in die Wiege gelegt.«

julia Bešlin

Wie ist die bisherige Resonanz auf den Verein?
Wir sind jetzt knapp 20 Personen, die offiziell Mitglieder geworden sind. Bei unserer ersten Veranstaltung in Frankfurt waren schon mehr als 40 Personen dabei. Ich hoffe, dass wir bald deutschlandweit präsenter sind und wir noch deutlich mehr werden. Das Potenzial ist da.

Es gibt das Klischee, dass auffällig viele Juden den Anwaltsberuf wählen. Trifft das Ihrem Eindruck nach zu?
Ja, es gibt tatsächlich sehr viele Juden, die den juristischen Weg einschlagen. Ein Grund könnte das Aufwachsen mit der Tora sein und damit einhergehend die frühe Auseinandersetzung mit Gesetzen und der Interpretation von Texten. Die Ausdauer und die Motivation, die man für das Jurastudium braucht, ist vielen Juden in die Wiege gelegt.

Sind jüdische Anwälte deshalb auch besonders gut, wie ein weiteres Klischee besagt?
Auch da könnte was dran sein! Juden sind vielleicht mehr als andere Menschen darin geübt, für ihre Meinung einzutreten und leidenschaftlich Argumente auszutauschen.

Mit der Frankfurter Richterin und Vorsitzenden des Jüdischen Juristenverbands in Deutschland (JJVD) sprach Joshua Schultheis.

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