Islamisten

Auf Schleichwegen zum Geld

Geschäftsstelle der IHH Foto: dpa

Diese Szenerie in Duisburg-Marxloh sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Ein Montag, Ende Juni. In einer Dönerbude sitzen vier Männer an einem Tisch, vor sich Tee in Gläsern. An der Eingangstür hängt ein Plakat: »Dikkat« steht darauf, »Achtung«. Alle Einnahmen des Tages würden den Kindern im Gazastreifen gespendet, heißt es. 33 Duisburger Geschäfte beteiligen sich an der Aktion, 28 Läden geben am Ende tatsächlich ihre Tageseinnahmen ab. Doch das Bild täuscht. Das Geld sammelt die Organisation WEFA aus Köln ein. Von dort geht es nach Istanbul zum Verein Internationale Humanitäre Hilfe (IHH) und weiter in den Gazastreifen zur Hamas. Es scheint, als werde damit das Verbot der deutschen IHH mit Sitz in Frankfurt durch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) unterlaufen, der so deutschen Geldfluss an die Hamas unterbinden wollte.

Szene WEFA bedeutet »Weltweiter Einsatz für Arme«. Seit 2006 sammelt die Organisation für Hilfsprojekte in muslimischen Ländern. Problematisch dabei sind die engen Verbindungen zur türkischen IHH, als deren wichtigster Brückenkopf die WEFA in Deutschland gilt. Mehrere türkische Kenner der Szene berichten, mit der WEFA habe man im Fall eines IHH-Verbotes ein zweites Netz schaffen wollen, über das Geld aus Deutschland abgezogen werden könne. Nach dem Verbot der deutschen IHH distanziert sich die türkische von ihrer Schwesterorganisation in Frankfurt. Aus dem Innenministerium heißt es, beide Gruppen hätten zwar den gleichen Ursprung, agierten aber seit einigen Jahren getrennt. So stehe die türkische IHH der dortigen Regierungspartei AKP nahe und die deutsche IHH der islamistischen Bewegung Milli Görüs.

So scharf ist diese Trennung aber nicht. Denn die WEFA erhielt in Duisburg organisatorische Unterstützung durch Milli-Görüs-Kader – auch wenn sich die WEFA offiziell von Milli Görüs distanziert. Insider aus dem Umfeld der großen Moschee in Marxloh erklärten, alte Milli-Görüs-Anhänger seien seit einiger Zeit in der AKP aktiv. Zudem sind es vor allem die Verbindungen der türkischen IHH zur Terrororganisation Hamas, die in Deutschland problematisch gesehen werden. Im Internet ver- sucht die IHH derzeit, die WEFA als europäische Spendenzentrale zu platzieren. In einem kurz vor dem IHH-Verbot veröffentlichten Text heißt es, die WEFA sei die »einzige Partnerorganisation« in Europa. Das Schreiben wurde von einem anonymen Nutzer in einem islamistischen Forum verbreitet. Als sein Zeichen wählte er das Bild eines Mannes mit einem Sturmgewehr im Anschlag. Aus dem Innenministerium ist zu erfahren, es werde ermittelt; die WEFA sei bekannt.

Diether Dehm

Nach Auftritt mit Höcke

Strafbefehl gegen Diether Dehm wegen SA-Parole

Björn Höcke wurde wegen der Verwendung der Parole »Alles für Deutschland« bereits rechtskräftig verurteilt. In einem Interview mit dem AfD-Mann wiederholte der frühere Linken-Politiker Diether Dehm diese Worte und soll dafür nun 9000 Euro zahlen

 20.10.2026

Reaktionen

Ein Hausmeister für die Mullahs

Die Bundesregierung habe zu lasch auf die iranischen Mordkomplotte in Deutschland reagiert, finden jüdische und pro-israelische Organisationen. Sie fordern tiefgreifende Konsequenzen

von Stefan Laurin  20.10.2026

Würzburg

Zentralratspräsident Josef Schuster kandidiert erneut

Der Würzburger Internist will auf der Ratsversammlung des Zentralrats der Juden am 29. November für weitere vier Jahre antreten

 20.10.2026 Aktualisiert

Vereinte Nationen

Wer finanziert die Arbeit der UN-Berichterstatter?

Die Genfer NGO UN Watch hat einen Bericht vorgelegt, der die Zuwendungen an rund 140 unabhängige Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen unter die Lupe nimmt. Auf Platz 3 der Liste: Francesca Albanese

von Michael Thaidigsmann  20.10.2026

Israel

»So wollte ich nicht sterben«

Der indische Kapitän des »Fly Dubai«-Fluges schildert erstmals ausführlich, was genau sich an Bord abspielte

 20.10.2026

Washington D.C.

Vance gibt keine Wahlempfehlung für Netanjahu ab

Im Gegensatz zu seinem Chef Donald Trump sieht der amerikanische Vizepräsident von einer Unterstützung des israelischen Ministerpräsidenten ab. Warum?

 20.10.2026

Nach Spionage-Urteil

Deutscher Botschafter im Iran einbestellt

Dem Diplomaten solle der starke Protest des Iran übermittelt werden, heißt es. Kurz zuvor hatte das Auswärtige Amt den iranischen Botschafter einbestellt

 20.10.2026

Gießen

Staatsanwaltschaft klagt AfD-Politiker wegen NS-Parole an

Bei seiner Bewerbungsrede für den Vorstand der AfD-Jugendorganisation soll Kevin Dorow eine Parole der Hitlerjugend verwendet haben. Nun muss ein Gericht über die Anklage entscheiden

 20.10.2026

Luftwaffenstützpunkt Ovda

Hegseth trifft Netanjahu bei unangekündigtem Israel-Besuch

Wenige Tage vor der israelischen Wahl ging es bei dem Geheimtreffen wohl um das weitere Vorgehen gegen das Mullah-Regime in Teheran

 20.10.2026