Einspruch

Auf dem Vormarsch

Mit seiner Feststellung, der Islam gehöre zu Deutschland, hat der Bundespräsident in seiner Rede am Sonntag eine nicht mehr zu leugnende Tatsache benannt. Die Frage aber, wie aus dem autoritär imprägnierten Islam ein begrüßenswerter Bestandteil der pluralistischen Gesellschaft werden kann, ist damit nicht beantwortet.

Irdische Mächte Dabei führt es nicht weiter, Probleme des Zusammenlebens mit Muslimen als Religionskonflikt zu verhandeln. Wer sich aus Angst vor »Islamisierung« an ein idealisiertes Erbe des »christlich-jüdischen Abendlands« klammert, übergeht dessen Auslöschung im nationalsozialistischen Vernich- tungssturm. Nicht, dass heute etwa vier Millionen Menschen in Deutschland an einen anderen Gott glauben als die Mehrheit, gefährdet die Werte der offenen Gesellschaft. Sondern, dass gänzlich irdische Mächte, staatliche wie nichtstaatliche, den alten imperialen Vorherrschaftsanspruch des Islam reaktiviert haben, um weltweit die westliche Freiheitskultur zurückzudrängen. Und dass diese Gewaltideologie bis in deutsche Klassenzimmer hinein junge Muslime ermutigt, ihre virilen Überlegenheitsfantasien auszuleben.

Ein im Westen grassierender Kulturrelativismus verklärt das Zurückweichen vor dieser zivilisatorischen Konterrevolution zum Ausdruck des »Respekts vor anderen Kulturen« und scheut nicht einmal skandalöse Vergleiche zwischen Antisemitismus und »Islamophobie«. Doch unser Verhältnis zum Islam entscheidet sich nicht in heimischen Migrationsdebatten. Sollten wir Afghanistan den islamistischen Schlächtern ausliefern, die iranische Atombewaffnung zulassen und den israelfeindlichen Kurs der Türkei hinnehmen, wird kein noch so gut gemeintes Integrationsangebot an Migranten verhindern, dass sich der Vormarsch des politischen Islam auch bei uns beschleunigt. Zum Schaden nicht zuletzt der zahlreichen deutschen Muslime, die dankbar sind, nicht in der Unfreiheit islamischer Länder leben zu müssen.

Der Autor ist Politischer Korrespondent der »Welt« und der »Welt am Sonntag«.

Davos

Israels Präsident sieht iranische Führung als sehr fragil

Israels Präsident Herzog nimmt die iranische Führung nach den Massenprotesten als geschwächt wahr. Warum er trotzdem vor zu viel Optimismus warnt und internationale Unterstützung fordert

von Sara Lemel  22.01.2026

Davos

Trump gründet »Friedensrat«

US-Präsident Trump und weitere Staatenlenker unterzeichneten das Gründungsdokument des umstrittenen neuen Gremiums. Israel nahm an der Zeremonie nicht teil, will aber Mitglied des Rates werden

 22.01.2026

Diplomatie

Papst ernennt neuen Botschafter für Israel

Erst seit 1994 haben der Vatikan und Israel volle diplomatische Beziehungen. Der Botschafter des Papstes dort ist zugleich auch Delegat für Palästina. Nun hat der Papst einen Wechsel vorgenommen

 22.01.2026

Ulm/Stuttgart

Anklage nach Angriff auf israelischen Rüstungskonzern

Bekennervideos, zerstörte Labore und Proteste gegen ein Unternehmen aus Israel: Was den fünf Angeklagten vorgeworfen wird

 22.01.2026

NRW

Einladung von Terrorunterstützerin: Jüdische Gemeinde fordert Konsequenzen

In einer Presseerklärung wird eine Abberufung der Rektorin der Kunstakademie Düsseldorf, Donatella Fioretti, gefordert

von Imanuel Marcus  22.01.2026

Washington D.C.

USA wollen israelfeindlichen Aktivisten nach Algerien abschieben

Der frühere Student Mahmoud Khalil wird von den Behörden als Hamas-Unterstützer eingestuft. Seine Abschiebung sei auch eine Mahnung an Nicht-Staatsbürger im Land

 22.01.2026

Berlin

Linkes Bündnis will akademischen Boykott Israels

Ein linkes Bündnis will einen Boykott israelischer Wissenschaftler organisieren. Am Wochenende soll nun eine umstrittene Konferenz dazu stattfinden

 22.01.2026

Award

»Auch wenn es dunkel ist« ist Hörspiel des Jahres 2025

Das Hörspiel »Auch wenn es dunkel ist. Berichte vom 7. Oktober« gibt Opfern des Überfalls der Hamas auf Israel 2023 eine Stimme. Das Dokumentarstück interpretiere nicht und klage nicht an, lobte die Jury

 22.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die umstrittene ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an. In allen Kategorien dominieren die Öffentlich-Rechtlichen. Zugleich gibt es Kritik an zahlreichen Leerstellen

von Jana Ballweber  22.01.2026