Nachrichten

Attacke, Morddrohung, Feiertag

Demonstration gegen antisemitische Attacke in London Foto: imago images/ZUMA Press

München: Offman ausgeladen
Marian Offman, jüdischer Stadtrat der SPD, darf nicht als Repräsentant der Stadt München beim »Internationalen Forum«, einer Alternativveranstaltung zur Münchner Sicherheitskonferenz, sprechen. Ausgeladen haben ihn die Veranstalter. Wie die »Süddeutsche Zeitung« berichtet, sagte Thomas Rödl, Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), für die Veranstalter, dass Offmans Haltung zu Israel einer der Gründe für die Ausladung ist. Offman habe sich »offensiv und polarisierend mit politischen Gruppen und Veranstaltungen auseinandergesetzt, die die Politik der Regierung Israels kritisch beurteilen«. Offman, Mitglied im Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sagte, die Vermutung liege nahe, »dass man den Juden Marian Offman einfach nicht als Begrüßungsredner haben wollte. Auch wegen seiner Position natürlich zu Israel.« Offman sollte als offizieller Vertreter des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD) ein Grußwort sprechen.  ja

Attacke in London
An die Außenwand einer Synagoge sowie an Schaufenster von Geschäften in den Londoner Distrikten Hampstead und Belsize Pirk wurden antisemitische Sprüche und Symbole geschmiert – unmittelbar nach dem Anschlag auf das Haus eines Rabbiners im US-Bundesstaat New York. Die britische Polizei ermittelt wegen »rassistisch motivierten Hassverbrechens«.  ja

Morddrohung gegen Igor Levit
Nach dem Bekanntwerden einer Morddrohung gegen den russisch-deutschen Pianisten Igor Levit hat der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, laut einem Bericht der Zeitungen der Funke-Mediengruppe eine Verschärfung des Tatbestands der Volksverhetzung gefordert. Die jüdischen Gemeinden und der Zentralrat der Juden bekämen täglich Drohmails, die bisher aber nicht strafbar seien, weil es laut Paragraf 130 im Strafgesetzbuch keine Volksverhetzung sei, erklärte der Antisemitismusbeauftragte. Dafür hätte der Absender die E-Mail noch weiter verbreiten müssen. »Dieses Gesetz muss erweitert werden, auch der bilaterale Hass muss unter Strafe stehen«, betonte Klein.  dpa/ja

Halle: Keine Konsequenzen
Max Privorozki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Halle, beklagt, dass es nach dem Angriff gegen die Synagoge seiner Gemeinde keine Konsequenzen gibt. »Es ist ein großes Problem, dass alle mit dem Finger nur auf andere zeigen, sich selbst dabei aber von jedem Verdacht freisprechen«, sagte Privorozki der »Bild am Sonntag«. Er fordert mehr Aufklärung, etwa durch Schulklassenbesuche – »gern auch in unserer Synagoge«. Von einer ausschließlichen Fixierung auf Sicherheitsmaßnahmen hält Privorozki nichts, das führe nur dazu, »dass wir Juden uns hinter Mauern verstecken«.  ja

8. Mai bundesweiter Feiertag?
Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, hat dazu aufgerufen, den 8. Mai 2020 bundesweit zum gesetzlichen Feiertag zu machen. Dass Berlin den 75. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus »zum einmaligen gesetzlichen Feiertag erklärt hat, halte ich für ein positives Signal«, sagte Drecoll. Dies sei gerade in Zeiten wichtig, in denen verstärkt versucht werde, den Nationalsozialismus zu relativieren. Er würde begrüßen, »wenn Brandenburg und die anderen Bundesländer diesem Beispiel folgen würden«.  epd

Polen: Konflikt mit Russland
Polens Regierung hat den russischen Botschafter einbestellt. Warschau widerspricht damit Äußerungen von Russlands Präsident Wladimir Putin, in den 30er-Jahren habe Polens Botschafter in Berlin sich für eine Hitler-Statue in Warschau ausgesprochen. Putin nannte den damaligen Botschafter einen »Mistkerl, ein antisemitisches Schwein«. Die Regierung in Warschau erhebt nun »vehementen Einspruch gegen die historischen Unterstellungen höchster russischer Stellen«. Vizeaußenminister Marcin Przydacz twitterte, die Welt werde die »wahre Bedeutung« des Molotow-Ribbentrop-Paktes, des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts von 1939, nicht vergessen.  ja

Interview

»Plötzlich ist das Gefühl von Sicherheit weg«

In der Nacht auf Sonntag ist das private Grundstück von Brandenburgs Antisemitismusbeauftragten Andreas Büttner Ziel eines Brandanschlags geworden. Mit der Jüdischen Allgemeinen spricht er nun exklusiv über den Angriff – und benennt, was daraus folgen muss

von Mascha Malburg, Philipp Peyman Engel  04.01.2026 Aktualisiert

Templin

Brandanschlag auf Grundstück von Beauftragten gegen Judenhass

Auf dem Grundstück des Antisemitismusbeauftragten von Brandenburg wurde ein Schuppen in Brand gesteckt. Auf seiner Haustür haben die Täter ein rotes Hamas-Dreieck hinterlassen

 04.01.2026

Analyse

Warum die Proteste im Iran auch eine Chance für unsere Sicherheit sind

Anschläge und Morde, verdeckte Handelsfronten, Identitätsdiebstahl und Sanktionsumgehung: Das Regime in Teheran ist auch in Europa zu einem hybriden Bedrohungsakteur geworden. Umso wichtiger ist es, die Regimegegner zu unterstützen

von Rebecca Schönenbach  04.01.2026

Interview

»Israels Sache ist gerecht, sie muss nur besser erklärt werden«

Der saudische Influencer Loay Alshareef über Frieden im Nahen Osten, seine erste Begegnung mit Juden und die Kraft persönlicher Erfahrung

von Stefan Laurin  04.01.2026

Iran

Proteste gegen Chamenei weiten sich aus

Im Iran kam es erneut zu Gewalt gegen Demonstrierende. Die Proteste haben sich inzwischen auf etwa 70 Prozent des Landes ausgeweitet. Auch in Berlin und Washington versammelten sich oppositionelle Exiliraner

 04.01.2026

Venezuela

Netanjahu gratuliert Trump

Israels Regierungschef Netanjahu lobt den US-Angriff in Venezuela und hebt Trumps Vorgehen gegen Maduro als »historisch« hervor. Andere israelische Politiker ziehen Parallelen zum Iran

 04.01.2026

Caracas

Venezuelas Vizepräsidentin behauptet »zionistische Handschrift«

Delcy Rodriguez, die nach der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro die Leitung des Landes übernehmen will, stellt den US-Angriff in einen Zusammenhang mit Israel

 04.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  02.01.2026

Kommentar

Der Edelpilz, der keiner ist

New Yorks neuer Bürgermeister Zohran Mamdani hat bereits die Anerkennung der IHRA-Definition durch die Stadtverwaltung und das Boykottverbot gegen Israel aufgehoben

von Louis Lewitan  02.01.2026