Meinung

Antisemitismus: Mehr als nur forschen

Julius H. Schoeps Foto: Gregor Zielke

Als vergangenen Sommer auf Deutschlands Straßen »Hamas, Hamas – Juden ins Gas« gebrüllt wurde, war der Aufschrei zunächst groß. Spitzenpolitiker zeigten sich entsetzt und bekundeten den jüdischen Gemeinden ihre Solidarität. Im Herbst klangen die aggressiven Demos ab, doch andere Merkwürdigkeiten blieben.

Publizisten wie Jürgen Elsässer, die den »Widerstand gegen das internationale Finanzkapital und seine Kriegsbrandstifter in Washington, London und Jerusalem« propagieren, ernten Beifall von Rechts wie von Links. Printmedien arbeiten sich an Israels Politikern ab und garnieren das unversehens mit antisemitischen Karikaturen. Soziologen interessieren sich mehr für Antisemitismusdiskurse als für die Ursachen der neuen Hasswellen. So ganz nebenbei steigt die Zahl antisemitischer Straftaten um 25 Prozent. Dies hält zumindest die polizeiliche Kriminalstatistik für 2014 fest. Nun ist mit erneuter öffentlicher Betroffenheit zu rechnen – bis sich der Rest wieder in Wohlgefallen auflöst.

konferenz Es gibt Menschen, Gruppierungen und Institutionen, denen dieses Spiel nicht länger behagt. Sie wollen nicht warten bis zum nächsten Brandanschlag auf eine Synagoge. Sie wollen Aufklärung, weshalb behördlich erfasste und unabhängig ermittelte Übergriffe gegen Juden bisweilen erheblich differieren.

Sie suchen nach Wegen, Antisemitismus transparenter zu erfassen, sorgfältiger zu erforschen und effizienter zu bekämpfen. Juden und Nichtjuden rücken hier zusammen, Frauen und Männer, Professoren und Studenten, Politiker und Bürgerrechtler. Die erste Konferenz des »Netzwerkes zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus« (NEBA) vergangene Woche in Berlin gab dafür eine passende Plattform.

Wesentliche Impulse kamen vom American Jewish Committee, dem Moses Mendelssohn Zentrum und der Amadeu Antonio Stiftung. Das Netzwerk ist offen für alle Interessierten und versteht sich – aus einer jüdischen Perspektive heraus – als Ergänzung zu anderen Initiativen, zum Expertenkreis Antisemitismus beim Bundesinnenministerium und zur bisherigen Antisemitismusforschung. Eines ist schon jetzt sicher: NEBA wird es nicht bei Betroffenheitsritualen belassen. So wurde angekündigt, aus den Ergebnissen der Konferenz von letzter Woche einen Maßnahmenkatalog zu erstellen, der Abgeordneten und Regierungsvertretern bald vorgestellt werden soll.

Der Autor ist Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums an der Universität Potsdam.

Parteien

Merz: Wollen Zusammenarbeit weder mit AfD noch mit Linken

Nach den ostdeutschen Landtagswahlen könnte eine Regierungsbildung ohne AfD und Linke unmöglich sein. Der Kanzler und CDU-Chef will sich darüber aktuell noch keine Sorgen machen

 23.02.2026

London

Epstein-Skandal: Peter Mandelson festgenommen

Nach Ex-Prinz Andrew wird nun auch das frühere Kabinettsmitglied Peter Mandelson wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Sexualstraftäter Epstein festgenommen

 23.02.2026

Debatte

Europäische Rabbiner für Social-Media-Verbot für Kinder

Parteien, Wissenschaftler und nun auch Rabbiner - die Unterstützung für ein Social-Media-Verbot für Minderjährige wächst. Gleichzeitig mehren sich auch die mahnenden Stimmen, die betonen: Ein Verbot allein reicht nicht.

von Johannes Peter Senk  23.02.2026

Nahost

US-Botschaftspersonal soll Libanon verlassen

Das amerikanische Außenministerium hat alle Mitarbeiter, die »nicht für den Notfall« benötigt werden, nach Hause beordert

 23.02.2026

Wiesbaden/Mainz 

AfD-Familienbande zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen

Vorwürfe der Vetternwirtschaft: Auch zwischen den AfD-Landtagsfraktionen in Mainz und Wiesbaden gibt es familiäre Verbindungen. Nur wegen der Fachkompetenz, betont die Partei

 23.02.2026

Düsseldorf

Proteste gegen Höcke-Reden in NRW - Machtkampf in der AfD

Begleitet von Protesten reist AfD-Politiker Höcke durch NRW. Das stärkt den rechten Flügel der nordrhein-westfälischen AfD - und das kurz vor einem womöglich richtungsweisenden Landesparteitag

von Marc Herwig  23.02.2026

Göttingen

Ehrendoktortitel für Holocaust-Überlebenden Leon Weintraub

Auch Ehrung mit Friedenspreis geplant

 23.02.2026

Teheran

Proteste an iranischen Universitäten halten an

Anfang Januar wurden Massenproteste im Iran brutal niedergeschlagen. Entsprechend verzögerte sich der Beginn des neuen Semesters. Nun startet es mit neuen Demonstrationen

 23.02.2026

USA

Nach Epstein-Vorwürfen: Tucker Carlson entschuldigt sich bei Isaac Herzog

Der rechte Moderator: »Es gibt nichts Schlimmeres, als den Ruf eines unschuldigen Mannes zu beschädigen. Es tut mir leid, angedeutet zu haben, ich wüsste etwas, das ich nicht wusste.«

 23.02.2026