Initiative

»Antisemitische Haltung aufdecken«

Mathias Middelberg Foto: imago images/Political-Moments

Herr Middelberg, Sie haben vor einigen Tagen vorgeschlagen, dass antisemitisch motivierte Handlungen künftig ein Hindernis für die Einbürgerung in Deutschland sein sollen. Welche Handlungen meinen Sie genau?
Es geht in erster Linie um Straftaten wie Volksverhetzung oder Fahnenverbrennung. Aus verfassungsrechtlichen Gründen muss eine gewisse Erheblichkeitsschwelle überschritten sein, um jemandem die Einbürgerung verweigern zu können. Neben dem Ausschlusstatbestand sollte aber auch der Einbürgerungstest dazu genutzt werden, eine mögliche antisemitische Haltung der Antragsteller aufzudecken. Konkret denkbar wäre zum Beispiel eine Frage zum Existenzrecht des Staates Israel.

Wer würde am Ende im Einzelfall die Entscheidung treffen?
Über die Frage, ob im konkreten Fall eine antisemitisch motivierte Handlung vorgenommen wurde, die eine Einbürgerung ausschließt, müsste jeweils die zuständige Einbürgerungsbehörde unter Würdigung aller – auch der für den Bewerber sprechenden – Umstände entscheiden.

Für welchen Zeitraum nach einer antisemitischen Tat sollte diese Einschränkung Ihrer Meinung nach gelten?
Das sollte schon ein relevanter Zeitraum sein. Dabei könnte man sich an der Tilgungsfrist von zehn Jahren im Bundeszentralregister für Straftaten orientieren, die jetzt schon bei der Einbürgerung relevant sind.
Glauben Sie, dass Sie Ihren Koalitionspartner SPD noch überzeugen können, diese Änderung auf den Weg zu bringen?
Die SPD sieht jedenfalls auch die Notwendigkeit, dass wir die Einbürgerung von Bewerbern mit antisemitischer Haltung verhindern müssen.

Abgesehen davon – welche weiteren Maßnahmen müssen getroffen werden, um das Problem Antisemitismus in den Griff zu bekommen?
Die antisemitischen Ausfälle vor allem arabischstämmiger Jugendlicher und türkischstämmiger Rechtsextremisten bei Demons­trationen müssen rechtlich geahndet werden. Sie werfen aber auch tiefergehende Fragen zu unserer Zuwanderungs- und Integrationspolitik auf – jedenfalls dann, wenn wir das Bekenntnis zur Existenz Israels als Teil unserer Staatsräson ernst nehmen. Beim Thema Integration müssen wir unser Engagement zielgenau auf den Adressatenkreis ausrichten. Und wir müssen grundlegend auch schon die schulische Bildung mehr in den Blick nehmen. Der Antisemitismus, den manche Zuwanderer aus ihrer Heimat mitbringen, hat ja einen konkreten Hintergrund. Der Nahostkonflikt muss deshalb stärker als bisher Thema an unseren Schulen werden.

Die Fragen an den innenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion stellte Michael Thaidigsmann.

Der CDU-Antrag zur Änderung im Staatsangehörigkeitsgesetz wird in dieser Woche im Bundestag diskutiert.

Berlin

»Yalla Intifada«: Gewaltaufruf bei Veranstaltung der Linken Neukölln

Bei einer Wahlkampfkundgebung der Linkspartei in Berlin-Neukölln performte der umstrittene Rapper Dahabflex. Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp distanziert sich von dessen Auftritt

 30.08.2026

Querfurt

AfD-Politiker verteidigt russische Armeetasse im Büro

Der AfD-Politiker Tillschneider empfängt einen Journalisten in seinem Wahlkreisbüro. Dort gerät eine Tasse mit rotem Stern in den Blick. Der Politiker will eine Veröffentlichung verhindern? Warum?

 30.08.2026

Förderung

Prien: Hohe Beteiligung bei »Demokratie leben!«

Für den Umbau des Förderprogramms hat die Familienministerin viel Kritik eingesteckt. Doch die CDU-Politikerin sieht sich bestätigt. Zugleich sagt sie: »Ich habe verstanden«

 30.08.2026

Iran-Krieg

Chamenei wirbt für gemeinsame Front gegen USA und Israel

Irans oberster Führer fordert die muslimischen Staaten auf, sich gegen die USA und Israel zu verbünden. Dazu wendet er sich mit einer seltenen Nachricht an die Öffentlichkeit

 30.08.2026

Berlin

Insa-Umfrage: AfD in Sonntagsfrage weiter vorn

Stünde jetzt eine Bundestagswahl an, entschiede sich nur knapp jeder dritte Wähler für eine der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD. Vorn liegt unverändert eine andere politische Kraft

 30.08.2026

Ina Czyborra

Berlin

Kein Antisemitismusbeauftragter vor der Abgeordnetenhauswahl

Das Auswahlverfahren für eine Ansprechperson an Hochschulen der Bundeshauptstadt ist vorerst gescheitert

 28.08.2026

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Interim

Christoph de Vries übernimmt zeitweise Amt von Felix Klein

Der langjährige Antisemitismusbeauftragte Felix Klein wechselt als deutscher Vertreter zur OECD nach Paris. Bis seine Nachfolge geklärt ist, übernimmt der Parlamentarische Staatssekretär seine Aufgaben

von Anna Mertens  28.08.2026

Social Media

Prozess: Mark Zuckerbergs Meta will knapp 17 Milliarden Dollar zahlen

Das historische Verfahren zwischen Tech-Gigant Meta und fast allen US-Bundesstaaten gilt rechtlich nur für die USA. Doch es könnte auch globale Auswirkungen haben

 28.08.2026