Faktencheck

Angebliches Video von Hilfsaktion entstand vor Gaza-Krieg

Ein Lastwagen mit Hilfsgütern am Grenzübergang Rafah nach Gaza. Gegen die Hilfslieferungen hatten zwei Französinnen protestiert. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Am 7. Oktober haben Hamas-Terroristen die Grenze zu Israel überquert und Massaker angerichtet, bei denen 1400 Menschen ermordet wurden. Israel greift seither Terror-Ziele im Gazastreifen an. Die mehr als zwei Millionen Einwohner des Gazastreifens waren zunächst von fremder Hilfe abgeschnitten. Sie haben oft nur begrenzten Zugang zu lebensnotwendigen Gütern wie Wasser, Nahrungsmitteln, Treibstoff und Medikamenten.

Humanitäre Hilfskonvois der Vereinten Nationen steckten bis zum Wochenende auf der ägyptischen Seite der Grenze in Rafah fest. Inzwischen sind zwei Hilfskonvois in Gaza angekommen.

Einem Video auf Instagram zufolge sollen »ägyptische Muslime« schon am 14. Oktober auf eigene Faust zu Hilfe geeilt sein: »Ägyptische Muslime brachten heute Morgen so Ihre Hilfe nach Gaza, indem sie zu den Grenztoren eilten«, heißt es in dem Video. Darin ist zu sehen, wie mehrere Hundert Personen mit weißen Paketen auf dem Rücken gebunden in einer Wüste in dieselbe Richtung gehen.

Bewertung

Das Video ist alt und hat keinen Bezug zur aktuellen Entwicklung im Gaza-Streifen. Wahrscheinlich stammt es von der ägyptisch-libyschen Grenze.

Fakten

Ägypten hat eine mehr als zwölf Kilometer lange Grenze mit dem Gazastreifen. Es gibt nur einen Grenzübergang, und zwar in Rafah. Der Rest ist mit einem stählernen Grenzzaun abgesperrt, der in den vergangenen Tagen nach dem Angriff der Hamas auf ägyptischer Seite verstärkt wurde. Ein Grenzübertritt in jede Richtung ist nahezu unmöglich.

Diese Grenzmauer ist optisch sehr präsent. Im Video sind hingegen nirgendwo eine Mauer, ein Grenzübergang oder andere Markierungen der Grenze zu sehen. Das ist ein erster Hinweis darauf, dass es sich nicht um die Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen handelt.

Standort ungewiss

Auf Tiktok und X wurde das Video am 31. August und 7. September veröffentlicht, also lange vor der jüngsten Eskalation der Gewalt im Gazastreifen Anfang Oktober. Die Bilder haben also nichts damit zu tun.

In den Beiträgen auf Tiktok und X wird tatsächlich von einer Grenze gesprochen, nur nicht von der Grenze Ägyptens zum Gazastreifen. Nach Angaben von Social-Media-Nutzern ist dort die ägyptisch-libysche Grenze in der Nähe der kleinen ägyptischen Grenzstadt Sallum am Mittelmeer zu sehen.

Im Video ist am Horizont eine Reihe von Gebäuden zu sehen, vor allem ein helles gewölbtes Dach fällt auf. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um den Grenzübergang zwischen Ägypten und Libyen. Auf Fotos der ägyptischen Nachrichtenseite »Youm7« sind ein weißes Dach und Nebengebäude zu erkennen, die mit der Anordnung im Video übereinstimmen.

Die arabischen Faktenprüfer von Misbar bemerkten die Ähnlichkeiten der Personen im Video mit denen von Schmugglern, die entlang der ägyptisch-libyschen Grenze operieren.

Links

Post (bei Instagram archiviert)

Zur Grenze (archiviert)

Zur Grenzverstärkung (archiviert)

Rafah und die Grenze (archiviert)

Zur Grenze (2)(archiviert)

Tiktok-Video (archiviert)

X-Beitrag (archiviert)

X-Beitrag (2)(archiviert)

Misbar (archiviert)

Tweet (archiviert)

zu Gaza (1)(archiviert)

zu Gaza (2)(archiviert)

zu Gaza (3)(archiviert)

Satellitenaufnahme der Grenze

Fotos der Grenzanlage bei »Youm7« (archiviert)

Frankfurt

Vorsitzender der jüdischen Gemeinden in Hessen legt Amt bei HR nieder

Der Streit über die Höhe der Entschädigung für enteignete jüdische Grundstücke in Frankfurt am Main zieht Kreise: Daniel Neumann legt sein Aufsichtsratsmandat bei einer HR-Tochter nieder

 22.09.2026

New York

Trump: Mamdani hat Potenzial zu großartigem Bürgermeister

Politisch liegen Welten zwischen New Yorks Bürgermeister und dem US-Präsident. Doch auch nach ihrem dritten Treffen äußern sich beide erstaunlich versöhnlich

 22.09.2026

Berlin

Sergey Lagodinsky: Linke muss Antisemiten ausschließen

Die Debatte um Judenhass in der Linkspartei ebbt nicht ab. Der Grünen-Europaabgeordnete fordert nun konkrete Konsequenzen von der Parteiführung

 22.09.2026

Berlin

Merz: Jüdisches Leben in Deutschland nicht mehr sicher

Vor allem seit dem Überfall der Hamas auf Israel und dem Beginn des Gaza-Krieges kommt es in Berlin immer wieder zu Attacken auf Juden. Der Bundeskanzler erteilt jeglichem Antisemitismus eine klare Absage

 22.09.2026

Berlin

Igor Levit kritisiert Merz: Weiter-so in hübscher Verpackung

Merz’ Art der Kommunikation des CDU-Politikers wirke »losgelöst«, so der Pianist

 22.09.2026

Kanada

Schüsse vor Synagoge: Polizist und mutmaßlicher Angreifer schwer verletzt

Der Vorfall ereignete sich am Sonntagabend, während sich rund 25 Menschen in der Sons of Jacob Synagogue zum Jom Kippur versammelt hatten

 22.09.2026

Berlin

Auschwitz Komitee: Linke soll zu »Fehlentwicklungen« stehen

Nach dem Wahlsieg der Linken: Die Präsidentin des Auschwitz-Komitees kritisiert die Haltung der Partei zum Antisemitismus. Sie müsse sich »von allen Antisemiten in ihren Reihen« trennen

 22.09.2026

Abgeordnetenhauswahl

Außenminister: Berlins Regierung muss Juden zur Seite stehen

Nach dem Erfolg der Linken bei der Berlin-Wahl ruft Außenminister Johann Wadephul dazu auf, jüdisches Leben in der Hauptstadt und in Deutschland entschieden zu schützen

 22.09.2026

Sicherheit

Innenminister besorgt nach Linken-Wahlsieg in Berlin

Brandenburgs Innenminister Redmann: »Dass in Berlin Clanchefs und Islamisten den Wahlsieg der Linken feiern, macht, glaube ich, nicht nur mir große Sorgen«

 22.09.2026