Deutsche Bahn

»Amoralisch und obszön«

Herr Minow, die Initiative»Zug der Erinnerung« ruft zu einer Demonstration am 4. Dezember in Nürnberg auf. Nur drei Tage vor dem 175. Jubiläum der Bahn. Warum?
Die Deutsche Bahn (DB) und ihre Eigentümer sind Erben der »Reichsbahn« – eines kriminellen Unternehmens, das Millionen in den Tod gefahren hat. Die »Reichsbahn«-Erben sind in der Pflicht, den Überlebenden der damaligen Mordbeihilfe Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wir hätten uns gewünscht, dass das Unternehmen sein Jubiläum zum Anlass nimmt, um eine Übereinkunft mit den sozial Bedürftigen, insbesondere in Osteuropa, zu treffen.

Und das ist nicht geschehen?
Nein. Es gab zwar zeitweise einen Hoffnungsschimmer, als unsere Initiative zusammen mit den Opfern an die Bahn herangetreten ist. Die DB hat dann im Mai 2010 Verhandlungen mit Organisationen in Polen aufgenommen – dorthin will die DB expandieren. Bedingung der Gespräche war strikte Verschwiegenheit und Ausschluss der deutschen Öffentlichkeit. Aber der Hinterzimmerhandel ist gescheitert.

Warum?
Die Bahn hat in drei Verhandlungsrunden gezeigt, dass ihre Wahrnehmung der Opfer dort endet, wo materielle Zuwendung beginnen muss. Das erste Angebot lautete: eine einmalige Zahlung von 55 Cent pro Deportiertem. Bei 200.000 Überlebenden in Osteuropa ergibt das eine Million Euro. In der zweiten Runde bot die Bahn dann 15 Euro an. Schließlich hieß es: 25 Euro pro Person, verteilt auf drei Jahre. Das wären 5 Millionen, ein Teil des Tagesverdienstes der Bahn. Die polnische Seite hat diese Bettelsumme akzeptiert, die Opfer in der Ukraine, in Weissrußland und Russland weisen das Almosen als beleidigend und unannehmbar zurück.

Fehlt es an öffentlichem Interesse und entsprechendem Druck auf die Bahn?
Es ist nicht im öffentlichen Bewußtsein, dass die DB und ihre Eigentümer Rechtsnachfolger eines Mordkomplexes sind, der die kriminelle Energie des Auswärtigen Amtes der NS-Zeit oder die Untaten des Reichsfinanzministeriums, um nur zwei zu nennen, bei weitem übertrifft. Das tatsächliche Ausmaß der »Reichsbahn«-Verbrechen wurde in der Bundesrepublik ebenso wie in der DDR über Jahrzehnte vertuscht und beschwiegen. Bis heute.

Sie kritisieren auch die Feierlichkeiten der Bahn anlässlich ihres 175-jährigen Bestehens. Was stört Sie?
Wie kann man in Nürnberg einen Festakt begehen, der auch der »Reichsbahn«-Zeit gewidmet ist, ohne die überlebenden Opfer zu entschädigen? Wie kann man für die Bundeskanzlerin und für die mitreisende Prominenz kulinarische Rundgänge durch die Bahngeschichte veranstalten und den »Reichsbahn«-Deportierten Krumen hinwerfen? Das ist amoralisch und obszön.

Aber die Bahn hat sich doch in ihrem Jubiläumsjahr in einer Ausstellung im Nürnberger Dokumentationszentrum mit ihrer NS-Geschichte auseinandergesetzt.
Die DB gibt nur zu, was nicht länger zu leugnen ist. Ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte endet am 8. Mai 1945. Über die Kriminellen, die für den Nachschub nach Auschwitz verantwortlich waren und später in hohe Bahnämter aufstiegen, erfahren Sie bei der DB AG nichts. Für diese Täter hat die Bahn in der Nachkriegszeit Millarden an Pensionen gezahlt. Ihr Einfluss ist immer noch zu spüren.

Wie sollte denn die Bahn ihre Geschichte aufarbeiten?
Der Eigentümer muss eine unabhängige Studie in Auftrag geben, ohne jegliche Beteiligung der Bahn-Seilschaften. Aber das ist eine langfristige Arbeit für die Archive. Jetzt kommt es darauf an, den letzten Überlebenden zu helfen.

Mit dem Vorsitzenden der Initiative »Zug der Erinnerung« sprach Katrin Richter.

London

Großbritannien plant härteres Vorgehen gegen Revolutionsgarden

Mit einem neuen Sicherheitsgesetz will London härter gegen von feindlichen Staaten gelenkte Gruppen vorgehen. Auch lebenslange Haftstrafen sind möglich

 13.07.2026

Bericht

Zahl antisemitischer Straftaten in NRW steigt deutlich an

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der antisemitischen Straftaten 2025 auf einen Höchststand gestiegen. So verzeichnete die Statistik zu politisch motivierter Kriminalität 786 Straftaten, die offenbar aus Hass gegen Juden verübt wurden

 13.07.2026

Berlin

Studentenparlament der Humboldt-Universität fordert akademischen Boykott Israels

In einem Antrag wird die Uni aufgefordert, bestehende Kooperationen mit israelischen Universitäten und Forschungseinrichtungen zu beenden

 13.07.2026

New York

Alan Dershowitz nennt jüdische Mamdani-Wähler »Idioten«

»Mamdani sollte besser Bürgermeister von Teheran sein«, so der jüdische Jura-Professor

 13.07.2026

London

Großbritannien verstärkt Schutz jüdischer Gemeinden mit Millionenprogramm

Der scheidende Premier Keir Starmer sagt, die Maßnahme bedeute einen grundlegenden Ausbau der Polizeipräsenz, damit jüdische Gemeinden ihren Glauben ohne Angst leben und feiern könnten

 13.07.2026

Sarcelles

Terrorermittlungen nach Waffenfund in Pariser Vorstadt

Sarcelles ist bekannt für seine jüdische Gemeinde. Nun wurden dort Waffen in einem Auto entdeckt, unweit einer Synagoge

 13.07.2026

Tel Aviv

Bericht: Nova-Überlebende werden Ziel koordinierter Hasskampagne im Netz

Hinter zahlreichen Beiträgen sollen Netzwerke stehen, die Verbindungen zum iranischen Regime haben

 13.07.2026

Australien

Bericht offenbart massives Ausmaß von Judenhass im Gesundheitswesen

Eine Recherche des »Australian« zeigt ein alarmierendes Muster antisemitischer Vorfälle im australischen Gesundheitssystem auf

 13.07.2026

Nahost

USA weiten Angriffe auf Iran aus – Teheran attackiert US-Stützpunkte

Eine weitere Welle von Angriffen gegen Dutzende Ziele sei durchgeführt worden, heißt es vom Zentralkommando der US-Streitkräfte

 13.07.2026