Meinung

Altersarmut: Mitleid reicht nicht

Von alleine fragt nie jemand nach. Kein »Wie geht es Ihnen?« oder »Was können wir für Sie tun?« Als gäbe es bei Schoa-Überlebenden aus der früheren Sowjetunion keinen Bedarf. Und, vor allem, als hätten die Nöte, die die Menschen, die in der juristischen Konstruktion der »Kontingentflüchtlinge« nach Deutschland kamen, nichts mit deutscher Verantwortung zu tun.

Die Sorgen, um die es geht, sind sehr konkret. Juden, die ab 1941 von der Wehrmacht aus ihren Städten und Dörfern gejagt wurden, gelten bis heute nicht als NS-Verfolgte. Würde ihnen das anerkannt – und sie wurden ja vom NS-System und seinen Schergen verfolgt –, bedeutete das einen kleinen materiellen Beitrag zu einem würdevollen Lebensabend.

fremdrente Doch der wird ihnen ebenso verweigert wie die sogenannte Fremdrente, also Altersgeld, das ihre Lebensleistung, die sie in der Sowjetunion erbrachten, oft als Ärzte oder Ingenieure, monetär anerkennen würde. Stattdessen sind viele Zuwanderer von Sozialleistungen abhängig. Jüdische Gemeinden und Organisationen wie die ZWST helfen, wo es irgend geht – doch ohne den großen Erfolg.

Das ist ein politischer und moralischer Skandal. Und zwar einer, bei dem das oft falsch verwendete Wort »fassungslos« tatsächlich passt. Es ist nämlich rational überhaupt nicht zu fassen, warum die reiche Bundesrepublik diesen Menschen, die sie in den 90er-Jahren zu sich geholt hat, die Hilfe verweigert, die doch, in der Sprache der Haushälter gesprochen, »Peanuts« sind.

kompetenz Nicht einmal der so naheliegende Hinweis hilft, dass sich die Mehrheitsgesellschaft selbst geschadet hat, indem sie die oftmals sehr große Kompetenz dieser Menschen ausschlug. Und schon gar nicht wird auf den Hinweis reagiert, dass diese Menschen, auch wenn sie von Transferleistungen leben, schon jetzt für die deutsche Gesellschaft wertvoll sind: Ehrenamtlich helfen sie in Gemeindezentren, sind kulturell aktiv und – alles andere als zuletzt – vermitteln als Zeitzeugen in Schulen historisches Wissen über deutsche Verbrechen.

Es geht nicht um Mitleid – auch wenn das manchmal schon ein bisschen Hilfe brächte –, sondern um Respekt. Es geht um Menschen, auf die der Begriff der historischen Verantwortung Deutschlands unstrittig zutrifft. Und es geht darum, dass wir froh sein sollten, dass diese Menschen unter und mit uns leben.

Berlin

CDU-Präsidium tagt in Chabad-Synagoge

Die Parteispitze will damit ein Zeichen setzen

 01.05.2026

Urteil

Buchhandlungspreis: Gericht untersagt Weimer Extremismus-Äußerung

Die Buchhandlungspreis-Affäre lässt Kulturstaatsminister Weimer nicht los. Die unter Extremismusverdacht geratenen Buchhandlungen wehren sich

 30.04.2026

Washington D.C.

Größter US-Flugzeugträger soll Nahen Osten verlassen

Erstmals seit Jahrzehnten sind wieder drei US-Flugzeugträger im Nahen Osten - das verkündete das US-Militär vergangene Woche. US-Medien zufolge dürfte sich das aber schon bald wieder ändern

 30.04.2026

Washington D.C.

Trump drängt erneut auf Begnadigung Netanjahus

»Bibi ist ein Premierminister im Krieg. Mit so etwas im Nacken kann er nicht arbeiten«, sagt der amerikanische Präsident

 30.04.2026

Ralf Fischer

Kollegah: Judenhass in Reimform

Warum schweigen alle zu dem offenen Antisemitismus von Felix Blume aka Kollegah?

 30.04.2026

Einspruch

Im Dschungel gestolpert?

Maria Ossowski bedauert den Rücktritt von Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson

von Maria Ossowski  30.04.2026

Dominik Krause

Grün und pro Israel

Am 1. Mai tritt der 35-Jährige ein Amt als Oberbürgermeister Münchens an. Wofür steht er? Ein Porträt

von Chris Schinke  30.04.2026

Glosse

Tipps und Tricks für Judenhasser

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Eine Handreichung

von Daniel Neumann  30.04.2026

Düsseldorf

Auschwitz-Museum: Rüttgers erhält Auszeichnung »Light of Remembrance«

»Mein Antrieb wurzelt in der tiefen Überzeugung, dass wir Deutsche uns der Verantwortung, die aus unserer Geschichte als ›Land der Täter‹ erwächst, niemals entziehen können«, sagt der Preisträger

 30.04.2026 Aktualisiert