New York

46 Prozent aller Erwachsenen auf der Welt haben antisemitische Ansichten

Jonathan Greenblatt ist aufgrund der alarmierenden Umfrageergebnisse besorgt. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Eine Umfrage der amerikanischen NGO Anti-Defamation League (ADL) zum Judenhass in der Welt kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Fast die Hälfte aller Erwachsenen auf der Welt soll antisemitische Ansichten haben.

Den 58.000 Umfrageteilnehmern in 103 Ländern wurden elf negative Vorurteile über Juden vorgelegt - darunter Aussagen wie »Juden haben zu viel Kontrolle über die Regierung« oder »Juden interessieren sich nicht dafür, wie es anderen geht«. 46 Prozent der Befragten glaubten, dass mindestens sechs davon »wahrscheinlich wahr« oder »sicher wahr« sind.

Laut ADL hat sich die Zahl der Menschen mit entsprechenden Ansichten innerhalb von 10 Jahren mehr als verdoppelt. Noch nie äußerten so viele Menschen antisemitische Auffassungen.

Tendenziell neigen Erwachsene unter 35 Jahren eher zu Judenhass. Auch dies geht aus den Umfrageergebnissen hervor.

»Globaler Notfall«

Eine weitere Erkenntnis lieferte die ADL-Studie: Ein Fünftel aller Erwachsenen hat noch nie vom Holocaust gehört und nur 48 Prozent erkennen die historische Exaktheit des Holocaust an.

Lesen Sie auch

»Antisemitismus ist nichts weniger als ein globaler Notfall, insbesondere in der Zeit nach dem 7. Oktober«, erklärte ADL-Geschäftsführer Jonathan Greenblatt. »Wir sehen diese Trends vom Nahen Osten bis nach Asien, von Europa bis nach Nord- und Südamerika.«

»Es ist klar, dass wir neue staatliche Interventionen, mehr Bildung, zusätzliche Schutzmaßnahmen in den sozialen Medien und neue Sicherheitsprotokolle brauchen, um antisemitische Hassverbrechen zu verhindern«, so Greenblatt.

Erhebliches Problem

Als positiv nahm die ADL wahr, dass immerhin 57 Prozent der Befragten der Ansicht ist, Judenhass stelle in der Welt ein erhebliches Problem dar. Zwei Drittel erklärten, sie wollten keinen Boykott ihres Landes gegen israelische Produkte und Unternehmen.

Im vergangenen Jahr erstellte die ADL ihre Richtlinien für den Kampf gegen den Antisemitismus. Die NGO ruft alle Staaten auf, sie zu ratifizieren und zu befolgen. im

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 01.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  01.10.2026

Aufruf

Rapper Danger Dan: Man darf sich von Angst nicht lähmen lassen

Das ZDF untersagte im Sommer den Auftritt von Danger Dan und Igor Levit mit ihrem Song »Keine Angst« in der Satire-Sendung »Die Anstalt«. Doch das Lied motivierte andere, aktiv zu werden gegen Neonazi-Umtriebe

von Barbara Just  01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026

Terrorismus

Sicherheitsbehörden verhindern Mordanschläge auf jüdische Ziele in Deutschland

Die Hintergründe

 01.10.2026

Washington D.C.

Keith Sonderling als US-Arbeitsminister bestätigt

In den Vereinigten Sraaten ist der in New York geborene Anwalt bereits der vierte Jude, der dieses Amt ausübt

 01.10.2026

Der RAF-Stützpunkt Fairford, im Hintergrund ein B1-Bomber

London

Vorfall bei US-Militärbasis: »Hinweise« auf Beteiligung eines Drittstaates

Nach dem Vorfall an einem US-Luftwaffenstützpunkt in Großbritannien kommen immer mehr Details ans Licht. Andy Burnham bestätigt nun eine mögliche Verbindung zu einem ausländischen Akteur.

 01.10.2026

Berlin

Linken-Politiker Ferat Koçak gibt Sitz im Innenausschuss ab

Der Wahlsieg der Linken lässt die Linken jubeln. Doch Fotos werfen Fragen zu Mitfeiernden auf. Der Neuköllner Bundestagsabgeordnete steht besonders in der Kritik und zieht nun Konsequenzen

 01.10.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD reden über Antisemitismus

Die drei potenziellen Koalitionspartner diskutieren nach der Wahl gemeinsam über Judenhass und organisierte Kriminalität. Warum das offiziell noch keine Sondierungen sind

 01.10.2026