Rückblende

1990: Die DDR und die Schoa

Kurswechsel: Hans Modrow Foto: dpa

Rückblende

1990: Die DDR und die Schoa

Unsere Serie über die Geschichte der Juden in Deutschland nach 1945: Folge 45

von Michael Brenner  11.09.2013 10:01 Uhr

Österreich bezeichnete sich lange Zeit als das erste Opfer Hitlers, die DDR gerierte sich fast bis zu ihrem Ende als der schon immer antifaschistische Teil Deutschlands. Ihre politische Führung weigerte sich, die Verantwortung und die daraus entstehenden Konsequenzen für die Verbrechen des Nationalsozialismus zu übernehmen. Als zu Beginn der 50er-Jahre einige SED-Funktionäre wie Paul Merker vorschlugen, auch die DDR solle Entschädigungszahlungen an die NS-Opfer in Erwägung ziehen, wurden sie ausgeschaltet.

verantwortung An dieser Linie, die mit einer selbst für kommunistische Verhältnisse radikalen Anti-Israelpolitik einherging, änderte sich bis kurz vor dem Fall der Mauer kaum etwas. Erst als Erich Honecker in seinem letzten Amtsjahr bessere Beziehungen zu den USA benötigte, begann sich langsam etwas zu bewegen. Doch erst nach der »friedlichen Revolution« kam es auch in Sachen Vergangenheitspolitik zur richtigen Wende.

Am 8. Februar 1990 betonte der neue DDR-Ministerpräsident Hans Modrow in einer Erklärung an den Jüdischen Weltkongress und die Regierung Israels, dass die DDR die Verantwortung des gesamten deutschen Volkes für die Verbrechen des Hitlerfaschismus am jüdischen Volk anerkenne. Der Weltkongress sprach von einem »wichtigen ersten Schritt«. Der damalige stellvertretende Verteidigungsminister Benjamin Netanjahu legte der DDR-Regierung nahe, sich an den westdeutschen Traditionen der historischen Aufarbeitung zu orientieren.

Doch die von Israel geforderte materielle Wiedergutmachung von etwa 1,5 Milliarden D-Mark sahen die Regierung Modrow wie auch die erste frei gewählte DDR-Regierung unter Lothar de Maizière als unrealistisch an. Man musste sich zunächst den enormen eigenen Wirtschaftsproblemen zuwenden.

wiedergutmachung Die aus den ersten freien DDR-Wahlen hervorgegangene Regierung Lothar de Maizières setzte allerdings die von Modrow eingeschlagene Linie fort und begann nach ihrem Amtsantritt am 14. April 1990 mit Wiedergutmachungsverhandlungen, die an dem Muster der Verhandlungen zwischen Israel und der Bundesrepublik ausgerichtet waren.

Mit der Währungsunion vom 1. Juli und der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 nahm dann das vereinte Deutschland, die Pflicht auf sich, sich den von der DDR nicht entschädigten Opfern zuzuwenden. Kurz vor ihrer Auflösung nahm die DDR-Fluggesellschaft Interflug auch den Flugverkehr nach Israel auf. Zudem spielte die Übergangsregierung in der DDR die Rolle des Initialzünders bei der Ausreise sowjetischer Juden. Die ersten 2650 von ihnen gelangten noch in den letzten Tagen der souveränen DDR nach Ost-Berlin.

Armin Laschet im Deutschlandfunk

»Jetzt kommt wieder Ihre Israelphobie«

Im Interview wies der CDU-Politiker mit harschen Worten DLF-Moderator Thielko Grieß zurecht, welcher zuvor Israel scharf kritisiert hatte

von Michael Thaidigsmann  10.04.2026

Washington

Warum jetzt? Melania Trumps rätselhafter Epstein-Auftritt

Melania Trump tritt kaum allein vor die Presse. Doch jetzt spricht sie über ein Thema, das ihr Ehemann so gern umschiffen wollte: den Epstein-Skandal

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 10.04.2026

Kiew

Selenskyj: Haben Drohnen über Golfstaaten zerstört

Vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs hat die Ukraine Drohnenexperten in die Region geschickt. Dort hat Kiew laut Präsident Selenskyj seine Erfahrung in der Abwehr iranischer Drohnen demonstriert

 10.04.2026

Video

Aufruf zur Solidarität nach Angriff auf Restaurant

Nach dem Anschlag auf das israelische Restaurant »Eclipse« ist ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Münchens vor Ort und appelliert an die Gesellschaft

von Jan Feldmann  10.04.2026

Halle

Fall Liebich: Tschechische Polizei will Auslieferungsantrag

In Deutschland und später auch europaweit war seit August 2025 nach der verurteilten Rechtsextremistin gesucht worden. Nun wurde sie in Tschechien gefasst. Wie es jetzt weitergehen soll

 10.04.2026

Weimer

Gericht untersagt Demo vor Buchenwald-Gedenkstätte

Die Initiative »Kufiyas in Buchenwald« darf nicht vor der Gedenkstätte protestieren. Was das Verwaltungsgericht Weimar zur Verknüpfung von Holocaustgedenken und aktuellen Konflikten sagt

 10.04.2026

Iran-Krieg

Hält die Waffenruhe?

In Pakistan wollen die USA und der Iran ab heute über eine dauerhafte Friedenslösung beraten. Doch vorab gibt es bereits Streit über wichtige Punkte

 10.04.2026 Aktualisiert