Rückblende

1973: Zuzug aus dem Osten

Die Synagoge in Offenbach Foto: dpa

Die offizielle Zahl der Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland blieb über Jahrzehnte relativ stabil und lag bei knapp 30.000. Diese Stabilität lag keineswegs an einer ausgeglichenen Geburten- und Sterberate. Die Gemeinden blieben durchwegs überaltert, ihre jüngeren Mitglieder verließen zu einem großen Teil Deutschland, um nach Israel und in andere Länder zu emigrieren.

Doch konnte dieser Wegzug immer wieder durch neue Einwanderungswellen ausgeglichen werden. Mitte der 50er-Jahre und nochmals 1968 kamen Juden aus Polen aufgrund der dortigen antijüdischen Stimmung, 1956 und 1968 spülten die Einmärsche der Sowjets in Ungarn beziehungsweise in der Tschechoslowakei auch jüdische Emigranten in den Westen. Iranische Juden ergriffen bereits in der Endphase des Schah-Regimes, vor allem aber danach die Flucht. Ein kleiner Zustrom von Israelis kam während der gesamten Nachkriegsjahrzehnte hinzu.

tauwetter Die bedeutendste Zuwanderung von Juden in den 70er-Jahren jedoch kam aus der Sowjetunion. Hier hatte jahrzehntelang strengstes Auswanderungsverbot gegolten. Im Zuge des internationalen »Tauwetters« jedoch öffnete die UdSSR ihre Tore für eine begrenzte Zahl ihrer jüdischen Bürger. Zunächst mussten sie über Österreich weiter nach Israel reisen. 1973 begann sich diese strikte Regelung zu ändern, und manche der ausgereisten jüdischen Sowjetbürger entschieden sich dafür, von Österreich aus in die Bundesrepublik Deutschland weiterzureisen.

Dies führte zum einen zu Spannungen zwischen der israelischen Regierung, die diese Auswanderung als exklusiv nach Israel gerichtet betrachtete, und der Bundesrepublik, die ihre Grenzen nicht gegenüber jüdischen Flüchtlingen verschließen wollte. Zum anderen kam es aber auch zu Spannungen innerhalb der jüdischen Gemeinden. Berlin erhielt nämlich das Gros der Zuwanderer und forderte, dass die anderen Gemeinden sich stärker an der Aufnahme beteiligen müssten. Ein weiterer Anziehungspunkt für die neuen Einwanderer war die Stadt Offenbach bei Frankfurt, deren jüdische Gemeinde in den 70er-Jahren erheblich anwuchs.

Nach etwa fünf Jahren war das politische Tauwetter bereits wieder zu Ende gegangen und diese erste Welle russisch-jüdischer Zuwanderung abgeklungen. Für sich allein genommen bedeutete sie, zumindest außerhalb von Berlin und Offenbach, nur eine kosmetische Veränderung in der deutsch-jüdischen Gemeinschaft. Doch aus heutiger Perspektive gewinnt sie eine zusätzliche Bedeutung. Vielerorts nämlich halfen die russisch-jüdischen Einwanderer der 70er-Jahre denjenigen, die zwei Jahrzehnte später in viel größerer Zahl aus den Nachfolgestaaten der UdSSR einwandern sollten.

Meinungsfreiheit

Wenn Juden plötzlich Nazis sein sollen

Ein Gericht erklärt die Gleichsetzung von Hakenkreuz und Davidstern für zulässig. Kritiker sind irritiert

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Mehr Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden - das wünschen sich Deutschlands Polizeirabbiner. Sie bilden Polizeianwärter hierzulande fort und vermitteln jüdische Kultur. Seit fünf Jahren gibt es sie

von Nina Schmedding  13.08.2026

Hamburg

Haftbefehl gegen AfD-Politiker wegen offener Böhmermann-Kosten

Maximilian Krah bezeichnete den Satiriker als »einen Widerling« und erklärte, er zahle deshalb »nur widerwillig«

 13.08.2026

Hamburg

Gericht erklärt Kritik an Claim für zulässig: Journalist darf NGO »unsaubere« Zahlen vorwerfen

Der Investigativjournalist Sascha Adamek darf der Organisation vorwerfen, bei der Erfassung antimuslimischer Vorfälle mit »unsauber« erhobenen Zahlen gearbeitet zu haben. Die Hintergründe

 13.08.2026

Meinung

AfD als Sicherheitsrisiko

Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, unsere Verfassung zu verteidigen und ein Überprüfungsverfahren anzustrengen. Verbieten kann nur unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat

von Roderich Kiesewetter  13.08.2026

Los Angeles

Nick Reiner wegen Mordes an seinen Eltern angeklagt

Das Motiv für die Ermordung des bekannten Hollywood-Regisseurs Rob Reiner und dessen Frau Michele bleibt unklar. Welche Strafe kommt bei einer Verurteilung infrage?

 13.08.2026

Washington D.C.

Medien: CIA zweifelte an iranischer Bedrohung für Trump

Trump wechselt auf dem Heimweg vom Nato-Gipfel versteckt in einem Catering-Container den Flieger. Der einem Politthriller gleichende Vorgang schlägt international Wellen. Nun gibt es neue Informationen

 13.08.2026

Nahost

Geplante Gebühr für Straße von Hormus: Iran verweist auf Umweltschäden

Für den Iran ein Muss, für die USA ein rotes Tuch: Das Mullah-Regime will für die Passage der Straße von Hormus künftig eine Gebühr erheben. Zur Begründung führt es auch Umweltschäden an

 13.08.2026

Rom

»Jagd auf Juden«: Jüdische Organisationen verurteilen Doppel-Angriff auf Tourist mit Kippa

Einer von mehreren mutmaßlichen Tätern ist gefasst. Jüdische Organisationen in Italien zeigen Solidarität mit dem Opfer

 13.08.2026