Rückblende

1947: Von der »Exodus« ins Lager

Erstürmung der »Exodus« durch britische Soldaten 1947 Foto: dpa

Rückblende

1947: Von der »Exodus« ins Lager

Unsere Serie über die Geschichte der Juden in Deutschland nach der Schoa: Folge 3

von Michael Brenner  23.10.2012 16:00 Uhr

Kein anderes Ereignis hat solch große Aufmerksamkeit auf die Not der jüdischen Überlebenden des Holocaust gelenkt wie die »Exodus-Affäre« im Herbst 1947. Als im Juli 1947 der aus dem Schiffsfriedhof in Baltimore geholte und notdürftig wieder seetüchtig gemachte ehemalige US-Truppentransporter »President Warfield« mit 4500 jüdischen Überlebenden an Bord von Südfrankreich aus Kurs auf Haifa nahm, war der Zusammenstoß mit der britischen Marine vorprogrammiert.

Die Briten hatten deutlich zu erkennen gegeben, dass sie keine jüdischen Einwanderer nach Palästina hinein lassen würden. Tausende, die dies vorher bereits versucht hatten, harrten auf der Mittelmeerinsel Zypern in Internierungslagern aus.

exempel Mit den Passagieren an Bord des von der Hagana in »Exodus 1947« umbenannten Schiffes wollte man freilich ein besonderes Exempel statuieren. Sie sollten, falls sie nicht in Südfrankreich von Bord gingen, ausgerechnet in jenes Land gebracht werden, von dem aus ihre Ermordung geplant worden war. Als das Schiff vor der Küste von Haifa nach heftigen Gefechten, die zum Tod von zwei jüdischen Passagieren und einem amerikanischen Schiffsoffizier führten, endgültig seeuntüchtig gemacht wurde, luden die Briten die Flüchtlinge in drei Gefangenenschiffe um, die nach einem Zwischenhalt in Marseille am 8. September 1947 in Hamburg anlegten.

Die meisten Passagiere mussten gewaltsam von Bord geholt werden. Sie wurden in Zügen mit vergitterten Fenstern zunächst in zwei DP-Lager in der Nähe von Lübeck gebracht. Dort lebten sie hinter Stacheldraht und verweigerten die zu ihrer Registrierung notwendigen Angaben, um gegen die Rückführung nach Deutschland zu protestieren.

Hungerstreik Etwa 4000 jüdische DPs aus dem Lager Hohne-Belsen organisierten eine Protestdemonstration gegen die britische Palästinapolitik. Ein Teil von ihnen trat in einen Hungerstreik. Die ehemaligen »Exodus«-Passagiere wurden wenig später in andere Lager nach Emden und Wilhelmshaven verlegt.

Die Aufmerksamkeit, die die Exodus-Affäre auf sich zog, trug gewiss ihren Teil zur Etablierung des Staates Israel bei. Nur eine Woche, nachdem die Passagiere in Hamburg an Bord gegangen waren, gab die britische Regierung bekannt, sie werde das Mandat über Palästina zurückgeben. Und so mancher Vertreter der UNO-Delegationen, die im November 1947 über die Zukunft Palästinas abstimmten, mag die Bilder im Kopf gehabt haben, die wenige Monate vorher um die Welt gegangen waren. Ein Teil der »Exodus«-Passagiere kehrte an den Hafen Haifas zurück, um nun freie Einfahrt in den Staat Israel zu erhalten.

Studie

AfD nutzt Anfragen zur Stimmungsmache

Kleine Anfragen sind ein Mittel, mit dem besonders Oppositionsparteien Regierungshandeln hinterfragen können. Eine Untersuchung zeigt, dass die AfD dabei eher auf Skandalisierung setzt

 17.08.2026

New York

UN ehrte offenbar getöteten Hamas-Kommandeur

Die Monitoringorganisation »UN Watch« übt heftige Kritik am UN-Generalsekretär António Guterres und an der Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock

 17.08.2026

New York

Mann schlägt 63-jährige Synagogenbesucherin

Ein 46-jähriger drang am Freitag während des Schabbat-Gottesdienstes in eine Manhattaner Synagoge ein und randalierte dort

 17.08.2026

Nahost

US-Rahmenabkommen mit Iran läuft aus: Was hat es gebracht?

Die Vereinbarung mit dem Iran sollte den Krieg zu einem Ende bringen. Das Mitte Juni auf 60 Tage angelegte Abkommen hielt jedoch nicht lange. Hat US-Präsident Trump damit überhaupt etwas erreicht?

von Jürgen Bätz  17.08.2026

Extremismus

Wagenknecht an Höcke: »Warum reden wir nicht mal?«

Seit Tagen liefern sich die BSW-Gründerin und der thüringische AfD-Chef ein Fernduell mit Vorschlägen und Provokationen. Jetzt legt Sahra Wagenknecht nach

 17.08.2026

Terror

Iran bereitet sich auf Ausweitung des Krieges vor

Das Mullah-Regime soll während der 60-tägigen Frist eines mit Washington vereinbarten Memorandums für den Fall eines erneuten militärischen Konflikts vorgesorgt haben

 17.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Kairo

Jared Kushner führt Gespräche über Gaza in Ägypten

Der Schwiegersohn von US-Präsident Trump will in Ägypten Fortschritte im seit langem festgefahrenen Friedensplan für den Gazastreifen erzielen

 16.08.2026

Sanaa

Regierungstruppen im Jemen melden 181 Angriffe in 24 Stunden

Mit Drohnen und Raketen attackieren Regierungskräfte Militärstützpunkte und Waffendepots der Huthi-Terrormiliz. Wie weit eskaliert die Lage noch?

 16.08.2026