Bayern

14-Jähriger im Allgäu getötet - Details zu Verdächtigem werden bekannt

Foto: imago images / Alexander Pohl

Der in Memmingen im Allgäu vermisste 14-Jährige ist mutmaßlich Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Nach dem Fund der Leiche des Jugendlichen sei der zunächst geflohene Tatverdächtige nach Polizeischüssen gestorben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Zuvor hatte die »Bild«-Zeitung berichtet.

Die Obduktion der Leiche des Jugendlichen habe eine Gewalteinwirkung bestätigt, teilten die Ermittler mit. Zu den Hintergründen der mutmaßlichen Gewalttat machten Polizei und Staatsanwaltschaft unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst keine weiteren Angaben.

Bei dem getöteten Verdächtigen handelt es sich um einen abgelehnten Asylbewerber, der aufgrund ungeklärter Identität geduldet war. Das teilte ein Sprecher der Regierung von Schwaben am Abend auf Anfrage mit. 

Der Mann wurde nach ersten Ermittlungen im Westjordanland geboren, seine Nationalität sei noch unklar, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Memmingen erläuterte. Der 37-Jährige war laut Staatsanwaltschaft in Deutschland zweimal rechtskräftig zu Geldstrafen verurteilt worden – in diesem Jahr wegen unerlaubten Aufenthalts ohne Pass und im Jahr 2021 wegen Sachbeschädigung. 

Die Polizei hatte den seit Samstagnacht vermissten 14-Jährigen tot in einem leerstehenden Gebäude in der Nähe des Bahnhofs entdeckt. Der Tatverdächtige ist den Angaben nach der 37-Jährige, der sich am Ort des Leichenfunds in einem Schrank versteckte.

Als die Beamten auf den Mann stießen, habe er sie mit einem Messer angegriffen und sei geflüchtet, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Am Abend erhielt die Polizei einen Hinweis, dass sich der Verdächtige möglicherweise in der Nähe des Hallenbades aufhält. Dort trafen zivil gekleidete Beamte den Mann auf der Treppe vor dem Bad sitzend an.

Der 37-Jährige versuchte demnach beim Anblick der Personen erneut zu fliehen. Während der Verfolgung hätten sich die Polizisten als solche zu erkennen gegeben, woraufhin der Verdächtige sich abrupt umgedreht habe und mit einem Messer auf die Beamten zugegangen sei. Die Polizisten hätten den Mann lautstark aufgerufen, das Messer wegzulegen, woraufhin dieser den Beamten aber weiter entgegengegangen sei.

Angesichts des kurzen Abstandes und der damit verbundenen Gefahr hätten die Polizisten auf den Mann geschossen. Er sei mehrfach getroffen worden. Trotzdem habe der Verdächtige das Messer nicht losgelassen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Erst ein Polizist mit Schutzschild habe den Mann entwaffnen können. Danach sei der 37-Jährige medizinisch behandelt worden und später in einem Krankenhaus gestorben. Polizisten und Zeugen seien nicht verletzt worden.

Das bayerische Landeskriminalamt ermittelt nach eigenen Angaben mit der Staatsanwaltschaft, ob der Schusswaffeneinsatz rechtmäßig war. Die Leiche des Tatverdächtigen soll obduziert werden. 

Der Oberbürgermeister der Stadt, Jan Rothenbacher, reagierte bestürzt auf die Ereignisse. »Es ist unfassbar, was in den vergangenen Tagen passiert ist«, sagte der SPD-Politiker. »Meine Gedanken sind bei der Familie des Jugendlichen, und ich wünsche viel Kraft in dieser schweren Zeit. Wir sind mit der Familie in Kontakt.« 

Betroffenheit und Anteilnahme in Memmingen seien sehr groß. Eltern und Familien, die verunsichert sind, Fragen haben oder einen Gesprächspartner brauchen, könnten sich an die Erziehungsberatungsstelle der Stadt wenden. Diese stehe »kurzfristig zur Verfügung«. dpa

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