Im Logbuch der Angriffe auf jüdische Einrichtungen verdichtet sich die Frequenz seit dem 2. März. Es ist die erwartbare Folge der aktuellen Angriffsrunde im Nahen und Mittleren Osten. Für das iranische Regime gehören Anschläge auf jüdische Einrichtungen weltweit seit jeher zur erweiterten Kriegsführung. Aber von »weichen Zielen« kann längst keine Rede mehr sein – jüdische Einrichtungen haben sich angepasst. In vielen Fällen, ob in Michigan, Amsterdam, Lüttich oder Toronto, haben die Sicherheitsvorkehrungen Schlimmeres verhindert.
Das Wissen, dass es jeden von uns überall treffen kann, ist unser stiller Begleiter. Das Absurde ist: Dieser Zustand ist für uns zur Norm geworden. Nicht nur die Gewalt selbst, sondern vor allem das permanente Gewaltpotenzial macht Sicherheitsvorkehrungen notwendig. Ich würde es mir gern anders vorstellen, aber solange ich mich erinnern kann, gab es keine andere Realität.
Wir existieren. Und wir werden uns nicht zu »weichen Zielen« machen lassen.
Diese Realität hieß seit dem jüdischen Kindergarten: Anti-Terror-Übungen. Wir sind immer in Alarmbereitschaft. Denn wenn wir es nicht sind, dann sind wir »weiche Ziele«.
Synagogen sind keine abstrakten Orte. Es sind Lebensräume, die angegriffen werden: Menschen kommen dorthin, um Unterstützung zu erhalten, Schach zu spielen, zu tanzen, Kinder in die Betreuung zu bringen. Wir kennen unsere Schulen, Kindergärten und Gemeinschaftsorte nicht ohne Sicherheitsvorkehrungen und sind von den Einschätzungen der Behörden abhängig.
Wer meint, diese Angriffe – wie in Michigan, wo ein mit Sprengsätzen vollgeladenes Auto in die Eingangstür einer jüdischen Vorschule gerammt wurde – seien auch nur in irgendeiner Form gerechtfertigt, folgt genau der antisemitischen Logik eines jahrhundertealten Auslöschungswunschs: Die bloße Existenz der Juden ist der Grund, warum es keinen Frieden auf der Welt gibt.
Wir existieren. Und wir werden uns nicht zu »weichen Zielen« machen lassen. Doch wir stellen uns die Frage: Wie lange müssen wir noch so leben?
Die Autorin ist Publizistin und Abteilungsleiterin bei der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST).