In der Diskussion um den bisherigen Erfolg oder Misserfolg der israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran geht viel durcheinander. Es hilft, sich noch einmal die Kriegsziele vor Augen zu führen: erstens sicherzustellen, dass das iranische Regime nicht in der Lage ist, eine Atombombe zu bauen. Zweitens die Bedrohung Israels durch iranische Raketen zu beseitigen. Drittens den Mullahs die Fähigkeit zu nehmen, weiter ihr Proxy-Netzwerk in der Region zu unterhalten, und viertens die Bedingungen dafür zu schaffen, dass die iranische Bevölkerung das Regime stürzen kann.
Letzteres Ziel ist wohl eher Wunschdenken, und dessen Erreichung steht in den Sternen. Was die anderen drei Ziele angeht, lässt sich aber bereits jetzt schon eine vorsichtige Bilanz ziehen, auch wenn jede Einschätzung unter dem Vorbehalt stehen muss, dass der Krieg noch nicht beendet ist. Nach allem, was wir wissen, greifen Israelis und Amerikaner nicht nur die Abschussrampen der Raketen an, sondern auch die Industrie für deren Herstellung.
Das iranische Regime hat seine Beziehungen zu den Golfstaaten in kürzester Zeit ruiniert.
Dasselbe darf auch für die Anlagen angenommen werden, die für den Bau einer Atombombe nötig sind. Die Ziele eins und zwei dürften realistischerweise erreicht werden.
Auch beim dritten Ziel zeichnet sich ein Erfolg ab: Die Hisbollah ist nur sehr zögerlich in den Krieg eingetreten, weil sie so schwach ist wie nie zuvor und selbst unter den Schiiten im Libanon an Unterstützung verliert. Die Hamas hat unter dem Druck Katars und der Türkei sogar die iranischen Angriffe auf die arabischen Länder verurteilt. Die Huthi im Jemen haben ihre eigenen Interessen und halten sich derzeit aus dem Krieg heraus. Gleichzeitig hat das iranische Regime seine Beziehungen zu den Golfstaaten, die es über Jahre mühsam verbessert hatte, in kürzester Zeit ruiniert.
Der Iran setzt auf einen langen Krieg und ökonomischen Druck. Ob diese Rechnung aufgehen wird, lässt sich heute noch nicht sagen. So viel scheint jedoch sicher: Das Regime wird deutlich schwächer aus diesem Konflikt herauskommen, als es hineingegangen ist.
Die Autorin ist Expertin für den Iran und Senior Researcher am Institute for National Security Studies (INSS).