Ahmad Mansour

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Psychologe und Autor Ahmad Mansour Foto: Gregor Matthias Zielke

Ahmad Mansour

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026 15:27 Uhr

Die Reaktionen waren ebenso erwartbar wie bezeichnend: Als der Zentralrat der Juden in Deutschland vergangene Woche bekannt gab, dass der Kabarettist mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet wird, folgte aus einem Teil der politischen Linken empörte Wortmeldungen. Wie könne man nur jemanden ehren, der den Rechtsextremismus und Antisemitismus Vorschub leiste, hieß es reflexartig.

Es sind absurde Vorwürfe. Und Vorwürfe, die gegen fast jeden erhoben werden, der sich nicht nur gegen Judenhass von rechts, links und der bürgerlichen Mitte ausspricht, sondern auch muslimischen Antisemitismus klar benennt und es obendrein auch noch wagt, auch positiv über Israel zu sprechen.

Ich jedenfalls freue mich sehr, die Laudatio auf Dieter Nuhr am 10. Juni in Berlin halten zu dürfen – und ich tue das aus voller Überzeugung. Gerade weil Nuhr Teil der deutschen Medien- und Kulturlandschaft ist, hat seine Haltung ein besonderes Gewicht.

In einer Zeit, in der viele Kulturschaffende aus Angst vor Empörung, digitalem Druck oder sozialer Ausgrenzung lieber schweigen oder sich anpassen, hat er sich immer wieder klar gegen Antisemitismus und gegen antisemitische Doppelstandards positioniert – auch dann, wenn ihm dafür massive Anfeindungen entgegenschlugen.

Sich heute so klar gegen linken und muslimischen Antisemitismus zu positionieren, den Nahostkonflikt offen auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen anzusprechen und der Hamas die Verantwortung für diesen Krieg zu geben, klingt eigentlich banal und selbstverständlich. Doch genau das war es in den vergangenen Monaten oft nicht. Dieter Nuhr hat diese Haltung in einer Zeit artikuliert, in der sich viele Medien und Teile des Kulturbetriebs in Narrativen verloren haben, die Ursache und Reaktion zunehmend verwischt haben.

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Genau darin liegt für mich die Bedeutung dieser Auszeichnung: Dieter Nuhr zeigt, dass Haltung nicht bedeutet, jedem Zeitgeist hinterherzulaufen, sondern bereit zu sein, Widerspruch, Empörung und persönliche Angriffe auszuhalten.

Dass der Zentralrat der Juden gerade ihn mit dem Leo-Baeck-Preis ehrt, ist deshalb ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus – an Medien, Kultur und Öffentlichkeit. Es ist die Anerkennung für jemanden, der seine Reichweite genutzt hat, um sich sichtbar und unmissverständlich an die Seite jüdischen Lebens in Deutschland zu stellen.

Der Autor ist deutsch-israelischer Psychologe und lebt in Berlin.

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