Einspruch!

Verlorenes Vertrauen

Joshua Schultheis Foto: Charlotte Bolwin

Einspruch!

Verlorenes Vertrauen

Joshua Schultheis ist davon überzeugt, dass der CDU-Vorsitzende Merz an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat

von Joshua Schultheis  27.07.2023 14:13 Uhr

Wir kennen es eigentlich von AfD-Politikern: öffentlich mit einem Tabu brechen, nur um dann bei zu starkem Gegenwind wieder zurückzurudern. Doch nun hat sich Friedrich Merz offenbar ebenfalls eines solchen Manövers bedient. Im ZDF-Sommerinterview nahm der Vorsitzende der CDU eine kleine, aber entscheidende Korrektur an der Brandmauer zu den Rechtspopulisten vor, die eigentlich bedingungslos gelten sollte.

Auf eine mögliche Zusammenarbeit mit der AfD in ostdeutschen Kommunen angesprochen, sagte Merz: »Natürlich muss in den Kommunalparlamenten dann auch nach Wegen gesucht werden, wie man gemeinsam die Stadt, das Land, den Landkreis gestaltet.« Das Verbot zur Zusammenarbeit mit den Blauen beziehe sich nur auf »gesetzgebende Körperschaften«.

kooperation Als Merz am nächsten Morgen auf Twitter beteuerte, auch auf kommunaler Ebene sei eine Kooperation beider Parteien ausgeschlossen, und behauptete, es »nie anders gesagt« zu haben, war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla frohlockte und sah schon »erste Steine aus der schwarz-grünen Brandmauer« fallen. Zahlreiche Unionsgrößen sahen sich gezwungen, genau diesem Gedanken eine Absage zu erteilen und ihrem Vorsitzenden zu widersprechen.

Auch die jüdische Gemeinschaft, insbesondere in Ostdeutschland, vertraute bisher darauf, dass die Brandmauer nach rechts steht.

Der ehemalige saarländische Ministerpräsident Tobias Hans ging im »Stern« sogar so weit, die Eignung von Merz für das Bundeskanzleramt infrage zu stellen. Immer offener werden in der CDU Zweifel daran ausgesprochen, dass Merz der Richtige an ihrer Spitze ist. Es rumort bei den Christdemokraten.

Merz hat mit seinen widersprüchlichen Aussagen zur AfD jedoch nicht nur viele CDU-Mitglieder vor den Kopf gestoßen. Auch die jüdische Gemeinschaft, insbesondere in Ostdeutschland, vertraute bisher darauf, dass die Brandmauer nach rechts steht. »Vertrauen verliert man schnell, aber gewinnt man nur langsam wieder zurück«, auch das sagte Merz im Sommerinterview. Ob ihm das gelingen kann, ist fraglich.

schultheis@juedische-allgemeine.de

Meinung

Warum ich mich für meine Teilnahme am »Dschungelcamp« niemals schämen würde

Die »Lindenstraßen«-Darstellerin Rebecca Siemoneit-Barum war 2015 bei der berühmt-berüchtigten RTL-Sendung in Australien dabei. Hier erzählt sie, was die Zeit im Dschungel bis heute für sie bedeutet

von Rebecca Siemoneit-Barum  06.02.2026

Kommentar

Strafanzeige als PR-Gag?

Laut und verwegen ist der Genozid-Vorwurf einer Schweizer Gruppierung gegen den Schweizer Bundesrat Ignazio Cassis. Mit einer Rechtsdebatte hat es aber nichts zu tun

von Nicole Dreyfus  06.02.2026

Kommentar

Antisemitismus im »Safe Place«: Die Kunstakademie Düsseldorf macht’s möglich

Eine Kunstakademie sollte Räume für kritisches Denken öffnen - aber nicht für Ideologien, die Menschenfeindlichkeit salonfähig machen

von Nicole Dreyfus  02.02.2026

Meinung

Antisemitismus auf Sendung

RTL zeigte ein Video zu einem »Betrüger-Gen« von Gil Ofarim – ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag. Nun wird das Video offline genommen. Doch das ist nur das Minimum an Konsequenzen

von Ayala Goldmann  03.02.2026 Aktualisiert

Meinung

Teilzeit ist kein »Lifestyle«

Der Wirtschaftsflügel der CDU und Bundeskanzler Merz wollen, dass die Deutschen mehr arbeiten. Sie missachten damit die vielfältigen Lebenswirklichkeiten der Menschen

von Günter Jek  02.02.2026

Meinung

Warum der Begriff »Davidstern-Skandal« unpassend ist

Die Formulierung beschreibt den Vorfall nicht nur falsch, sie deutet ihn auch als ein jüdisches Vergehen

von Martin Krauß  30.01.2026

Meinung

Warum es auch schwerfällt, die gelbe Schleife abzulegen

Zwei Jahre und drei Monate lang haben Menschen auf aller Welt mit der gelben Schleife ihre Solidarität mit den am 7. Oktober 2023 nach Gaza verschleppten Geiseln gezeigt. Nun können wir sie endlich ablegen

von Sophie Albers Ben Chamo  29.01.2026

Meinung

Die Täter müssen sich schämen

Ein Missbrauchsskandal erschüttert derzeit die jüdische Gemeinschaft Deutschlands. Wer solche Taten besser verhindern will, muss Betroffene in die Lage versetzen, angstfrei über ihre schrecklichen Erfahrungen sprechen zu können

von Daniela Fabian  29.01.2026

Meinung

Wenn Entwicklungspolitik Hamas-Propaganda übernimmt

Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) tätigt faktisch falsche Aussagen und übernimmt zentrale Narrative der palästinensischen Terrororganisation. Und dies ist nur die Spitze des Eisberges

von Sacha Stawski  29.01.2026