Carsten Ovens

Schleppende Impfung: Israels Verantwortung?

Carsten Ovens Foto: Tobias Koch

Carsten Ovens

Schleppende Impfung: Israels Verantwortung?

Laut Osloer Verträgen sind die palästinensischen Behörden für die Gesundheitsversorgung im Westjordanland und in Gaza zuständig

von Carsten Ovens  21.05.2021 08:53 Uhr

Der Gegensatz könnte nicht größer sein: Israel weist weltweit die höchste Impfquote auf, die Palästinenser hingegen stehen noch ganz am Anfang. Schnell wurde daraufhin mit dem Finger auf Israel gezeigt. Der israelischen Regierung wird vorgeworfen, die Palästinenser nicht mit Impfstoff zu versorgen und somit gegen ihre rechtlichen und moralischen Pflichten zu verstoßen.

Eine ZDF-Reportage gar suggerierte, dass Israel für das Leid der Palästinenser verantwortlich sei. Israel wird in der medialen Berichterstattung vorschnell und mit einseitig präsentierten Informationen kritisiert – wieder einmal.

pandemie Denn zuallererst sind laut den Osloer Verträgen die palästinensischen Behörden selbst für die Gesundheitsversorgung im Westjordanland und in Gaza verantwortlich. Sie machten nach Ausbruch der Pandemie mehr als deutlich, dass sie die Versorgung ihrer Bevölkerung mit Impfstoff eigenständig übernehmen wollen. Wiederholt wurde betont, dass sie ihre »eigene Regierung und (ihr eigenes) Gesundheitsministerium« haben. Entsprechende Hilfsgüter wurden sogar abgelehnt – wohl aus politischem Kalkül.

Besonders die in Gaza regierende Hamas verweigerte israelische Unterstützungsangebote. In den vergangenen Tagen wurde mehr als deutlich, wo die Prioritäten der Terrororganisation bei der Verwendung von internationalen Hilfsgeldern – auch aus der EU und Deutschland – liegen. Beim Impfen jedenfalls nicht.

Israel wird in der medialen Berichterstattung vorschnell und mit einseitig präsentierten Informationen kritisiert – wieder einmal.

Unbeachtet bleibt zudem, dass Israel bereits Hunderttausende in Ost-Jerusalem lebende Palästinenser geimpft hat und zuletzt eine Immunisierungskampagne für palästinensische Arbeiter aus dem Westjordanland startete, die regelmäßig nach Israel pendeln, um dort einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Israel kann nicht für die Entscheidungen der palästinensischen Führung im Westjordanland oder gar der Hamas im Gazastreifen verantwortlich gemacht werden.

KALKÜL Politisches Kalkül, falscher Stolz und ein über Jahrzehnte aufgebautes und gepflegtes Feindbild verhindern eine stärkere Kooperation zur Bekämpfung der Pandemie. Einseitige Berichterstattung ist dabei weder guter Journalismus noch hilfreich, um Gerüchten und Fake News entgegenzuwirken.

Leider passiert dies auch in deutschen Medien immer wieder, wenn es um Israel geht. Dies wird weder der Komplexität der dortigen Situation gerecht, noch trägt es langfristig zur Konfliktlösung bei.

Der Autor ist Executive Director von ELNET Deutschland.

Kommentar

Wo ist mein Berlin, in dem es keinen Hass auf Juden mehr geben sollte?

Unsere Gastautorin Dorothea Schupelius warnt vor der unheiligen Allianz der Linkspartei mit radikalen Muslimen - und vermisst das Berlin, in dem sie aufgewachsen ist

von Dorothea Schupelius  20.09.2026

Es braucht eine Brandmauer gegen die Linkspartei

Wenn Rassismus von rechts für Regierungsverantwortung disqualifiziert – warum sollte Antisemitismus von links weniger schwer wiegen?

von Nelly Eliasberg  20.09.2026 Aktualisiert

Kommentar

Michael Lüders, Groß-Palästina und seine Vorliebe für Wassermelonen

Wie BSW-Spitzenkandidat Michael Lüders sich als verrückter Rand einer Wahldebatte präsentierte

von André Anchuelo  19.09.2026 Aktualisiert

Kommentar

Hohe Feiertage, wichtige Wahl

Die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern wählen am 20. September ihr Parlament. Wird der besorgniserregende Trend, der in Sachsen-Anhalt zu beobachten war, fortgesetzt und verfestigt?

von Juri Rosov  19.09.2026

Offener Brief

Javier Bardem und ich

Ich habe dich als neugierig, warmherzig, offen für den Menschen vor dir kennengelernt. Wenn du über Israel sprichst, erkenne ich dich nicht wieder – und sehe nur noch blindwütigen Hass

von Gabriella Meros  13.09.2026

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  13.09.2026 Aktualisiert

Meinung

Droht in Sachsen-Anhalt eine Allianz der Antisemiten?

In Sachsen-Anhalt könnte es zu einer Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW, die potenziell gravierende Folgen hat für die jüdische Gemeinschaft

von Igor Matviyets  11.09.2026

Meinung

Wahlkampf in Israel: Schluss mit der Schlammschlacht!

Niemand erwartet, dass Politiker einander mit Samthandschuhen anfassen. Aber eine Wahl in einer Demokratie ist keine Realityshow voller Gekreische

von Sabine Brandes  10.09.2026

Meinung

Gesundheitswesen: Was Deutschland von Israel lernen könnte

Israels Erfolg bei der Digitalisierung des Gesundheitssektors ist kein Hightech-Geheimnis, sondern das Ergebnis klarer politischer Führung

von Jacques Abramowicz  10.09.2026