Meinung

Oliver Pochers geschmacklose Witze über Gil Ofarim

Oliver Pocher Foto: picture alliance / AAPimages/Lueders

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Oliver Pochers geschmacklose Witze über Gil Ofarim

Der Comedian verkleidet sich auf Instagram als Ofarim und reißt Witzchen über die Schoa. Während echte Komiker Humor stets als ein Mittel nutzen, um sich mit den Schrecken und Abgründen dieses Verbrechens auseinanderzusetzen, tritt Pocher nur nach unten

von Ralf Balke  11.02.2026 17:10 Uhr

»Kleine miese Type« lautet der Titel eines Songs der Antilopen Gang aus dem Jahr 2020, der dem Comedian Oliver Pocher gewidmet ist. Die Düsseldorfer Hip-Hop-Combo griff damit genau die Worte auf, mit denen TV-Moderator Harald Schmidt in der gemeinsamen Late-Night-Show seinen damaligen Kompagnon 2008 konfrontierte. Pocher hatte sich auf peinliche Weise über einen Auftritt der norwegischen Musikerin Maria Mena lustig gemacht, die kein Wort Deutsch verstand und sich nicht wehren konnte, war aber selbst kurz zuvor verbal ins Schwimmen geraten, als die Rapperin Lady Bitch Ray ihm eine Dose überreichte, die angeblich ihr Vaginalsekret enthielt.

 »Oli Pocher tritt nach unten. Immer feste drauf, auf die, die gegen ihn nicht punkten«, heißt es weiter in dem Lied. Die Antilopen Gang beschreibt damit haargenau den Kern seines künstlerischen Schaffens: einfach sich an denen austoben, die ihm intellektuell nicht gewachsen sind. Das reduziert den Kreis der Personen, denen seine »Späße« gelten zwar gewaltig, aber so funktioniert nun mal sein Geschäftsmodell.

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Erneut durfte man das jetzt auf Instagram erleben. Mit Fuselperücke und Halskette samt fetten Davidstern gab er jetzt in einem Reel den Gil Ofarim, der angeblich noch so viel zum Dschungelcamp zu sagen hätte, aber eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben musste. »Und deswegen«, so Pocher weiter und verweist auf den Davidstern. Jetzt freue er sich aber erst einmal auf das Hotel und versuche dort einzuchecken. »Je nachdem wie die Mitarbeiter drauf sind.«

Auch hätte es im Dschungelcamp so manches gegeben, was ihn getriggert habe. »Ich muss gelbe Sterne in ‘nem Lager suchen, für’s Team, damit ich was zu essen bekomme. Dann duschen – das alles bei meiner Vergangenheit«, heißt es dann, wobei Pocher beim Wort Vergangenheit noch mal nach dem Davidstern greift und schließlich fragt. »Ernsthaft RTL, ist das eure Art von Humor?« Die Frage ließe sich durchaus mit »Ja« beantworten, denn Pochers Kollege Stefan Raab agierte kürzlich in seiner Dschungelcamp-Nachlese auf dem Sender nicht viel anders.

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Davidstern, Duschen und Vergangenheit – diese drei Referenzen an die Schoa werden einfach so von Pocher rausgehauen, weil er glaubt, dass sein Publikum diese Art von Humor goutiert. Das mag für viele seiner Zuschauer gewiss auch zutreffen, die sich dann vor Lachen auf die Schenkel klopfen und vielleicht sogar enttäuscht sind, dass Pocher als Kostümjude nicht auch noch »Zyklon-B« und »Blähungen« mitgenannt hat. Gleichzeitig sagt all das aber viel über den vermeintlichen Comedian aus, der glaubt, dass das bloße Auflisten von drei oder vier Begriffen, die historisch in einem problematischen Zusammenhang stehen, bereits Humor sei.

Deshalb noch einmal die Antilopen Gang, die Pochers Humorverständnis auf den Punkt bringt. »Oli Pocher ist nicht clever, Oli Pocher ist nicht komisch, Oli Pocher ist nicht doppelbödig, er ist nicht ironisch, Oli Pocher ist nicht überraschend und auch nicht sympathisch, dass dieser Typ als lustig gilt, ist nur noch tragisch.« Und es zeigt das Gefälle zu Künstlern wie Sarah Silverman, Joan Rivers oder Lous C. K., die sich immer wieder als Comedians mit der Schoa beschäftigten, auch kontrovers und provokant. Doch sie verstehen Humor stets als ein Mittel, sich mit den Schrecken und Abgründen dieses Verbrechens auseinanderzusetzen, was oftmals Diskussionen über die Grenzen von Kunst und Satire führte. Im Vergleich dazu ist und bleibt Pocher aufgrund der Schlichtheit seines Geschäftsmodells und seiner selbst einfach nur »eine kleine miese Type«.

Der Autor ist Historiker und lebt in Berlin.

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