Tobias Kühn

Kunstszene: Blindheit ist heilbar

Tobias Kühn Foto: Marco Limberg

Tobias Kühn

Kunstszene: Blindheit ist heilbar

Der Kunstbetrieb sieht das Leid der Menschen in Gaza. Aber er sieht nicht das Leid der israelischen Geiseln, die in den Tunneln der Hamas festgehalten, vergewaltigt und gequält werden

von Tobias Kühn  06.03.2024 17:33 Uhr

Vor anderthalb Jahren hat die »documenta« Juden als Schweine und mit SS-Runen gezeigt, kürzlich bei der Berlinale war von einem »Genozid Israels an den Palästinensern« die Rede, und seit Tagen fordern Tausende Künstler, Israel von der Biennale in Venedig auszuschließen. Was ist nur los mit dem Kunstbetrieb?

Vorbei die Zeit, als der Künstler die Dinge quasi von oben sah, ja vielleicht ein bisschen scharfsichtiger, weiser war als die meisten Menschen oder gar eine moralische Instanz. Die heutige Kunstszene hingegen ist krank. Sie leidet an Hemianopsie, so der medizinische Fachbegriff. Auf Deutsch: Halbseitenblindheit – ein »durch die senkrechte Mittellinie begrenzter, halbseitiger Gesichtsfeldausfall«, schreibt die Fachliteratur.

Der Kunstbetrieb sieht das Leid der Palästinenser in Gaza, die unter den israelischen Bomben leiden. Aber er sieht nicht das Leid der Israelis, die sich vor den Raketen der Hamas verstecken.

Der Kunstbetrieb sieht (zu Recht!) das Leid der Menschen in Gaza, die ohne Obdach sind und manchmal tagelang nichts zu essen haben. Aber er sieht nicht das Leid der israelischen Geiseln, die in den Tunneln der Hamas festgehalten, vergewaltigt, gequält werden. Er sieht das Leid der Palästinenser in Gaza, die unter den israelischen Bomben leiden. Aber er sieht nicht das Leid der Israelis, die sich vor den Raketen der Hamas verstecken. Und er sieht schon gar nicht, wie die Menschen in Gaza unter der Hamas leiden.

Das alles liegt außerhalb des Sichtfelds der Kunstszene.
Doch Hemianopsie ist heilbar. Erfahrene Ärzte empfehlen ein sogenanntes Kompensationstraining. Dabei stehen vor allem Übungen im Fokus der Therapie: Es geht um »gezielte Augenbewegungen und Suchstrategien«.

Durch ein richtig angewandtes Kompensationstraining könnten die Beeinträchtigungen relativ schnell gemindert werden, schreiben Ratgeber. Man kann die blinden Flecken durch intensives Hinschauen wegtrainieren. Voraussetzung ist jedoch: Der Patient muss es wollen.

kuehn@juedische-allgemeine.de

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Meinung

Warum Hessens Vorstoß mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist

Die Landesregierung will die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen. Mit einer veränderten Begründung und anderen leichten Modifikationen wäre der umstrittene Entwurf grundgesetzkonform

von Fiete Kalscheuer  01.07.2026

Künstliche Intelligenz

Ich schreibe, also bin ich

Noch nie war es so einfach, Gedanken mit KI in Worte zu fassen. Doch was bedeutet das für unser Denken, unseren Journalismus und eine der grundlegendsten menschlichen Fähigkeiten?

von Nicole Dreyfus  01.07.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Kommentar

Für Islamisten existiert kein Kindeswohl

In glühender Hitze wurden Kinder von Islamisten gefesselt durch Berlin geführt. Dass so etwas mitten in der Hauptstadt geschehen kann, ist die Folge einer fehlgeleiteten Migrationspolitik

 30.06.2026

Kommentar

250 Gründe, die USA zu lieben

Am 4. Juli 1776 wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Eine etwas andere Liebeserklärung

von Imanuel Marcus  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  28.06.2026 Aktualisiert