Die Berichte über die Ausschaltung des »Obersten Führers« der Islamischen Republik, Ali Chamenei, und zahlreicher weiterer Regimegrößen haben nicht nur in der iranischen Diaspora große Freude, ja Jubel ausgelöst. Auch im Iran selbst feierten viele Menschen – trotz der Gefahren, die das für sie bedeutete. Es war eine Reaktion, die die westlichen Medien in ihrer grenzenlosen »Expertise« über den Nahen und Mittleren Osten niemals kommen sahen. Während Experten noch vor »Instabilität« warnten, waren die Menschen in den Straßen von Teheran und Isfahan erleichtert über das mögliche Ende einer Phase der Angst, die erst im Januar 2026 ihren blutigen Höhepunkt erreicht hatte.
Doch in den Elfenbeintürmen von London, Berlin und New York findet eine ganz andere Aufführung statt. Sie wirkt wie eine Trauerfeier für ein Regime, das von einigen Linken seit Jahrzehnten verharmlost, ja verhätschelt wird. Nicht, weil es sich um ein progressives Regime handeln würde, das käme auch Linken nicht in den Sinn. Sondern weil hier das Prinzip vieler Linker zu greifen scheint, dass der Feind Amerikas und Israels irgendwie der eigene Freund oder Verbündete ist.
<strong>Die tiefe Kluft: Jubel vs. kalkulierte Trauer</strong>
Während die Iraner auf die Straße gehen, um die mögliche Enthauptung des Regimes zu feiern, gibt es in westlichen Städten überwiegend Demonstrationen gegen die israelisch-amerikanischen Militärschläge, die diese Enthauptung ermöglicht haben.
Man fragt sich: Wie schafft es eine »Grassroot«-Bewegung quasi über Nacht, tausende professionell gedruckte Plakate in mehreren Sprachen zu produzieren? Die Antwort ist recht einfach: Es gibt eine hochentwickelte, gut finanzierte gemeinsame Infrastruktur zwischen Frontorganisationen der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) und sogenannten »antiimperialistischen« NGOs.
Der »spontante« Ausbruch des Protests wirkt umso merkwürdiger, wenn man ihn mit der (Nicht-) Reaktion derselben Gruppen während des Massakers vom 8. und 9. Januar 2026 vergleicht. Laut Berichten von Amnesty International und Iran International wurden in nur 48 Stunden bis zu 36.500 Menschen vom Regime ermordet - eine unvorstellbarer Zahl. Gleichzeitig schnitt ein Internet-Blackout den Iran von der Außenwelt ab. Wer damals schwieg, sollte heute nicht über eine »Eskalation« der Lage dozieren.
Lobbyismus unter dem Deckmantel der Diplomatie
Die Koordination der Proteste gegen den Krieg ist auch das Ergebnis jahrzehntelanger Infiltration. Organisationen wie der National Iranian American Council (NIAC) und das Quincy Institute fungieren dabei als »Soft Power«-Arm der Islamischen Republik im Westen. Sie behaupten nämlich, die iranische Diaspora zu vertreten. Dabei gibt es genügend Stimmen aus ebendieser Diaspora, die diesen Claim entschieden zurückweisen.
Beispielhaft sei in diesem Zusammenhang Zohran Mamdani genannt. Der seit Januar amtierende New Yorker Bürgermeister nutzt seinen Posten, um die israelischen Militärschläge als »katastrophale Eskalation« zu brandmarken. Doch die Gegenrede der Aktivistin Sana Ebrahimi traf den Kern: »Als unser Volk im Januar wie Tiere gejagt wurde, hast du geschwiegen.«
Es ist dieselbe Doppelmoral, die man bei Gruppen findet, die nun lautstark protestieren, nachdem ein im Staatsfernsehen diskutierter »Lobby-Plan« des Regimes Früchte trägt.
Die Finanzierung ist oft eine toxische Mischung aus europäischen Staatsgeldern und nahöstlicher »Philanthropie«. In Irland und Norwegen erhalten »humanitäre« NGOs, die Netzwerke unterstützen, welche die Rhetorik der »Achse des Widerstands« der IRGC widerspiegeln, beispielsweise Millionen an Steuergeldern. Diese Gruppen nutzen westliche Rechtssysteme, um Sanktionen zu blockieren, während das Regime die Strategie der Taqiyya, der strategischen Täuschung, anwendete, um sein Nuklearprogramm bis zur Waffenreife voranzutreiben.
Schaltet man heute einen beliebigen öffentlich-rechtlichen Sender im Westen ein, wird man eine Reihe von Nahost-Experten sehen. Was sie sagen, klingt häufig identisch: »Wir müssen ein Machtvakuum vermeiden« und »Die israelischen Militärschläge untergraben die Diplomatie«.
Viele dieser Experten sind die »nützlichen Idioten« des 21. Jahrhunderts. Sie ignorieren die eschatologische Realität des Vilayat-e Faqih, also den Glauben, dass das schiitische Regime Chaos auslöst, um den verborgenen Imam herbeizurufen. Für unsere Experten sind die Iraner dagegen Spielfiguren in einem geopolitischen Spiel, in dem es um eine vermeintliche »Stabilität« geht, die auf den Gräbern von mehr als 30.000 Demonstranten errichtet wurde. Damit priorisieren sie das Überleben eines Staates, der in Wirklichkeit ein Weltuntergangskult ist.
Doch warum agiert der Westen so gelähmt? Peter Hammonds »Stufen der Islamisierung« bieten den Rahmen. In Ländern wie Großbritannien, Deutschland und Schweden, die mittlerweile einen muslimischen Bevölkerungsanteil von 7 bis 9 Prozent haben, haben wir die Stufe der »harmlosen Minderheit« längst verlassen. Wir befinden uns demnach in der Phase des unverhältnismäßigen politischen Drucks.
Politiker wie Bernie Sanders oder Zohran Mamdani priorisieren das »Ethnic Vote« und »antikoloniale« Narrative, anstatt der Realität ins Auge zu sehen. Sie tun dies aus Angst, als »islamophob« abgestempelt zu werden, und lassen sich vor den Karren der gefährlichsten Theokratie der Welt spannen. Sie verurteilen zwar »illegale Kriege«, ignorieren aber weitgehend das Agieren eines Regimes, das seine eigenen Kinder in den Straßen von Rasht und Mashhad hinrichten lässt.
<strong>Die Uhr tickt</strong>
Die Militärschläge der letzten zehn Tage haben ein Fenster der Gelegenheit eröffnet. Die Islamische Republik ist angeschlagen. Ihre Ermöglicher im Westen sind aber nach wie vor aktiv. Wenn wir weiterhin auf die vermeintlichen »Experten« und »progressiven« New Yorker Bürgermeister hören, werden wir feststellen, dass die Apokalypse, die das Regime herbeisehnt, auch in unsere eigenen Straßen verlegt werden wird.