Igor Matviyets

Halle: Zwei Jahre voller Fehler

Igor Matviyets Foto: Florian Korb

Zum zweiten Mal jährt sich der antisemitische und rassistische Anschlag von Halle. An dieser Stelle sollte nun stehen, welche Lehren Politik und Gesellschaft gezogen haben und wie der Kampf gegen die menschenfeindlichen Ideologien fortgeschritten ist.

Stattdessen kommen Erinnerungen an den ersten Jahrestag hoch, als der damalige Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht, kurze Zeit vor dem 9. Oktober 2020 in einem Polizeirevier Polizistinnen und Polizisten erklärte, dass der Schutz jüdischer Einrichtungen Arbeitszeit kostet, die an anderer Stelle fehle. Diese Aussage sorgte für einen bundesweiten Aufschrei in der jüdischen Community, und selbst auf der offiziellen Gedenkveranstaltung wurde sie thematisiert.

jahrestag Kurz vor dem zweiten Jahrestag wurde jetzt bekannt, dass der Attentäter von Halle eine »Brieffreundschaft« zu einer Polizistin aus genau dem Revier unterhielt, in dem der damalige Innenminister seine unsäglichen Äußerungen über den Schutz jüdischen Lebens machte.

Da kennt man als Polizei nicht die Feiertage. Lässt den Attentäter einen Fluchtversuch unternehmen. Danach ungestört Brieffreundschaften unterhalten. Und ein Polizist vertuscht Hakenkreuze vor dem jüdischen Gemeindehaus.

Nein, hier gibt es keinen direkten Zusammenhang. Aber es wird deutlich, dass sich in diesem Bundesland die Fehler in Bezug auf die jüdische Community häufen. Da kennt man als Polizei nicht die Feiertage. Lässt den Attentäter einen Fluchtversuch unternehmen. Danach ungestört Brieffreundschaften unterhalten. Und ein Polizist vertuscht Hakenkreuze vor dem jüdischen Gemeindehaus.

APPELLE In Sachsen-Anhalt ist in den vergangenen zwei Jahren nicht der Eindruck entstanden, dass der Schutz jüdischen Lebens und die Aufarbeitung des Anschlags einen besonderen Stellenwert haben. Denn so viele Fehler erlaubt man sich bei keiner Sache, die einem wichtig ist.

Die Worte von Verantwortlichen aus der Landespolitik werden am zweiten Jahrestag mit Sicherheit voller mahnender Appelle und Solidaritätsbekundungen sein, aber am 10. Oktober widmet man sich dann wieder den »tatsächlich wichtigen« Dingen.

Der Autor ist SPD-Politiker in Sachsen-Anhalt und Mitglied der Jüdischen Gemeinde Halle.

Meinung

Iranischer Staatsterror: Zeit zu handeln, Herr Bundeskanzler!

Die Islamische Revolutionsgarde des Iran wollte den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft zufolge Josef Schuster und Volker Beck ermorden lassen. Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben

von Michael Thaidigsmann  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Meinung

Das entspricht nicht der Essenz unseres Landes!

Man muss keine Sympathie für die Aktivisten der Gaza-Flotille haben, um die Art abzulehnen, wie Itamar Ben-Gvir mit ihnen umgegangen ist. Der Minister hat dem Ansehen Israels geschadet

von Sarah Cohen-Fantl  21.05.2026

Meinung

Die Jewrovision sendet ein Signal

Bei dem Musikwettbewerb haben die Teilnehmer auch immer wieder den grassierenden Antisemitismus thematisiert. Die Politik muss die Angst jüdischer Kinder und Jugendlicher endlich ernst nehmen

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Essay

Wie die »New York Times« Israel verteufelt

Der Autor Nicholas Kristof überzieht Israel in einem Meinungsbeitrag mit ungeheuerlichen Vorwürfen. Doch belastbare Beweise für seine Behauptungen legt er nicht vor – und schadet damit dem Journalismus

von Daniel Neumann  19.05.2026

Meinung

Die Israel-Allergie der ARD

Douze Points für Israel - und dann Schweigen

von Guy Katz  17.05.2026

Meinung

Ein Mutmacher in trüben Zeiten

Die Abstimmung für Noam Bettan beim Eurovision Song Contest zeigt, dass sich die Bürger nicht so einfach von israelfeindlicher Propaganda beeinflussen lassen

von Daniel Killy  17.05.2026

Meinung

Orden für den Botschafter: Wie Leo XIV. Irans Regime aufwertet

Mit seinem Orden für den iranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl verpasst der Papst den Menschen im Iran symbolisch einen Tritt in die Magengrube

von Michael Thaidigsmann  13.05.2026