Kommentar

Die Mullah-Diktatur nicht davonkommen lassen

Saba Farzan Foto: privat

Hassan Nasrallah ist Geschichte. Der radikal-islamische Massenmörder wurde durch einen israelischen Luftangriff getötet. Der Chef der Terror-Miliz Hisbollah hat israelisches, syrisches, libanesisches, amerikanisches und iranisches Leben ausgelöscht – dass er in Grund und Boden gebombt wurde, macht unsere Welt ein Stück gerechter. Genauso wie der Abgang der höchsten Kommandostruktur der Hisbollah.

Israel führt eine sicherheitspolitische Kampagne mit Präzisionsschlägen, die in Stufen erfolgt. Erst die Halbierung des Raketenarsenals, dann die Zerstörung der Führungsriege und nun die begrenzte Bodenoffensive.

Das taktische Ziel ist, Zehntausenden Israelis die Rückkehr in ihre Heimat im Norden des Landes zu ermöglichen. Das strategische Ziel ist die Demontage der Terror-Infrastruktur des iranischen Regimes im Nahen Osten. Nun stellt sich die Frage, ob Israel gegen das iranische Atomwaffenprogramm vorgehen wird, das die Existenz des jüdischen Staates bedroht und eine globale Sicherheitsgefahr darstellt.

Drohkulisse: das Raketenarsenal der Hisbollah

Sicherheitspolitisch war in den vergangenen Jahren eine militärische Lösung genau wegen der Drohkulisse, die die Hisbollah mit ihrem Raketenarsenal aufgebaut hat, nicht machbar. Der Weg wäre nach einer Ausschaltung der Terrororganisation auch aus einem anderen Blickwinkel frei.

Für eine konzentrierte militärische Aktion gegen das Atomwaffenprogramm würde die kürzeste Route durch den Luftraum des Irak führen – auch wenn der Irak über keine Luftabwehr verfügt, so ist das Land in Teilen vom iranischen Regime besetzt, und deswegen besteht eine Gefahr durch iranische Drohnen.

Die etwas längere Route über saudischen Luftraum hat eine logistische Herausforderung: Flugzeuge müssten in der Luft betankt werden. Das ist machbar. Die politische Herausforderung, dass Saudi-Arabien seinen Luftraum für Israel nicht öffnen wird, ist mit den Abraham Accords Geschichte geworden.

Kooperation mehrerer Staaten am Persischen Golf

Die Kooperation gleich mehrerer Staaten am Persischen Golf mit dem jüdisch-demokratischen Staat ist mit Zustimmung der Saudis passiert und macht eine seit mindestens einem Jahrzehnt reale geheimdienstliche Kooperation öffentlich.

Wie wahrscheinlich ist es aber, dass ein solches militärisches Szenario eintrifft? Die Entwicklung ist offen, aber man stampft eine der schrecklichsten islamischen Terrororganisationen nicht ein, um dann die Mullah-Diktatur davonkommen zu lassen.

Lesen Sie auch

»Wenn der Iran endlich frei ist – und der Moment wird früher eintreten, als die Leute denken –, wird alles anders sein«, versprach Ministerpräsident Netanjahu in einer Videobotschaft an das iranische Volk. In der Geschichte der Menschheit hat es noch nie eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Juden und den Persern gegeben. Das ist sowohl den Israelis als auch den Menschen im Iran bewusst.

Deshalb empfindet die dortige Zivilgesellschaft Israels Iranpolitik als wirksamen Schritt gegen ein anti-iranisches Regime, das die Perser als eine arabische Besatzung erleben und zutiefst verachten. Für sie sind Israels taktische und strategische Mittel ein Ausdruck der Solidarität und Unterstützung, um sich im Idealfall selbst von diesem menschenverachtenden Unrecht zu befreien.

Nicht umsonst ist dieser Tage ein Graffito mit dem Slogan »Antisemitismus hat keinen Platz in der Zukunft des Iran« mitten in der iranischen Hauptstadt zu sehen – es ist ein Versprechen an sich selbst, an Israel, an die Region und an den Rest der Welt.

Die Autorin ist deutsch-iranische Theaterwissenschaftlerin.

Glosse

Deutschland sucht den Nazi

Der »Spiegel« und die »Zeit« helfen den Deutschen, die Nazis unter den Vorfahren aufzuspüren - und verdienen damit ganz nebenbei gutes Geld. Richtig so, findet unser Autor

von Michael Thaidigsmann  19.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026

Meinung

Wie Höcke die AfD zur Abrissbirne der Demokratie machen will

Die jüngsten Aussagen des Thüringer AfD-Chefs zeigen einmal mehr, wes Geistes Kind Björn Höcke ist und was er mit Deutschland vorhat: nichts Gutes

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Meinung

Letzte Chance für die Linke

Viele Juden haben »Die Linke« schon abgeschrieben. Doch nach wie vor gibt es dort Mitglieder, die den Antisemitismus innerhalb der Partei bekämpfen. Hoffentlich setzen sie sich auf dem Bundestreffen in Potsdam durch

von Mascha Malburg  18.06.2026

Kommentar

Der Judenhass hat Platz genommen

Die neuen RIAS-Zahlen sind alarmierend. Und sie zeigen einmal mehr eindrücklich: Antisemitismus ist kein Minderheitenproblem und ganz sicher nicht nur ein Judenproblem. Er ist ein Demokratieproblem

von Nelly Eliasberg  17.06.2026

Meinung

Ein beschämender Deal

Israel und die USA haben den Iran zwar militärisch geschwächt. Dennoch haben sie keines ihrer Kriegsziele erreicht. Mit dem sich nun abzeichnenden Abkommen belohnt Präsident Donald Trump das mörderische Mullah-Regime

von Michael Roth  15.06.2026

Kommentar

Die Welt atmet auf, viele Juden tun es nicht

Weder Hamas noch Hisbollah sind verschwunden. Das iranische Regime sitzt weiterhin in Teheran, mit derselben Ideologie, die den 7. Oktober verursacht hat

von Guy Katz  15.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert