Einspruch

Die Halacha gehört uns

Rabbiner Jehoschua Ahrens Foto: Markus Forte

Einspruch

Die Halacha gehört uns

Rabbiner Jehoschua Ahrens ärgert sich über gut gemeinte Ratschläge einer evangelischen Zeitschrift

von Rabbiner Jehoschua Ahrens  18.11.2021 16:25 Uhr

Ein Redakteur der Zeitschrift »zeitzeichen« wollte gut gemeinte Ratschläge über »Vaterjuden« geben. Interessanterweise schreibt das Kulturmagazin der evangelischen Kirche, dass das von nichtjüdischer Seite »etwas zweifelhaft« ist. Und natürlich kann man im Dialog über alles Mögliche sprechen, und wir können auch vom anderen lernen.

Die ökumenische Kampagne »#beziehungsweise« warnt allerdings: »Die Betonung der Nähe ist nur unter Wahrung der Würde der Differenz möglich. Deshalb halten wir es für unverzichtbar, die Bezugnahmen auf das Judentum in christlichen Kontexten auch kritisch zu hinterfragen.« Genau das tut das Magazin allerdings nicht. Der Text ist befremdlich.

»Vaterjuden« Nicht nur, dass dem Zentralrat der Juden geraten wird, »Vaterjuden« endlich als Juden anzuerkennen (ohne zu verstehen, dass die Klärung religiöser Statusfragen gar keine Aufgabe des Zentralrats ist), es geht vor allem um die Begründungen.

Christen sollten wirklich nicht versuchen, das Judentum zu »verbessern« – was wir machen und wie, das entscheiden wir schon selbst.

Für das evangelische Magazin ist unsere Definition, wer Jude ist, einfach nur »vormodern« und »rein biologistisch und traditionell gedacht«, sie widerspreche »dem heutigen Leben und einer kulturell-familiären Interpretation des Judentums, die in einer zunehmend säkularen jüdischen Gemeinschaft immer wichtiger wird«. Jüdisches Selbstverständnis wird hier also pauschal als anachronistische Gesetzesstarrigkeit abgetan.

grundkonsens Wir Juden sollen weniger andersartig sein, das wäre doch auch gut für uns. Die Ursache allen Übels ist natürlich auch ausgemacht, denn man solle vor allem nicht »ängstlich auf orthodoxe Gruppen in Deutschland oder Israel schielen«. Die Zeitschrift weiß scheinbar nicht, dass es bei uns einen strömungsübergreifenden Grundkonsens zur jüdischen Statusfrage gibt.

Sind wir Juden also anachronistische Fundis, weil wir Traditionen halten, mit denen wir die letzten drei Jahrtausende gut gefahren sind? Nein, Christen sollten wirklich nicht versuchen, das Judentum zu »verbessern« – was wir machen und wie, das entscheiden wir schon selbst.

Der Autor ist Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD).

Meinung

Die Gefahr des Islamismus endlich ernst nehmen

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD reichen Bekundungen der Trauer und Betroffenheit nicht. Es braucht konkretes gesetzgeberisches Handeln, um dem Terror zu begegnen

von Volker Beck  26.07.2026

Meinung

»Glückwunsch« zum Genozid-Vorwurf

Solange die Grüne Jugend einseitig gegen Israel gerichtete Beschlüsse fasst, kann sie kein Partner im Kampf gegen Antisemitismus sein

von Anika Schmütz  26.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  26.07.2026

Meinung

Wo ist der Geist von Sarajevo?

Auch in Deutschland rufen Vertreter der bosnischen Diaspora zunehmend nach harten Sanktionen gegen Israel und scheuen den Dialog mit den jüdischen Gemeinden hier. Das war schon einmal anders

von Marc Simon  24.07.2026

Meinung

Notbremse gegen Antisemitismus

Die Hochschulleitungen müssen den Judenhass ihrer Mitarbeiter und Studierenden als das ernst nehmen, was er ist: eine Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland

von Debora Eller  22.07.2026

Meinung

Herr Kretschmer, es gibt nichts mit der AfD zu bereden!

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stellt einmal mehr die Brandmauer in Frage und will »mit jedem reden, der reden will«. Doch reden muss man allenfalls mit den Wählern der AfD

von Michael Thaidigsmann  22.07.2026

Meinung

Es reicht!

Im Angesicht der brutalen und mutmaßlich antisemitisch motivierten Gewalttat bei Würzburg muss endlich über Verantwortlichkeiten geredet werden

von Volker Beck  22.07.2026

Meinung

Ist der neue jüdische Außenminister nur ein Feigenblatt?

Großbritanniens neuer Premier Andy Burnham hat Ed Miliband zum Außenminister ernannt. Dass nun ein jüdischer Politiker für die Nahostpolitik zuständig ist, könnte auch ein Feigenblatt sein

von Michael Thaidigsmann  21.07.2026

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  18.07.2026 Aktualisiert