Gideon Botsch

Die AfD weicht auf ihren »Flügel« aus

Der Potsdamer Extremismusforscher Gideon Botsch Foto: Karla Fritze

Gideon Botsch

Die AfD weicht auf ihren »Flügel« aus

Die jüngste Krise der Populistenpartei könnte sie noch weiter nach rechts abdriften lassen

von Gideon Botsch  11.07.2019 09:14 Uhr

Die AfD ist in der Krise. Seit zehn Monaten schon befindet sich die Partei in der Defensive. Sie versucht es nun mit einer gezielten Spaltung der deutschen Gesellschaft, indem sie die Grünen zum neuen Hauptfeind erklärt. Dabei kämpft sie im Grunde genommen vor allem mit sich selbst. Und die Verantwortung dafür trägt ihr rechtsextremer Flügel, der sich auch selbst »Flügel« nennt.

Das Erfolgsrezept der AfD war ursprünglich die Kombination bürgerlicher Kräfte, die sich eine Alternative rechts der Union wünschten, und rechtsextremer Strömungen, die zu einer taktischen Zivilisierung bereit waren. Es war vor allem Alexander Gauland, der die Partei von Beginn an mit Macht nach rechts zog. Gauland ist keine Integrationsfigur, sondern ein Mann des »Flügels«. Er hat dieses Machtzentrum stark gemacht und Björn Höcke und Andreas Kalbitz als kommende Parteielite aufgebaut. Das sind zwei Männer, die fest im rechtsextremen Milieu verwurzelt sind. Bereits 2017 kam niemand mehr am »Flügel« vorbei, und inzwischen wird die AfD von den Rechtsextremen dominiert.

STAGNATION Das hat das Image der AfD als bürgerlich-konservative Partei desavouiert und den Verfassungsschutz auf den Plan gerufen. Seit den Europawahlen, als im Westen der Zuspruch im Vergleich zu den Bundestagswahlen 2017 zurückgegangen ist, richtet die AfD ihre Hoffnungen auf den Osten. Doch auch hier stagniert die Zustimmung, wenngleich auf hohem Niveau. Von Mehrheiten ist die AfD selbst in Sachsen weit entfernt.

Gauland hat das
rechte Machtzentrum
stark gemacht.

Im Unterschied zu anderen Strömungen ist der »Flügel« ein starkes Machtzentrum. Seine Angehörigen haben eine Agenda, eine Strategie und sind gut miteinander vernetzt. Die AfD soll absolute Macht erringen, sich nicht auf Kompromisse mit der Union einlassen. Der Wert der Partei besteht für den »Flügel« darin, der extremen Rechten verbesserte Bedingungen zu verschaffen. Entsprechend arbeiten weite Teile der AfD nicht an einer Professionalisierung. Die Ergebnisse sieht man in Sachsen, wo Schlampigkeit und Missachtung formaler Regeln die eigene Wahlliste ernsthaft gefährden. Die Verantwortung trägt ausschließlich die AfD, den Schaden nimmt aber die Demokratie insgesamt.

Der Autor leitet die Emil-Julius-Gumbel-Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam.

Meinung

Knaulkorb für den Zentralrat

In einem »taz«-Kommentar von Susanne Knaul wird der Zentralrat der Juden und sein Präsident Josef Schuster aufgefordert, beim Thema Iran »einfach mal die Klappe« zu halten

von Michael Thaidigsmann  04.03.2026

Meinung

Der Iran, der Krieg und das Völkerrecht

Das Völkerrecht soll Menschen schützen. Wenn es zum Selbstzweck erhoben und höher gewichtet wird, als die Schicksale der Entrechteten, verliert es seinen Sinn

von Tobias Kühn  04.03.2026

Meinung

Wie die Kirche beim Thema Iran die Orientierung verliert

Ein Kommentar von Daniel Neumann

von Daniel Neumann  02.03.2026

Analyse

Geduld ist das Gebot der Stunde

Das iranische Regime hat in der Vergangenheit einen zermürbend langen Atem bewiesen. Auch nach der Tötung seines obersten Führers ist daher Demut und Weitsicht gefragt.

von Nathan Peres  02.03.2026

Kommentar

Die Kotel ist für alle da

Die Klagemauer könnte in Zukunft einzig vom orthodoxen Rabbinat verwaltet werden. Was als Schutz der Heiligkeit verkauft wird, wäre ein Angriff auf religiöse Vielfalt

von Sophie Goldblum  27.02.2026

Meinung

Was Layout verraten kann

Holger Friedrich hat die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung auf den Markt gebracht. Bei der Gestaltung drängen sich merkwürdige Bilder auf. Welche Zielgruppe will er wohl erreichen?

von Marco Limberg  25.02.2026

Meinung

Xavier Naidoo hat allen etwas vorgemacht

Der Popstar hat gerade erst sein Comeback gegeben, da verbreitet er wieder antisemitisch konnotierte Verschwörungsmythen. Spätestens jetzt ist seine angebliche Läuterung ganz und gar unglaubwürdig geworden

von Ralf Fischer  23.02.2026

Kommentar

Eure Masche zieht nicht mehr!

Mittlerweile hat es sich selbst im Kulturbetrieb herumgesprochen, dass die Bigotterie der sogenannten pro-palästinensischen Aktivisten allzu durchschaubar ist, wenn Menschenrechte gepredigt und im gleichen Atemzug »Genozid« und »Boykott« geschrien wird

von Sophie Albers Ben Chamo  22.02.2026

Meinung

Endlich kehrt Ehrlichkeit in die Debatte über die UNRWA ein!

Der CDU-Antrag bringt auf den Punkt, was seit Jahren verdrängt wurde: Palästinensische Gewalt darf natürlich nicht als politisches Instrument akzeptiert werden

von Daniel Neumann  21.02.2026