Kommentar

Das Unfassbare ertragen

Sie hatte diesen Blick, der alles sagte. Zumindest dachte ich das. Ich schaute das die Aufnahme wieder und wieder an. Heute nochmal. Und immer wieder stelle ich mir dieses Gefühl der Ohnmacht vor, wie es sich anfühlen muss, wenn der beste Freund, der geliebte Mann nicht mehr zurückkommt, wenn der Tod einmal mehr über das Leben siegt. Wessen Triumph ist es?

Sie quittierte ihnen das Geschehene mit Verachtung. Mit der Aufforderung, dass ihre Würde unantastbar sei. Mit Hoffnung. Als wäre sie selbst unverwundbar. Was ging damals durch ihren Kopf, als man der Welt vorgaukelte, ihre Freilassung wäre der Auftakt zur Freilassung aller Geiseln? Alles nur Scharade. Die Welt ließ sich einmal mehr blenden. Wusste sie damals schon, was geschehen wird? Wusste sie, dass auch ihre Welt für immer aus den Fugen geraten wird? War ihre Kraft auch nur vorgetäuscht? Als Zeichen der Stärke.

Lesen Sie auch

Nun ist sie allein. Witwe mit 36. Ist sie nicht viel zu jung dafür? Wie alle anderen, deren Innerstes mit jedem Menschen, der ihnen für immer weggerissen wird, abgestumpft wird. Abgebrannt. Wie verkohlte Asche. Wird diese Wunde je verheilen?

Nun ist sie allein. Wird versuchen, das alles zu verstehen, was es nicht zu verstehen gibt.

Ich hoffe, sie findet auch nur irgendeinen Weg, das Unfassbare zu tragen, damit sie zumindest weiteratmen kann.

dreyfus@juedische-allgemeine.de

Jom Hasikaron

So viele Verluste

Mein Vater floh vor der Schoa, wurde beinahe in seinem Kibbuz ermordet und starb als Flüchtling im eigenen Land. Der Gedenktag wird dieses Jahr für mich besonders schmerzhaft sein

von Eshkar Eldan Cohen  20.04.2026

Jom Hasikaron

Wenn Hunde heilen

Ein Projekt in Israel bringt Soldaten und traumatisierte Überlebende mit jungen Hunden zusammen – und schafft stille Rettungsräume im Alltag. Eine Begegnung im Yarkon-Park in Tel Aviv

von Sabine Brandes  20.04.2026

Israel

Herzog zeichnet Milei mit Ehrenmedaille aus

Javier Milei erhält in Jerusalem die höchste zivile Auszeichnung des jüdischen Staates. Der argentinische Präsident stellte sich im Konflikt mit dem Iran klar an die Seite Israels und der USA

 20.04.2026

Jom Hasikaron

Schmerz und Erinnerung im Herzen der Stadt

Welche Zukunft hat der Gedenkort der Terroropfer und gefallenen Soldaten am zentralen Dizengoff-Platz in Tel Aviv?

von Sabine Brandes  20.04.2026

Waffenruhe

Präsident Aoun: Libanon verhandelt alleine mit Israel

Seit ein paar Tage gilt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon eine Waffenruhe. Die Regierung in Beirut will dauerhafte Stabilität für den Mittelstaat erreichen

 20.04.2026

Nahost

Soldat schlägt auf Jesus-Statue ein. Israel kündigt harte Strafe an

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte die Attacke »aufs Schärfste«. Das israelische Militär kündigte »angemessene Maßnahmen« gegen alle Beteiligten an

 20.04.2026

Nahost

Iran richtet zwei Männer hin

Den Verurteilten wurde vorgeworfen, für den Mossad spioniert zu haben. Menschenrechtler sprechen jedoch davon, dass es sich um politische Gefangene gehandelt habe

 20.04.2026

Nord-Israel

Kiryat Schmona: Bewohner demonstrieren gegen Waffenruhe mit Hisbollah

Die Demonstranten werfen der Regierung vor, die Sicherheitsinteressen des Nordens preiszugeben

 20.04.2026

Staatsbesuch

Milei sagt Israel Unterstützung zu – Direktflüge und Botschaftsumzug angekündigt

Neben der Politik kommt die Kultur nicht zu kurz: Für eine israelische Fernsehsendung zum morgigen Jom Haatzmaut singt der argentinische Präsident einen Song

 20.04.2026