Kommentar

Das Unfassbare ertragen

Sie hatte diesen Blick, der alles sagte. Zumindest dachte ich das. Ich schaute das die Aufnahme wieder und wieder an. Heute nochmal. Und immer wieder stelle ich mir dieses Gefühl der Ohnmacht vor, wie es sich anfühlen muss, wenn der beste Freund, der geliebte Mann nicht mehr zurückkommt, wenn der Tod einmal mehr über das Leben siegt. Wessen Triumph ist es?

Sie quittierte ihnen das Geschehene mit Verachtung. Mit der Aufforderung, dass ihre Würde unantastbar sei. Mit Hoffnung. Als wäre sie selbst unverwundbar. Was ging damals durch ihren Kopf, als man der Welt vorgaukelte, ihre Freilassung wäre der Auftakt zur Freilassung aller Geiseln? Alles nur Scharade. Die Welt ließ sich einmal mehr blenden. Wusste sie damals schon, was geschehen wird? Wusste sie, dass auch ihre Welt für immer aus den Fugen geraten wird? War ihre Kraft auch nur vorgetäuscht? Als Zeichen der Stärke.

Lesen Sie auch

Nun ist sie allein. Witwe mit 36. Ist sie nicht viel zu jung dafür? Wie alle anderen, deren Innerstes mit jedem Menschen, der ihnen für immer weggerissen wird, abgestumpft wird. Abgebrannt. Wie verkohlte Asche. Wird diese Wunde je verheilen?

Nun ist sie allein. Wird versuchen, das alles zu verstehen, was es nicht zu verstehen gibt.

Ich hoffe, sie findet auch nur irgendeinen Weg, das Unfassbare zu tragen, damit sie zumindest weiteratmen kann.

dreyfus@juedische-allgemeine.de

Verstrickungen

Geschäfte mit einem Mörderregime

Wie ein iranischer Banker ein europäisches Immobilienimperium aufbaute – inklusive Hilton-Hotels in Deutschland

von Philip Plickert  26.02.2026

Aliya

»Ich habe gewonnen«: Auschwitz-Überlebende (96) wandert nach Israel aus

Charlotte Roth will mehr Zeit mit ihrer Familie bringen, die zum größten Teil aus den USA nach Israel eingewandert ist

 26.02.2026

Jerusalem

Todesstrafe-Gesetz soll »abgeschwächt« werden

Klauseln könnten gegen internationales Recht verstoßen und werden von Experten als potenziell verfassungswidrig eingestuft

von Sabine Brandes  26.02.2026

Porträt

Kein Neuland

Mit dem Diplomaten und ehemaligen FDP-Bundestagsabgeordneten Alexander Graf Lambsdorff soll ein Israel-Kenner der nächste Botschafter in Tel Aviv werden. Was ist von ihm zu erwarten?

von Joshua Schultheis  26.02.2026

Sport

Tel Aviv rüstet sich für Marathon: Umfangreiche Straßensperrungen angekündigt

Der erste Startschuss fällt schon um 5:30 Uhr

 26.02.2026

»Pay for Slay«

Terror-Renten: Autonomiebehörde zahlte mehr als 130 Mio. Euro

Dem israelischen Sicherheitskabinett zufolge wurden sogar Gehälter von Lehrern gekürzt, um die Zahlungen aufrechtzuerhalten

 26.02.2026

Israel

Auf frischer Tat gerettet

Eine Raubgrabung fördert 2000 Jahre alte Geschichte zutage und führt zu einer antiken Steinwerkstatt

von Sabine Brandes  25.02.2026

Wirtschaft

»Tropfenwunder« zu verkaufen

Das Bewässerungsunternehmen »Netafim« ist eine der größten Erfolgsgeschichten des Landes. Nun soll es offenbar von einem chinesischen Investor übernommen werden

von Sabine Brandes  25.02.2026

Analyse

Die Uhr tickt

Zwischen Abschreckung, Drohgebärden und Überlastung: Warum die Krise zwischen den USA und dem Iran für den jüdischen Staat brandgefährlich ist

von Sabine Brandes  25.02.2026