Kommentar

Das Unfassbare ertragen

Sie hatte diesen Blick, der alles sagte. Zumindest dachte ich das. Ich schaute das die Aufnahme wieder und wieder an. Heute nochmal. Und immer wieder stelle ich mir dieses Gefühl der Ohnmacht vor, wie es sich anfühlen muss, wenn der beste Freund, der geliebte Mann nicht mehr zurückkommt, wenn der Tod einmal mehr über das Leben siegt. Wessen Triumph ist es?

Sie quittierte ihnen das Geschehene mit Verachtung. Mit der Aufforderung, dass ihre Würde unantastbar sei. Mit Hoffnung. Als wäre sie selbst unverwundbar. Was ging damals durch ihren Kopf, als man der Welt vorgaukelte, ihre Freilassung wäre der Auftakt zur Freilassung aller Geiseln? Alles nur Scharade. Die Welt ließ sich einmal mehr blenden. Wusste sie damals schon, was geschehen wird? Wusste sie, dass auch ihre Welt für immer aus den Fugen geraten wird? War ihre Kraft auch nur vorgetäuscht? Als Zeichen der Stärke.

Lesen Sie auch

Nun ist sie allein. Witwe mit 36. Ist sie nicht viel zu jung dafür? Wie alle anderen, deren Innerstes mit jedem Menschen, der ihnen für immer weggerissen wird, abgestumpft wird. Abgebrannt. Wie verkohlte Asche. Wird diese Wunde je verheilen?

Nun ist sie allein. Wird versuchen, das alles zu verstehen, was es nicht zu verstehen gibt.

Ich hoffe, sie findet auch nur irgendeinen Weg, das Unfassbare zu tragen, damit sie zumindest weiteratmen kann.

dreyfus@juedische-allgemeine.de

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Israel

Wahltag in Blau-Weiß

Bis zuletzt warben die Parteien vor den Wahllokalen um Stimmen - und von denen gab es viele zu holen: Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit 1988 nicht mehr. Ein 94-Jähriger gab seine Stimme mit letzter Kraft ab und starb kurz darauf

von Sabine Brandes  27.10.2026

Knesset-Wahl

Eisenkot will Netanjahu ablösen

Netanjahus Likud liegt zwar laut ersten Prognosen vorn, doch seinem Lager fehlen viele Sitze zur Mehrheit. Ex-Militärchef Eisenkot will die Regierung ablösen – doch gelingt ihm das?

 27.10.2026

Knesset-Wahl

Lapid: Öffentlichkeit hat Netanjahu-Lager »nach Hause geschickt«

Netanjahus Likud-Partei wurde zwar laut Prognosen stärkste Kraft im Parlament, kommt aber mit ihren Partnern nicht auf eine Mehrheit. Die Opposition sagt, seine Regierung sei damit »gefeuert«.

 27.10.2026

Israel

Eisenkot-Lager liegt vor Netanjahu-Lager

Die Likud-Partei des Premiers wurde allerdings ersten Prognosen zufolge stärkste Kraft. Der Wahlausgang ist alles andere als eindeutig

 27.10.2026 Aktualisiert

Entscheidung

Keine längeren Öffnungszeiten trotz hoher Wahlbeteiligung

15 Stunden haben die Israelis Zeit, ihre Stimme abzugeben. Ein Antrag, die Abstimmung zu verlängern, scheiterte

von Sabine Brandes  27.10.2026

Knesset-Wahl

Überschwemmungen behindern Wahl im Süden Israels

Überflutete Zufahrtsstraßen, abgeschnittene Orte: Im Süden Israels kamen manche Einwohner nicht zu ihrem Wahllokal. Reicht die Zeit noch, bevor die kleinen Wahllokale schließen?

 27.10.2026

Israel

Wer wählt wen und warum?

Von unerschütterlicher Bibi-Treue bis zur Sehnsucht nach einem Neuanfang: Wir haben Israelis gefragt, wem sie ihre Stimme gegeben haben

von Sabine Brandes  27.10.2026

Israel

Wahlbeteiligung bricht Aufzeichnungsrekord

Schon mehr als drei Millionen Israelis haben am Nachmittag ihre Stimme abgegeben - das ist der höchste in den Aufzeichnungen gemessene Wert

 27.10.2026