Alfred Jacoby

AfD gegen Bauhaus und Demokratie

Alfred Jacoby Foto: picture alliance / SZ Photo

Alfred Jacoby

AfD gegen Bauhaus und Demokratie

Völlig ignorant poltern die Populisten gegen das UNESCO-Weltkulturerbe – und beschwören den eigenen Glauben an eine neue rechtsextreme Götterdämmerung

von Alfred Jacoby  09.11.2024 17:20 Uhr

Die AfD in Sachsen-Anhalt hat sich ein neues Feindbild auserkoren: das Bauhaus. Im Magdeburger Landtag hat die als »gesichert rechtsextrem« eingestufte Partei einen gegen die Stiftung Bauhaus Dessau gerichteten Antrag gestellt.

Völlig ignorant poltert sie gegen das UNESCO-Weltkulturerbe, schwadroniert von der angeblich »menschenunfreundlichen Architektur« und gegen »Bausünden« im »abgrundtief hässlichen Bauhaus-Stil«. Gleichzeitig wendet sich die AfD »gegen die Verwässerung regionaler Eigenheiten«. Das klingt nach völkischem »Heimatstil«.

Der AfD-Antrag wird als bösartige Inszenierung erst dann verständlich, wenn man sich die Geschichte des Bauhauses vor Augen führt. Denn wo heute die Höcke-AfD an die Macht drängt, hatte alles begonnen, und zwar in Thüringen. Das 1919 in Weimar gegründete Bauhaus war bis zu seiner Schließung 1933 die weltweit progressivste und bis heute einflussreichste Kunst- und Architekturschule, auch weil es in seiner Lehre international ausgerichtet und für Studenten aus aller Welt offen war.

Man muss diese Attacke dort bekämpfen, wo sie geritten wird: im Parlament.

In der Weimarer Republik war das Bauhaus den national gesinnten Parteien von Anfang an suspekt. Schon 1924 wurde es vom rechten Weimarer Stadtparlament nach Dessau verjagt. Unter einem bereits von den Nazis dominierten Dessauer Stadtrat wiederholte sich 1932 das Ganze, und man zog nach Berlin. 1933 wurde das Bauhaus von Goebbels endgültig geschlossen. Jedes Mal geschah es nach dem gleichen Muster: Zuerst kündigte man auswärtigen Künstlern und Designern. Danach wurden die führenden Köpfe hinauskomplimentiert. Schließlich entzog man dem Bauhaus alle weiteren Mittel.

Auf denselben Wegen wandelt jetzt die AfD. Ein Jahr vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt beschwört sie damit den eigenen Glauben an eine neue rechtsextreme Götterdämmerung. Was dort gerade passiert, ist kein billiger Polit-Gag über die Frage: »Ist das Kunst oder kann das weg?«. Es ist ein Angriff auf unsere wertebasierte Demokratie. Daher muss man diese Attacke dort bekämpfen, wo sie geritten wird: im Parlament.

Der Autor war von 1998 bis 2018 Direktor des Dessau Institute of Architecture der Hochschule Anhalt in Dessau.

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