Einspruch

Abbas kommt davon

Nathan Gelbart Foto: pr

Im August 2022 sagte Mahmud Abbas im Kanzleramt, Israel habe seit 1947 »50 Holocausts« begangen – eine antisemitische Holocaust-Relativierung par excellence. Doch die Worte des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde kamen alles andere als überraschend, ist Abbas doch spätestens seit seiner Doktorarbeit aus dem Jahr 1982 promovierter Spezialist für die Leugnung der Schoa.

Nun hat die Berliner Staatsanwaltschaft entschieden, keine Ermittlungen gegen Abbas wegen des Verdachts der Volksverhetzung aufzunehmen. In der Erklärung heißt es, die Äußerungen von Abbas seien lediglich ein (strafloser) Angriff auf einen »fremden« Staat und enthielten keinen Bezug auf einen Teil der inländischen Bevölkerung.

dilettantismus Dass sich die Berliner Staatsanwaltschaft mit dieser peinlichen und rechtlich unhaltbaren Einstellungsverfügung zum Vasallen von Abbas macht, ist skandalös. Die Begründung zeigt auch historischen Dilettantismus, wenn der Kampf der Israelischen Verteidigungsarmee gegen mordende Guerillaverbände mit der Schoa gleichgesetzt wird.

Dass diese perfide Gleichsetzung eben nicht nur einen Angriff gegen Israel darstellt, sondern explizit die in Deutschland lebenden Schoa-Überlebenden und ihre Nachkommen konkret und unmittelbar entwürdigt, kann der Staatsanwaltschaft nicht entgangen sein.

Die Gleichsetzung relativiert erkennbar den millionenfachen Mord an den Juden Europas.

Diese Gleichsetzung relativiert erkennbar den millionenfachen Mord an den Juden Europas. Die Staatsanwaltschaft mag die von Abbas vorgenommene Gleichsetzung zwar als »äußerst unpassend« titulieren, sieht darin aber nicht einmal einen Anfangsverdacht für eine Volksverhetzung. Die Ablehnung der Aufnahme von Ermittlungen grenzt an Böswilligkeit und historische Unsensibilität.

Die Berliner Staatsanwaltschaft macht damit die jüdische Gemeinschaft Deutschlands zu Bürgern eines »fremden Staates« und reduziert ihren Anspruch auf Anerkennung des ihnen und ihren Angehörigen widerfahrenen Unrechts auf einen lediglich »äußerst unpassenden Vergleich«.

Der Autor ist Rechtsanwalt in Berlin.

Standpunkt

Die Militäroperation gegen das Mullah-Regime ist die Chance für den Nahen und Mittleren Osten

Ein Gastbeitrag von Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter (CDU) und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses

von Roderich Kiesewetter  31.03.2026

Meinung

Nein, und nochmals nein!

Der rechtsextreme Minister Itamar Ben-Gvir sagt, das Gesetz zur Todesstrafe werde dem Volk Israel »den Stolz zurückbringen«. Dabei steht es im Widerspruch zu fundamentalen Werten des Judentums

von Esther Schapira  31.03.2026

Kino Babylon

Ein Publikum wie eine Sekte: So war Francesca Albaneses Auftritt in Berlin

»Nazi«-Rufe, Verschwörungsglaube und Massenpsychose: Unser Gastautor ist entsetzt von dem, was er auf der Veranstaltung mit der UN-Sonderberichterstatterin für Palästina erlebt hat. Ein Erfahrungsbericht

von Wolf J. Reuter  31.03.2026

Sophie Albers Ben Chamo

Diaspora-Schmerz

So sehr die Angst und Sorge um Familie und Freunde in Israel auch an einem zehren – haben wir überhaupt das Recht dazu, wo wir doch in Sicherheit sind?

von Sophie Albers Ben Chamo  30.03.2026

Meinung

Deutsche Nahostpolitik: Es ist Zeit für einen Kurswechsel

Die wirtschaftliche Dynamik der Abraham-Abkommen ist längst sichtbar. Deutschland sollte diese Initiative nicht begleiten, sondern anführen, fordert der CEO von ELNET

von Carsten Ovens  29.03.2026

Meinung

Das Gedenken schützen

Ein linksextremes Bündnis plant zum Jahrestag der Befreiung Buchenwalds eine antisemitische Kundgebung. Thüringens Juden wehren sich gegen die Provokation

von Reinhard Schramm, Marek Sierka  29.03.2026

Essay

Wahre Freiheit gibt es nicht geschenkt

Warum Sicherheit ohne Freiheit weder für Israel noch für den Iran eine Zukunft bietet. Gedanken zu Pessach von Rabbinerin Elisa Klapheck

 29.03.2026

Essay

Keine Empathie für Israel, nirgends

Was mich an der deutschen Reaktion auf den Iran-Krieg irritiert

von Ralf Fücks  27.03.2026

Essay

Wie mit dem Völkerrecht Israel delegitimiert wird

Der Angriff auf den Iran sei eindeutig völkerrechtswidrig, sagen zahlreiche Experten. Sie machen es sich zu einfach. Denn es spricht viel dafür, dass Israel ein Recht auf präventive Selbstverteidigung hat

von Monika Polzin  27.03.2026